Radfahrer feiern ökumenischen Gottesdienst auf Zollverein

Zum „Grüne Hauptstadt“-Jahr hatten die christlichen Kirchen und die Fahrrad-Aktivisten vom ADFC am Samstag erst gemeinsam zu einer Sternfahrt durch Essen und dann zum Gebet auf der Unesco-Welterbe-Zeche eingeladen.

Statt Kirchenglocken eröffnete Pfarrer Gerd Heusch am Samstagnachmittag mit seiner Fahrrad-Klingel den ökumenischen Gottesdienst im Schatten der Essener Zeche Zollverein. Als inoffiziellen Auftakt des Zechenfestes auf dem Unesco-Welterbe-Gelände hatten der Arbeitskreis Christlicher Kirchen, der Evangelische Kirchenkreis und das Katholische Stadtdekant gemeinsam mit den Fahrrad-Aktivisten vom ADFC zu einer Fahrrad-Sternfahrt nach Zollverein eingeladen, die dann in einem gemeinsamen Gottesdienst mündete. „Du stellst meine Räder auf weiten Raum“ – frei nach Psalm 31 – hatten Innenstadtpfarrer Heusch und sein evangelischer Kollege Steffen Hunder den Gottesdienst überschrieben, der in Essen, Europas „Grünen Hauptstadt 2017“, den Schutz der Schöpfung aus christlicher Perspektive betonte und dabei den Verkehr besonders in den Fokus nahm. Heusch und Hunder einte dabei nicht nur ihre Tätigkeit als Seelsorger, sondern auch eine Vorliebe fürs Fahrrad: In ihren Gemeinden in der dichtbebauten Essener Innenstadt sind die beiden Pfarrer bevorzugt auf zwei Rädern unterwegs, an der frischen Luft und mit eigener Kraft.

„Ökologische Weitsicht und fromme Klugheit“

In seiner Ansprache ging Hunder auf die „Critical-Mass“-Bewegung ein – Radfahrer, die sich schon seit mehreren Jahren regelmäßig in vielen Städten des Ruhrgebiets und darüber hinaus treffen, um gemeinsam im Straßenverkehr unterwegs zu sein. Fahren mehr als 15 Radler gemeinsam, bilden sie einen geschlossenen Verband, in dem jeder Einzelne auch auf großen Straßen weniger drängelnden Autofahrern oder anderen Kraftfahrzeugen ausgeliefert ist. Hunder bezog nicht nur den abgewandelten Psalm-Vers „Du stellst meine Räder auf weiten Raum“ auf die Initiative, die Radfahrern mehr Raum auf der Straße ermöglichen möchte. Er zog auch einen zweiten biblischen Bezug: Der Auszug der Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten sei so etwas wie „die erste Critical Mass der Antike“ gewesen, meinte Hunder, der selbst indes ein ausgesprochen positives Verhältnis zum Radfahren hat: „Natürlich haben wir Fahrradfahrer nicht selten mit sturen und manchmal auch rücksichtslosen Autofahrern zu kämpfen“, sagte der Theologe. „Doch insgesamt ist das Fahrradfahren für mich fast wie eine Meditation, es lässt uns durchatmen, sorgt für ein befreiendes Gefühl und weitet den Blick“, so empfindet es der Pfarrer. „Auf dem Fahrrad unterwegs zu sein ist eine sehr schöne Erfahrung, die mich beschwingt und glücklich macht.“ Und nicht zuletzt trage Fahrradfahren zur Bewahrung der Schöpfung bei: „Als klimafreundliches Fortbewegungsmittel verbindet Fahrradfahren ökologische Weitsicht mit frommer Klugheit.“

Radler-Segen zum Abschied

Doch auch der Ärger über einen nicht vorhandenen Radweg und die Wut über Glasscherben auf dem Weg gehören zu den Radler-Gefühlen – und so vergewisserte sich die radelnde Gottesdienstgemeinde am Samstag auch gemeinsam Gottes Beistand: „Wir haben Gottes Kraft im Rücken, auch bei Gegenwind. Wo es auf unserem Weg eng wird, macht Gott unser Leben weit. Und wir können auf seinen Zuspruch trauen: Ich bin bei dir, wohin du auch fährst.“ Mit dieser Gewissheit falle es leichter, ein „offenes Herz für alle zu haben, denen wir unterwegs begegnen, und uns für die gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr einzusetzen“. Dass Gott selbst ein guter Radfahrer ist und weiß, worauf es ankommt („Festhalten, sagte der liebe Gott. Gut festhalten, das ist alles, sagte er ... Es kann sowieso nichts passieren“), hatte im Übrigen schon Hanns Dieter Hüsch, erkannt. Pfarrer Heusch trug diese Geschichte des Kabarettisten vom Niederrhein vor, bevor der Gottesdienst mit dem Radler-Segen zu Ende ging: „Gott gebe euch die Kraft, allzeit in die Pedale zu treten und euch vom Geist der Hoffnung antreiben zu lassen.“ Dank des von den freiwilligen Helfern der „Grünen Hauptstadt“ bewachten eigens eingerichteten Fahrrad-Parkplatzes musste danach aber niemand gleich wieder in die Pedale treten: Die meisten Gottesdienst-Besucher bummelten zunächst noch über das Zechenfest auf Zollverein oder besuchten die aktuelle Reformations-Ausstellung „Der geteilte Himmel, für die Ruhrmuseum-Direktor Heinrich Theodor Grütter allen Gottesdienst-Besuchern freien Eintritt spendiert hatte.

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