Tamilen sorgen für farbenfrohes Bild in Kevelaer

Zum 30. Mal pilgerten tausende ehemalige Bürgerkriegsflüchtlinge aus der Rhein-Ruhr-Region und den europäischen Nachbarländern in den niederrheinischen Marienwallfahrtsort.

Mehrere tausend Tamilen aus ganz Westeuropa – darunter viele aus dem Ruhrgebiet – sind am Wochenende in den niederrheinischen Wallfahrtsort Kevelaer gepilgert. Die Angehörigen der srilankischen Minderheit waren während des blutigen Bürgerkriegs (1982-2009) aus ihrer Heimat geflohen und beten jedes Jahr in dem Marienwallfahrtsort für Versöhnung in ihrer Heimat. Kamen zur ersten Tamilenwallfahrt 1988 gerade einige Dutzend Landleute, zählten die Organisatoren bei der 30. Auflage in diesem Jahr rund 10.000 Teilnehmer.

Von den heute in Deutschland lebenden 60.000 Tamilen sind viele Katholiken. „Aber fast 90 Prozent sind Hindus und auch einige Muslime“, erklärt Robin Wilson, der vor 30 Jahren als Kind nach Deutschland floh und seitdem jedes Jahr zur Wallfahrt kommt. Er betont den interreligiösen Charakter der Wallfahrt: Tamilische Hindus und Muslime „feiern in Kevelaer mit uns ihren Glauben gemeinsam.“ Was für die in Deutschland lebenden Tamilen Kevelaer ist, das ist für die Menschen auf Sri Lanka der Wallfahrtsort „Madhu Maria“, wo es auch jedes Jahr im August eine große Wallfahrt gibt. Und die „Trösterin der Betrübten“ vereint die Tamilen trotz unterschiedlicher Religionen hier wie dort.

Farbenprächtig gekleidet waren viele Frauen bei der Tamilenwallfahrt. Einige hatten traditionelle Geschenke mitgebracht wie diese mit Mangoblättern geschmückten Kokosnüsse. Foto: Anke Gellert-Helpenstein | Bistum Münster

Längst ist aus der Kevelaerer Tamilenwallfahrt so etwas wie ein Familientreffen geworden. Zudem zieht es mehr und mehr Schaulustige aus der Region an, wohl weil es mit seinen leuchtenden Farben eine ungewohnte Exotik an den Niederrhein bringt: Neben den religiösen Feiern verkaufen und kaufen Frauen und Mädchen in traditionellen Saris auf einem Markt Waren aus ihrer Heimat. Und in Garküchen werden typische Gerichten aus Sri Lanka angeboten.

Nicht nur aus dem benachbarten Ausland, sondern auch aus Sri Lanka selbst kommen mittlerweile Tamilen, um bei der Wallfahrt in Kevelaer ein Wiedersehen zu feiern und zu Maria zu beten. So freute sich Wilson, der für die Öffentlichkeitsarbeit der deutsch-tamilischen Gemeinde zuständig ist, in diesem Jahr ganz besonders über den Besuch seiner Eltern aus Sri Lanka. Auch seine Frau und die beiden Söhne feierten am Samstag die Wallfahrtsmesse im Kevelaerer „Forum Pax Christi“. Pater Immanuel und Weihbischof Rolf Lohmann begrüßten dort die Gottesdienstbesucher mit herzlichen Worten: „Wir beten hier zu Maria, der Mutter des Friedens. Unser Zusammentreffen hier ist auch Ausdruck unserer gelebten Dankbarkeit für die tiefe Integration.“ Eine Integration, die Wilson nur bestätigen kann: „Aufgewachsen bin ich in Oberfranken, dann war ich Zeitsoldat, und heute lebe ich mit meiner Familie in Hamburg, wo ich als Mechaniker für die Lufthansa arbeite.“

Hauptzelebrant für die tamilischen Gemeinden war in diesem Jahr der neu ernannte Bischof Justin Gnanapragasam aus der srilankischen Diözese Jaffna, Sri Lanka. Zahlreiche Priester, festlich gekleidete Frauen mit traditionellen Begrüßungs- und Verehrungsgaben, grazile Tänzerinnen und innig singende tamilische Chöre gestalteten die Wallfahrtsmesse mit.

Vor allen Dingen die Frauen hatten sich auffallend festlich und sehr bunt gekleidet – auch das seit 30 Jahren eine Augenweide auf dem Kapellenplatz. Nach der Wallfahrtsmesse zogen die Gläubigen in einer feierlichen Prozession um den Kapellenplatz. An der Wallfahrtkapelle leuchtete dabei ein besonders helles Lichtermeer von hunderten Kerzen, die die Tamilen bereits seit Freitagabend entzündet hatten.

Auf Sri Lanka gehört ein Fünftel der Bevölkerung der katholischen Kirche an; die Singhalesen im Süden des Inselstaats sind mehrheitlich Buddhisten. Die katholische Kirche ist eine der wenigen Institutionen, die in beiden Bevölkerungsgruppen – Tamilen und Singhalesen – verankert ist und damit zu Versöhnung nach dem Bürgerkrieg beitragen kann. Papst Franziskus besuchte im Januar 2015 Sri Lanka und auch den Wallfahrtsort Madhu. Er rief dort zu Frieden unter den Bevölkerungsgruppen und Religionen auf.

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