von Thomas Rünker

Trauer um Ökumene-Motor Eberhard Spiecker

Der Duisburger Jurist und Gründer des „Gesprächskreises Hamborn“ starb im Alter von 85 Jahren. Große Verdienste im Miteinander der Konfessionen an Rhein und Ruhr – aber auch bei der Suche nach Frieden für Nordirland.

"Ein engagierter Protestanten, der sich früher als viele andere für ein gutes Verhältnis der Konfessionen eingesetzt hat"

Der Duisburger Ökumene-Motor und Jurist Eberhard Spiecker ist tot. Wie die Evangelische Kirche im Rheinland mitteilte, starb der Hamborner Notar am vergangenen Wochenende im Alter von 85 Jahren. „Mit Spiecker verliert unsere Region einen engagierten Protestanten, der sich früher als viele andere für ein gutes Verhältnis der Konfessionen eingesetzt hat“, würdigte der Essener Weihbischof Wilhelm Zimmermann, Bischofsvikar für die Ökumene, das Engagement Spieckers.

Der 1931 in Duisburg-Hamborn geborene Spiecker wurde 1968 Presbyter seiner evangelischen Kirchengemeinde. Ein „Herzensanliegen“ sei dem Juristen das ökumenische Gespräch zwischen Katholiken und Protestanten gewesen, schreibt die rheinische Kirche. Überzeugt davon, dass die „konfessionelle Lähmung“ aufgebrochen werden müsse, weil sie „die Ausbreitung des Christuszeugnisses“ hindere, habe er Kontakte zwischen Theologen und Nichttheologen geknüpft. Schon zu Beginn der 1960er Jahre gründete Spiecker den „Ökumenischen Gesprächskreis Hamborn“ und lud in Anlehnung an die kirchliche Tradition 1963 zu einem ersten Brüdermahl mit dem damaligen Ruhrbischof Dr. Franz Hengsbach ein. Der Gesprächskreis wurde zu einem Treffpunkt regionaler und internationaler Vertreter verschiedener Kirchen, aber auch von Gästen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. 1999 war der spätere Papst Benedikt, Kardinal Joseph Ratzinger, als Präfekt der Glaubenskongregation in Hamborn zu Gast.

Für eine bessere institutionelle Vernetzung gründete Spiecker zudem bereits 1966/1967 den „Kontaktkreis“ zwischen Evangelischer Kirche im Rheinland und Bistum Essen. Ein Jahr später feierten die evangelische und die katholische Kirchengemeinde in Hamborn zusammen mit Bischof Hengsbach und dem rheinischen Präses Wilhelm Joachim Beckmann einen ersten gemeinsamen Gebetsgottesdienst. 1969 entstand im „Kontaktkreis“ die von Bischof und Präses unterzeichnete „Handreichung für gemeinsame Gebetsgottesdienste evangelischer und katholischer Christen“ sowie ein „Ökumenisches Liederbuch“.

Von seinem großen Engagement für die Ökumene war auch Spieckers Bemühen um eine Lösung des Nordirland-Konflikts geprägt, mit dem er sich ebenfalls große Anerkennung erwarb. 1988 gelang es ihm, Vertreter der beiden verfeindeten Parteien – der katholischen irischen Republikaner und der protestantischen Anhänger Großbritanniens – in Duisburg zu geheimen Gesprächen an einen Tisch zu holen. Spiecker habe eine „bedeutende, aber kaum erkannte Rolle” in den Bemühungen für einen nordirischen Friedensprozess in den 1980er Jahren gespielt, heißt es in einem Nachruf der britischen BBC. Auch in den folgenden Jahrzehnten blieb Spiecker in der Beilegung des Nordirland-Konflikts aktiv. Ab Ende der 1980er Jahre pflegte Spiecker zusätzlich aber auch Kontakte zur russisch-orthodoxen Kirche in Moskau.

Die Trauerfeier für Spiecker in der Friedenskirche Hamborn mit anschließender Beisetzung am benachbarten Friedhof erfolgt am kommenden Dienstag, 23. Mai, 11.30 Uhr.

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