Reale und gefühlte Zumutungen

Generalvikar Pfeffer schreibt in der „Herder Korrespondenz“ über die Chancen von Großpfarreien für die Kirche

Die Chance von Großpfarreien sieht der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer darin, in einem größeren territorialen Raum sehr vielfältige Kirchenwege ermöglichen zu können und dabei zugleich eine bleibende Verbundenheit zu sichern. „Wenn sich von unseren derzeitigen Kirchenstrukturen immer weniger Menschen angesprochen fühlen, dann besteht dringender Veränderungsbedarf“, schreibt Pfeffer in einem Beitrag für die am Freitag erscheinende November-Ausgabe der Monatszeitschrift „Herder Korrespondenz“. Vorteile der „XXL-Pfarreien“ gegenüber kleinräumigen Organisationseinheiten der Kirche sieht Pfeffer darin, inhaltliche Schwerpunkte setzen und sich als Katholiken in größerer Gemeinschaft erleben zu können.

Das Bistum Essen hatte im Jahr 2006 aus wirtschaftlichen Gründen die ehemals 259 eigenständigen Kirchengemeinden aufgelöst und zu 43 neuen Großpfarreien zusammengelegt. Seit 2012 werde im Ruhrbistum zudem intensiv darüber diskutiert, wie es um die Kirche jenseits der Strukturfragen bestellt sei, schreibt Pfeffer, der seit dem Jahr 2012 Generalvikar des Bischofs von Essen und Moderator der bischöflichen Kurie ist: „Das kirchlich verfasste Christentum verliert dramatisch an gesellschaftlicher Relevanz und Anschlussfähigkeit: Die Zahl der Gottesdienstbesucher sinkt kontinuierlich; viele Angebote stoßen auf sinkendes Interesse; die innerkirchlich noch gebundenen Menschen werden immer älter. Selbst ehemals aktive Christen ziehen sich zurück. Inhalte, Erscheinungsbild und Atmosphäre unserer Kirche werden nicht nur den jüngeren Generationen fremd. All das bekommen unsere Gemeinden deutlich zu spüren.“ Die Debatten darüber, welche Gebäude und welche langjährigen Gewohnheiten kirchlichen Lebens aufgegeben werden müssten, seien oft schmerzhaft und würden zum Teil mit Ängsten, Widerständen und unter erbitterten Verteilungskämpfen geführt. Wenig Verständnis äußert der Generalvikar gegenüber der Haltung, so stark an Gewohntem zu hängen, dass man seine Glaubenspraxis und sogar seine Kirchenzugehörigkeit aufgebe, wenn es nicht so weitergehe wie bisher.

Demgegenüber gebe es eine große Zahl von Kirchensteuerzahlern – Pfeffer spricht von 80 bis 90 Prozent -, die zwar selten bis gar nicht am Gemeindeleben teilnähmen, die Kirche aber dennoch finanziell unterstützten. Was diese Menschen von ihrer Kirchengemeinde erwarteten, lohne sich herauszufinden. Das Bistum Essen arbeite derzeit in 20 Arbeitsgruppen an innovativen Projekten, deren Ziel es sei, diese Distanzierten zu erreichen. Zugleich hört der Generalvikar immer wieder überraschende und provozierende Fragen danach, wie Kirche sich künftig entwickeln kann: Von der Aufgabe mehrerer Kirchengebäude zugunsten eines Neubaus an zentraler Stelle bis hin zur Kirchenmitgliedschaft ohne Pfarreizugehörigkeit.

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