Stadtteilladen Bismarck: „Man muss den Menschen etwas zutrauen!“

Nach einem Jahr ziehen die Sozialarbeiterin Katharina Müller und der Pastoralreferent Hans-Georg „Arthur“ Knickmann-Kursch Bilanz über die Arbeit in ihrem Stadtteilladen an der Bismarcker Straße.

Mal sind sie Ermutiger, mal Türöffner, Kummerkasten oder Lotsen – seit einem Jahr unterstützen Katharina Müller und Hans-Georg „Arthur“ Knickmann-Kursch im Stadtteilladen Bismarck alle, die das Gelsenkirchener Quartier weiter nach vorn bringen möchten. Am „Tag der Nachbarn“, Freitag 24. Mai, feiert der Stadtteilladen diesen Geburtstag mit einem Fest – zugleich nutzen Müller und Knickmann-Kursch den Anlass für eine erste Bilanz.

„Ein Großteil unserer Arbeit besteht daraus, einfach da zu sein“, sagt Pastoralreferent Knickmann-Kursch. Allein die Tatsache, dass sich in dem ehemaligen Fotoladen mit dem Schaufenster, dem großen Tisch und vielen bunten Plakaten wieder etwas abspielt, ist auf der Bismarckstraße ein Hingucker. „Auch, dass wir die Blumenkübel auf dem Bürgersteig bepflanzt haben, hat für Aufsehen gesorgt“, erinnert sich der Theologe. Wie vielerorts sei auch hier die Sorge vor Vandalismus groß gewesen. „Das hält doch keine drei Tage“, fürchtet manch pessimistischer Nachbar. Dabei sei in mehreren Monaten nur eine einzige Tomatenpflanze gestohlen worden – „und die wurde so sauber ausgegraben, dass sie bestimmt irgendwo wieder eingepflanzt wurde“, schmunzelt Knickmann-Kursch. „Man muss den Menschen etwas zutrauen, dann wird meistens etwas Gutes draus!“, lautet Müllers und Knickmann-Kurschs Devise in Bismarck, nicht nur mit Blick auf Blumenkübel.

Rechtsanwalt berät rund ums Arbeitslosengeld II

Ein Beispiel für dieses Zutrauen ist der Strick- und Häkelkreis, der sich jeden Dienstagnachmittag im Stadtteilladen trifft – nicht, weil Müller oder Knickmann-Kursch dies forciert hätten, sondern weil sich Frauen gefunden haben, die den Stadtteilladen für dieses offene Zusammensein nutzen. Jetzt treffen sich einmal in der Woche deutsche Rentnerinnen mit türkischen Müttern und Jugendlichen aus Flüchtlingsfamilien zum Handarbeiten. Von Anfängern bis Fortgeschrittenen ist alles dabei. Wie viele Treffen im Stadtteilladen „ist das ein ganz offenes Angebot“, sagt Knickmann-Kursch. „Sie können kommen und wieder gehen. Aber wenn sie sechsmal kommen, und dann nicht, machen sich die Leute Sorgen um sie.“

So klein wie die Idee eines Handarbeitskreises sein mag – für die Frauen ist sie etwas Großes. Zudem ist das Stadtteilladen-Team immer mit dabei und hat ein offenes Ohr für die Themen im Stadtteil. Neben solch offenen Gesprächsformaten als Basis für Nachbarschaftskontakte und -hilfe gibt es im Stadtteilladen aber auch konkrete Unterstützung: Jeden Donnerstag steht ein Rechtsanwalt zur kostenlosen Beratung rund um Arbeitslosengeld II bereit. Und wenn die Anfragen über dieses Themenfeld hinausgehen, hilft das Stadtteilladen-Team mit Adressen für andere Einrichtungen weiter.

Stadtteilladen organisiert Bewohnerversammlungen

Müller betont neben dem „da sein“ im Stadtteilladen die aktive Rolle, die das Projekt in Bismarck eingenommen hat. „Wir organisieren Bewohnerversammlungen, fragen nach, wo bei den Menschen der Schuh drückt – und helfen ihnen mit unseren Ideen und Kontakten, ihre Probleme und Schwierigkeiten aus eigener Kraft zu lösen und eigene Ideen umzusetzen.“ So wurde die Sozialarbeiterin in den vergangenen Wochen zur Organisatorin eines Bau- und Kunstprojekts: Eine hässliche Wand am Durchgang vom örtlichen Rewe-Supermarkt in die Robergstraße sollen Kinder in den kommenden Tagen zusammen mit einem Graffiti-Künstler verschönern. „Die Idee kam aus dem Stadtteil und wird durch die Menschen im Stadtteil umgesetzt – wir haben die Menschen nur zusammengebracht und ein Stück weit ermutigt“, sagt Müller. Ganz getreu ihrer Devise: Man muss den Menschen etwas zutrauen. Am Donnerstag, 16. Mai, soll die Wand mit einem Nachbarschaftsfest eingeweiht werden.

Dass diese Vernetzungsarbeit und die gute Verankerung des Projekts im Stadtteil nach einem Jahr nun auch extern anerkannt ist, ist für das Team des Stadtteilladens eine wichtige Erfahrung. „Letztens hat sich die neue Mitarbeiterin einer Wohnungsbaugesellschaft für Bismarck als erstes bei uns gemeldet, um sich über den Stadtteil zu informieren“, freut sich Knickmann-Kursch. „Und die SPD nutzt unseren Stadtteilladen für die Bürgersprechstunden mit ihren Bezirksvertreten“, ergänzt Müller.

Stadtteilladen ist Zukunftsbildprojekt des Bistums

Offiziell ist der Stadtteilladen Bismarck ist ein sozialpastorales Projekt des Bistums Essen und derzeit mindestens bis Ende 2021 gesichert. Gestartet als eines der Zukunftsbildprojekte des Bistums und vernetzt mit vielen anderen, ähnlichen christlichen Initiativen im ganzen Ruhrgebiet wird es vor Ort von der Pfarrei St. Joseph getragen. Dass die ihre Kirche St. Franziskus samt Gemeindeheim gleich schräg gegenüber des Stadtteilladens in absehbarer Zeit schließen wird, ist ebenfalls ein Thema – nicht, weil der Stadtteilladen eine katholische Einrichtung ist, sondern weil die Kirchenschließung ein Thema für Bismarck ist, betont Knickmann-Kursch. „Wir können nicht alle Gruppen aus dem Gemeindeheim bei uns unterbringen – aber wir können mit unserem Know-how helfen, dass diese Gruppen anderswo in Bismarck eine neue Heimat finden.“

Personell wird sich das Stadtteilladen-Team künftig neu aufstellen: Sozialarbeiterin Müller verlässt nach den beiden Festen Ende des Monats Gelsenkirchen, um künftig in Ratingen in einem ähnlichen Projekt zu arbeiten. Knickmann-Kursch sorgt zusammen mit vielen Ehrenamtlichen für Kontinuität im Stadtteilladen und wird hoffentlich im Herbst eine neue Kollegin oder einen neuen Kollegen mit den vielen verschiedenen Seiten von Bismarck vertraut machen können.

Sozialpädagogin

Katharina Müller

Bismarckstr. 181
45889 Gelsenkirchen

Pastoralreferent

Hans-Georg Arthur Knickmann-Kursch

Bismarckstr. 181
45889 Gelsenkirchen

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