Religionen tragen Anteil am Terror

Präses Annette Kurschus hielt die ökumenische Fastenpredigt im Essener Dom über die Versuchung, die Heiligen Schriften fundamentalistisch auszulegen

Einen hohen Anteil am Leid, an barbarischen Taten und hohen Leichenbergen einer verwirrten, durcheinander geschüttelten Welt trügen ausgerechnet die Religionen: Zu dieser Einschätzung kommt Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen. Angesichts der Gräueltaten in Syrien, dem Irak, London und St. Petersburg werde erstaunlich schnell der Satz bemüht, mit recht verstandener Religion habe diese Gewalt nichts zu tun. Religion sei jedoch immer zwiespältig und gefährdet, wenn Sätze isoliert aus den Heiligen Schriften herausgegriffen und ohne Rücksicht auf Hintergrund und Zusammenhang interpretiert würden, sagte Kurschus am vergangenen Freitag, 7. April, in der letzten der diesjährigen ökumenischen Fastenpredigten im Essener Dom. Nicht nur der friedliebende Islam sei hilflos angesichts terroristischer Anschläge. Auch der Irakkrieg George Bushs habe zu tun mit den evangelikalen Einflüssen der US-amerikanischen Südstaaten, die aggressive Rhetorik des Heiligen Russlands mit der Orthodoxie und die Homosexuellen-Phobie afrikanischer Länder mit deren christlicher Missionsgeschichte.

In Auslegung des Textes des Matthäus-Evangeliums über die Versuchung Jesu in der Wüste stellte Kurschus die Versuchung als eine im Glauben selbst verwurzelte Gefahr dar: „Ausgerechnet die Kinder Gottes sind besonders gefährdet, ihre Gotteskindschaft zu pervertieren, aus Frieden Gewalt zu machen, anstelle von Nachfolge Machtgelüste zu entfalten.“ Nur durch Auslegung und Interpretation könne die Heilige Schrift in der Vielfalt ihrer Aussagen verstanden werden.

Annette Kurschus wurde 2011 als erste Frau in das Amt der Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen gewählt. Seit November 2015 ist sie zudem Mitglied im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland und dessen stellvertretende Vorsitzende.

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