St. Martin lockt Hunderttausende auf die Straßen

Anerkennung als „immaterielles Kulturerbe“ freut Martinszug-Organisatoren im Bistum Essen

Die Bäcker verkaufen wieder Brezeln, die Blechbläser stimmen ihre Instrumente – und manches Modell der batteriebetriebenen Laternen-Leuchtstäbe dürfte schon wieder ausverkauft sein. Es ist Martins-Zeit. Und wenn sich in diesen Tagen wieder Hunderttausende auf den Weg machen, um bei ihren fröhlichen Umzügen an den Mann zu erinnern, der vor mehr als 1500 Jahren mit seiner Mantel-Spende ein Beispiel für tätige Nächstenliebe gesetzt hat, dann gehören sie damit nun auch anerkannterweise zum Kulturerbe Nordrhein-Westfalens.

„Schön, dass es der Martin so weit gebracht hat“, freut sich Lara Meyer, die Vorsitzende des Pfadfinderstamms Maximilian Kolbe in Wattenscheid-Höntrop, über die Einstufung als Kulturerbe. Gemeinsam mit den Jungen und Mädchen in ihrem Pfadfinderstamm organisiert sie den Zug, der am Martinstag, Sonntag, 11. November, ab 17 Uhr vom Gemeindeheim St. Marien zur Wattenscheider Waldbühne zieht. Die Kulturerbe-Anerkennung „ist ein schönes Zeichen dafür, dass wir eine Tradition weitertragen“, sagt die junge Frau – schließlich habe ja auch ihr eigener Martinszug eine lange Geschichte: „Den gibt’s eigentlich schon so lange ich denken kann“. Wenn das Wetter gut wird, rechnet Meyer mit „rund 400 Besuchern“. Der ganze Pfadfinderstamm ist dann eingespannt: Am Brezelstand testen die kleinen Wölflinge ihr Verkaufstalent, die Großen kümmern sich um alles Organisatorische – und auf der Waldbühne präsentiert die Pfadfinderstufe das Martinsspiel.

Kirchengemeinden, Kindergärten, Grundschulen, Bürgervereine – überall zwischen Rhein, Ruhr und Lenne sind die Martinszüge anders organisiert. Und in der Duisburger Gemeinde Petrus Canisius leichtet zum Martinszug am Montag, 12. November, wieder eine Riesenlaterne vom Kirchturm. Am Bischöflichen Hildegardis-Gymnasium hat Schulleiterin Sabine Kretschmann-Dulisch sogar ihre weiterführende Schule mit dem Martinsfieber infiziert. Am Dienstag, 13. November, gibt es um 17.20 Uhr zunächst einen kleinen Gottesdienst in der St.-Josef-Kirche, bevor dann der Martinszug durchs Dellviertel zieht. Allen voran die passionierte Reiterin Kretschmann-Dulisch, die höchstselbst die „Martina“ spielt.

Als einer der größten kirchlich organisierten Martinszüge in Essen gilt der im Stadtteil Überruhr. Seit fast 60 Jahren organisiert dort die Eucharistische Ehrengarde den Umzug für die Gemeinde St. Mariä Heimsuchung. Die Kulturerbe-Auszeichnung sei „eine Anerkennung für die vielen Leute, die sich hier engagieren“, sagt Rudolf Heidrich. Sicherlich 100 Leute koordiniert der Ehrengarde-Oberst, damit sich der Zug am Samstag, 10. November, um 17 Uhr mit Martin und Pferd, begleitenden Rittern, fünf Musikkapellen und „mehreren tausend Besuchern“ auf den Weg machen kann. Heidrich sieht die Kulturerbe-Auszeichnung auch als Auftrag „das Andenken des Heiligen Martins weiter aufrecht zu halten“. Wenn es ums Teilen geht, sind die Überruhrer schon auf einem guten Weg: Mit dem Erlös des Brezel-Verkaufs und der Martins-Lose unterstützt die Gemeinde ein Hilfsprojekt in Indien. Und ökumenisch ist das Martinsfest in Überruhr auch noch: „Als vor einigen Jahren der Sportplatz, auf dem unser Zug bis dahin endete, nicht mehr zur Verfügung stand, hat die evangelische Kirchengemeinde gleich den großen Rasenplatz hinter der Stephanuskirche angeboten“, erzählt Heidrich. Längst sei aus der spontanen Hilfsaktion ein gemeinsames Martinsfest geworden: „Beim Getränkeverkauf hilft die evangelische Gemeinde kräftig mit.“ Das dürfte ganz im Sinne des heiligen Martin sein, der immerhin mehr als 1000 Jahre vor der Reformation gelebt hat.

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