von Thomas Rünker

Seelsorger diskutieren über die Zukunft ihrer Arbeit

Zum Start des Prozesses „Pastorale Dienste im Gespräch“ trafen sich am Mittwoch in der Essener Philharmonie rund 350 Priester, Diakone, Ordensleute, Gemeinde- und Pastoralreferenten zur Diskussion mit Bischof Overbeck und Generalvikar Pfeffer. Auftakt für einen einjährigen Dialog.

Auftakt in der Essener Philharmonie

Stress, Erschöpfung, aber auch viele neue Möglichkeiten bei der Arbeit – die Auswirkungen, die die Veränderungen in der Kirche auf die hauptamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorger im Bistum Essen haben, stehen in den kommenden zwölf Monaten im Zentrum eines neuen Gesprächsprozesses. Beim Auftakt des Prozesses „Pastorale Dienste im Gespräch“ am Mittwoch in der Essener Philharmonie diskutierten rund 350 Priester, Diakone, Ordensleute, Gemeinde- und Pastoralreferenten mit Bischof Franz-Josef Overbeck und Generalvikar Klaus Pfeffer dabei zunächst die aktuelle Situation der Seelsorgerinnen und Seelsorger in den Gemeinden, Pfarreien, Krankenhäusern und vielen anderen Einrichtungen des Ruhrbistums. „Wir sind auf einer Brücke unterwegs in ein Land, von dem wir im dichten Nebel bislang allenfalls Umrisse erkennen können“, beschrieb Bischof Overbeck die Situation der katholischen Kirche im Ruhrbistum angesichts der Veränderungen hin zu einer kleineren Kirche in einer vielfältigen Gesellschaft.

Trotz der schrumpfenden Kirche nimmt die Arbeitsbelastungen für Priester, Diakone und hauptberufliche Laien in der Seelsorger seit Jahren zu – das wurde bei der Tagung in der Philharmonie mehr als deutlich. Immer mehr Arbeit zwischen Taufen, Erstkommunionvorbereitung, Sonntagsmessen oder Beerdigungen in größer gewordenen Pfarreien… - als besondere Herausforderung ihrer Arbeit beschrieben die Seelsorger jedoch die Zerrissenheit zwischen verschiedensten Anforderungen: Etwa zwischen Traditionsbewusstsein der einen und Innovationskraft der anderen Katholiken in der eigenen Gemeinde – oder zwischen der Verbundenheit mit dem eigenen Kirchturm und einer stärkeren Orientierung hin auf die deutliche größere Pfarrei. Die aus Aachen stammende Moderatorin Ursula Hahmann verwies die Seelsorger aus dem Ruhrbistum auf die Erfahrungen mit dem Strukturwandel in der Region: „Sie hier im Ruhrgebiet sind doch eigentlich prädestiniert, Wandel zu gestalten. Sie wissen doch, das alles anders wird – aber nicht unbedingt schlechter.“

Ihrer Berufung zum Seelsorger würde die große Mehrheit der Teilnehmer bei der Auftakt-Tagung nach wie vor folgen, ergab eine Abstimmung zu Beginn des Tages. Doch bei der Frage nach der aktuellen Befindlichkeit schwankte die Stimmung zwischen Lust und Frust, Ermutigung und Erschöpfung. „Ich spüre eine große Erschöpfung, aber bei mir ist auch viel Lust an der Arbeit dabei, sonst würde ich diese Erschöpfung gar nicht durchhalten“, bekannte eine Gemeindereferentin. Vor allem die verschiedenen derzeit laufenden Umstrukturierungsprozesse im Ruhrbistum nannten Seelsorgerinnen und Seelsorger als einen Grund für die Belastung – aber auch als Möglichkeit für neue Impulse in ihrer Arbeit: Zum einen läuft seit vier Jahren eine inhaltliche Neuausrichtung der Kirche im Bistum Essen durch das Zukunftsbild, zum anderen ringen die Gemeinden in den derzeit laufenden Pfarreiprozessen um neue pastorale Angebote und den Erhalt etablierter Standorte. Die Frage, wo in Zukunft das kirchliche Leben spielt, ob in Gemeinden, Pfarreien oder anderen Gemeinschaftsformen, werde aktuell bleiben, machte Bischof Overbeck deutlich. Das etablierte Gemeinde-Verständnis werde von immer weniger Menschen geteilt.

Die Aufgaben von Priestern, Diakonen, Gemeinde- und Pastoralreferenten dürften damit tendenziell noch vielfältiger werden. Das macht es für die verschiedenen Rollen der Seelsorger – zum Beispiel im Pastoralteam einer Pfarrei – nicht einfacher, wie mehrfach in der Philharmonie zum Ausdruck kam. „Unsere Rollen-Modelle verändern sich“, sagte Kai Reinhold, der Personalchef des pastoralen Personals im Ruhrbistum. Wie das Pastoralteam einer Pfarrei mit Pfarrer, Pastören, hauptberuflichen Laien und womöglich noch einem Diakon seine Arbeit strukturiert, ist nicht fest vorgeschrieben, sondern wird jeweils auf die Situation vor Ort angepasst. Und neben Gemeindereferentinnen, die in einigen Gemeinden vor Ort die ersten Ansprechpartner für die Seelsorge sind, „experimentieren wir jetzt auch mit Ehrenamtlichen in der Gemeindeleitung“, so Reinhold. „Vielleicht werden wir in Zukunft mit unterschiedlichen Leitungsmodellen arbeiten.“ Dabei sei Leitung „vor allem eine Frage der Haltung“, betonte der Personalchef.

Generalvikar Klaus Pfeffer ermunterte die Seelsorger dafür, mit verständlichen Worten für das zu werben, was die Kernbotschaft des Christentums ist: „Wir sprechen oft sehr formelhaft von unserem Glauben und ahnen gar nicht, dass viele Menschen dies heute gar nicht mehr verstehen“, kritisierte Pfeffer. „Es kommt doch gar nicht darauf an, dass wir alle unsere Gebäude erhalten“, ergänzte er mit Blick auf die Pfarreiprozesse, „sondern dass wir etwas haben, das uns auch noch in 20 Jahren durchs Leben trägt!“

Derart grundsätzliche, aber eben auch sehr konkrete und praktische Fragen für die pastoralen Berufsgruppen werden in den kommenden zwölf Monaten besonders im Fokus stehen. Nach dem Auftakt am Mittwoch wird es im Prozess „Pastorale Dienste im Gespräch“ verschiedene weitere Diskussionsforen geben, bis die Entwicklungen und Erkenntnisse bei einer weiteren Großveranstaltung im September 2018 zusammengetragen werden.

Hier geht's zum Video von der Auftaktveranstaltung.

Und hier zur Predigt von Bischof Overbeck in der abendlichen Vesper:

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