Theologen diskutieren in der Kneipe über Heuschrecken und Sport-Sexismus

Beim „Theologischen Salon“ verlassen Bochumer Nachwuchswissenschaftler den akademischen Elfenbeinturm und präsentieren ihre Themen in der Szenekneipe „Goldkante“.

Theologen diskutieren die großen Fragen zwischen Himmel und Erde. Dabei wird ihnen gelegentlich vorgeworfen, dass dies wenig mit dem echten Leben zu tun habe. Vielleicht liegt dies an den typischen Örtlichkeiten der großen Theologie: Hörsäle ehrwürdiger Universitäten, Kirchen und Klöster oder gar der Vatikan verströmen selten den Charme der Alltagstauglichkeit. Konsequenterweise verlegen die Nachwuchs-Theologen der Bochumer Ruhr-Uni seit einigen Jahren ausgesuchte Themen in eine Kneipe – „dahin, wo das echte Leben spielt“, wie Christian Pelz es formuliert. Der Doktorand – Steckenpferd: „Starwars-Theologie“ – moderiert an diesem Abend den „Theologischen Salon“ in der „Goldkante“.

Mehrmals im Semester gehört das Hinterzimmer dieser Bar in der Nähe des Schauspielhauses den Theologen. In der schummrigen Beleuchtung einer rot bezogenen Stehlampe und dem grellen Licht der Projektion stellen junge Wissenschaftler zwischen Bachelor und Doktorarbeit auf einem Plüschsofa in kurzen Vorträgen ihre Forschungsthemen vor. Wird an der Uni in solchen Situationen fleißig mitgeschrieben, stoßen die Zuhörer hier mit Fiege Pils und Rothaus Tannenzäpfle an oder knabbern ein paar Erdnüsse.

Heuschrecken – vom Alten Testament bis zu Franz Müntefering

Nicht in Snack-Form, sondern als Landplage sind Heuschrecken an diesem Abend das Thema von Alina Potempa: „Von Betern, Büßern und Bankern“ präsentiert sie Heuschreckengeschichte(n) von der achten Plage des Alten Testaments bis zur Neuzeit. Geschichten, „die sich immer auf der ganz großen Bühne bewegen, zwischen Leben und Tod“, wirbt die Kirchenhistorikerin für ihr Programm. Das zieht sich ausgesprochen kurzweilig vom Alten Ägypten über das Mittelalter und Preußen bis zu SPD-Chef Franz Müntefering, der den mystischen Bauern-Horror 2004 in die Welt des globalisierten Kapitalismus übertrug, als er Heuschrecken-Schwärme zum Synonym für Investoren machte, die mit überzogenen Rendite-Erwartungen Firmen „abgrasen“ oder „aussaugen“ würden. Potempa hat dabei einen Wandel im Heuschrecken-Bild festgestellt: Waren die Schwärme im Altertum zwar ein Zeichen für die totale Zerstörung, waren die Heuschrecken aber dennoch göttliche Boten, die den Menschen eine Warnung sein sollten. Im modernen Bild „ist die Heuschrecke selbst böse geworden“. Immerhin: Bei aller Dramatik seien Heuschrecken kein Zeichen von Hoffnungslosigkeit – schließlich zögen die Schwärme irgendwann weiter, so die Theologin.

Vom Umgang des Sports mit den Geschlechtern

Hoffnung wünschen sich die meisten Zuhörer an diesem Abend auch beim zweiten Thema in der „Goldkante“: Der Umgang des Sports mit den Geschlechtern. In keinem gesellschaftlichen Bereich habe sich „die Trennung in das, was angeblich männlich und das was weiblich ist, so sehr gehalten, wie im Sport“, sagt die evangelische Theologin – und Leichtathletin – Nathalie Eleyth. Der Grund liegt auf der Hand: Weil Frauen im Durchschnitt nicht so groß und so kräftig sind wie Männer droht Wettbewerbsverzerrung. Aber mit der gleichen Begründung könne man im Sport auch nach Ethnien oder Hautfarben unterscheiden, provoziert Eleyth: Schließlich haben bei Sprint oder Marathon weiße Läufer kaum Chancen.

Dennoch bleibt es ein „Dilemma“, gesteht Eleyth: Die Ansprüche nach Chancengleichheit und Gleichheit der Geschlechter ließen sich kaum miteinander vereinbaren. Doch die Sportwelt bewege sich nicht einmal ausschließlich in die Richtung von mehr Gleichberechtigung: So habe die Frauenfußball-WM 2011 in Deutschland Fußball „von seiner schönsten Seite“ versprochen – und während sich Männer-Teams früherer Jahre allenfalls gesanglich fragwürdig inszenierten, hätte sich das Damen-Team zur WM im eigenen Land im knappsten Dress im „Playboy“ präsentiert. In Sachen Gleichberechtigung im Sport „haben wir Fort- und Rückschritte – und ich wundere mich sehr, dass das beides zusammengeht“, sagt Eleyth.

So verlassen die Gäste im Hinterzimmer der „Goldkante“ am Ende wohl gleichermaßen unterhalten wie nachdenklich den „Theologischen Salon“. Vielleicht nicht das schlechteste Ergebnis für einen wissenschaftlichen Abend „mitten im echten Leben“.

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