Schulpolitik in Duisburg vor großen Herausforderungen

Auf Einladung der Caritas kamen in Duisburg Bürger und Politiker „auf `ne Currywurst“ ins Gespräch

Bei Currywurst und vegetarischen Snacks hatten Bürgerinnen und Bürger am Montagmittag in Duisburg-Hochfeld einen direkten Draht zu den Politikern ihrer Stadt. Unter dem Motto "Auf 'ne Currywurst mit der Caritas" hatte der Duisburger Sozialverband und die Caritas im Bistum Essen Bürger und Politiker ins Sozialzentrum St. Peter an den Wurstwagen eingeladen, um in lockerem Umfeld über Sorgen und Wünsche rund um das Thema "Bildung" ins Gespräch zu kommen. Für viele Migranten ging es darum, überhaupt einen Schulplatz zu bekommen, den deutschstämmigen Besucher eher um das Abitur. Bildungsdezernent Krützberg muss im kommenden Schuljahr 900 zusätzliche Schüler überwiegend aus Osteuropa unterbringen. 

Bürger brachten ihre Sorgen zum Ausdruck

Bezeichnend für den Stadtteil Hochfeld ist, dass viele der Menschen, die im Erdgeschoss des Sozialzentrums auf die Lebensmittelausgabe der "Tafel" warteten, sich zunächst nicht herauf trauten zu den Politikern und an die Currywurst-Tische. "Das liegt daran, dass viele Menschen, die zur Tafel kommen, weder mit unserer Sprache noch mit unseren Strukturen vertraut sind", erklärte Schwester Martina Paul, Leiterin des Sozialzentrums St. Peter, und lud die Besucher der Tafel deshalb einzeln ein, sich die ungewohnte Veranstaltung zu Themen der NRW-Landtagswahl aus der Nähe anzusehen. Etliche ließen sich anlocken, und einige Mutige nutzten sogar die Gelegenheit, den Politikern von ihrer persönlichen Misere zu berichten.

Zum Beispiel die 16-jährige Elena Andonova: Im Dezember ist sie mit ihrer Familie aus Mazedonien nach Deutschland eingereist und wartet - wie sie auf Englisch berichtete - ebenso wie ihre achtjährige Schwester noch auf die Zuteilung eines Schulplatzes. Bis die beiden in der Schule untergebracht sein werden, geht Elena einmal wöchentlich zum Deutschkurs ins Sozialzentrum St. Peter.

Cesare Kadarar (34) aus Rumänien ist da schon einige Schritte weiter. Seit 2008 ist die Familie in Deutschland. Die zehnjährigen Zwillinge gehen allerdings erst in die zweite, die sechsjährige Schwester in die erste Grundschulklasse, der vierjährige Bruder wartet auf einen Kita-Platz. Kadarar sagte, er sei zufrieden: Er arbeite auf dem Bau, die Kinder lernten gut, die Wohnung sei in Ordnung, es fehlten nur Möbel. Zur Currywurst der Caritas ließ er sich gern einladen: Ein Mittagessen für die ganze Familie.

Problem: Unterricht im Provisorium

Die Duisburger Politiker der großen Parteien nahmen sich ausgiebig Zeit zum Reden und Zuhören: Bärbel Bas, SPD-Bundestagsabgeordnete, sowie Dr. Birgit Beisheim von den Grünen, FDP-Politiker Oliver Alefs und Petra Vogt (CDU), die derzeit alle für den Landtag kandidieren. Die drängendsten Fragen musste jedoch der Duisburger Bildungsdezernent Thomas Krützberg beantworten. Im kommenden Schuljahr 2017/18 muss er für 450 Grundschüler plus 450 Sekundarschüler neue Schulplätze schaffen - die meisten sind neu in Deutschland und stammen aus Südosteuropa, aber auch viele aus anderen Ländern geflüchtete Kinder sind dabei. Im Moment sieht Krützberg keine andere Übergangslösung, als Container-Provisorien als Klassenraum-Ersatz aufzustellen. Auch Lehrer zu finden, sei nicht einfach - bei der letzten Stellenausschreibung seien von 182 Stellen fast 100 unbesetzt geblieben. "Duisburg hat keinen guten Ruf", weiß Krützberg, setzt aber dagegen: "Wenn Referendare erst einmal den Duisburger Norden kennengelernt haben, bleiben sie meist auch als Lehrer dort." Als Unterstützung für die Lehrer wünscht der Bildungsdezernent sich an den Grundschulen multiprofessionelle Teams aus Sozialarbeitern, Erziehern, Kinderpflegern und Erlebnispädagogen, zeitweise ergänzt durch bulgarisch- oder rumänischsprachige Übersetzer. An drei Schulen in Marxloh werde dieses Projekt soeben erprobt.  

Für die meisten Anwohner des Sozialzentrums in Hochfeld geht es darum, überhaupt einen Schulabschluss für ihre Kinder zu erreichen. Andere, vorwiegend deutschstämmige Besucher des Currywurst-Wagens der Caritas fragten dagegen immer wieder nach den Wegen zum Abitur. Konträr dazu die Meinungen von Grünen und FDP: Während Birgit Beisheim von den Grünen befürchtet, die Wahlfreiheit der Eltern zwischen dem acht- und neunjährigen Abitur befördere die Elitenbildung und eine Spaltung der Gesellschaft durch Schulformen, setzt Oliver Alefs (FDP) darauf: "Die Schulen sollen das selbst entscheiden, und die Eltern entscheiden dann über ihre Schulwahl." Denn für unterschiedliche Begabungen müsse es unterschiedliche Schulformen geben.

Als die Currywurst zur Neige ging und der Platz sich leerte, zeigte Claudia Weiß, Pressesprecherin der Caritas Duisburg, sich zufrieden: "Ich freue mich, dass wir mit dieser Aktion das hiesige Publikum ansprechen konnten zum Essen und auch zum Mitdiskutieren, sofern die Sprachkenntnisse reichten." Die Idee, Bürger und Politiker vor der Landtagswahl zusammenzubringen, hatte der Caritasverband für das Bistum Essen.

Vier weitere Termine "auf `ne Currywurst mit der Caritas"

Mit im Boot und "scharf auf Ihre Meinung" sind die Caritasverbände in fünf Städten des Ruhrbistums, die jeweils in die Rolle des Gastgebers schlüpfen. Am 4. Mai geht es in Bochum um das Thema Frauen, am 5. Mai in Lüdenscheid um Wohnungslosigkeit. Am 9. Mai folgt Mülheim mit dem Thema Flüchtlinge, der 10. Mai ist in Gelsenkirchen reserviert für Fragen rund um die Langzeitarbeitslosigkeit. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.caritas-currywurst.de.

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