von Thomas Rünker

PEP: „Jetzt beginnt der Endspurt“

Bis Ende des Jahres legen die Pfarreien im Bistum Essen Konzepte vor, wie sie in Zukunft das kirchliche Leben vor Ort gestalten wollen. Eine Zwischenbilanz der Pfarreientwicklungsprozesse (PEP) mit Hauptabteilungsleiter Markus Potthoff.

Die katholische Kirche an Rhein, Ruhr und Lenne lebt in einer Zeit des gesellschaftlichen und kirchlichen Umbruchs. Auf diese Veränderungen reagiert das Bistum Essen: 2015 hat Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck die Pfarreien aufgefordert, bis Ende 2017 zu beschreiben, wie die Christen vor Ort in Zukunft Kirche sein wollen. Im Interview zieht Markus Potthoff, Leiter der Hauptabteilung Pastoral und Bildung im Bischöflichen Generalvikariat, eine Zwischenbilanz dieser Pfarreientwicklungsprozesse (PEP).

Herr Potthoff, wo stehen die Pfarreientwicklungsprozesse derzeit?

Die Beratungen in den einzelnen Pfarreien haben sich in den vergangenen zwei Jahren unterschiedlich entwickelt – für alle gilt: Jetzt beginnt der Endspurt! Bis Ende des Jahres sollen die Voten fertig sein, in denen die Pfarreien darlegen, anhand welcher pastoralen Perspektiven und konkreten Ideen sie das kirchliche Leben vor Ort in den nächsten Jahren gestalten möchten – und welche Gebäude- oder Personal-Ressourcen sie dafür einplanen. Einige Pfarreien befassen sich derzeit noch mit dem Abschluss der Phase „Sehen“ im Pfarreiprozess und erstellen aus den Ergebnissen ein pastorales Konzept. Aber in fast allen Pfarreien wird jetzt auch intensiv über die künftige Nutzung einzelner Standorte und die wirtschaftliche Planung diskutiert.

Was sind die nächsten Schritte?

In den kommenden Monaten geht es für die Pfarreien darum, die unterschiedlichen Sichtweisen aufeinander zu beziehen: Die pastoralen Konzepte werden dabei mit den wirtschaftlichen Möglichkeiten zusammengeführt. Dabei kann es nicht in erster Linie um die Frage gehen, welche bestehenden Gebäude erhalten oder aufgegeben werden – auch wenn sich daran verständlicherweise die schwierigsten Diskussionen entzünden. Dabei gebe ich mich keiner Illusion hin: Wenn es konkret wird, wenn es um die Zukunft der Kirchengebäude geht, dann ist die Verständigung alles andere als einfach. Die nüchterne Bestandsaufnahme hat jedoch gezeigt, dass viele unserer kirchlichen Angebote nicht mehr tragen, und auch, dass vieles künftig nicht mehr finanzierbar sein wird. Die uns bekannte Kirchengestalt befindet sich im Übergang zu etwas Neuem. Dieser Übergang wird auch mit schmerzhaften Abschieden verbunden sein. Dabei gilt es die Zuversicht zu wahren, dass Neues wachsen wird.

Was hat Sie in den vergangenen Monaten am meisten beeindruckt?

Vor allem das enorme Engagement unglaublich vieler Menschen! Weit mehr als tausend Männer und Frauen bringen ihre Erfahrung und ihre Ideen aktiv in die Arbeits- und Koordinierungsgruppen ein und übernehmen Verantwortung für die Zukunft unserer Kirche. Viele weitere Menschen haben bei Diskussionsrunden, Pfarreitagen und anderen Veranstaltungen mitgewirkt und dafür gesorgt, dass eine konstruktive Bewegung entstanden ist. Dabei ist deutlich geworden, welche Herausforderungen in den komplexen Fragestellungen von Pastoral-, Finanz- und Immobilienthemen liegen und dass es letztlich um viel mehr geht – nämlich darum, wie wir unter den gesellschaftlichen Bedingungen Kirche sind und sein werden. Es geht um Antworten auf die Frage, wie wir in den Pfarreien, in den Stadtteilen und an den vielen unterschiedlichen Orten die christliche Botschaft leben und verkünden und dabei attraktiv für die Menschen sein können. Die intensive Arbeit in den Gremien zeigt auch: Es gibt viele gute Ideen, die auf ihre Erprobung warten.

Wo sehen Sie in den kommenden Monaten die größten Herausforderungen auf die Pfarreien zukommen?

In vielen Pfarreien wurde in den vergangenen Monaten intensiv geplant und diskutiert, ja um der Sache willen auch gestritten. Ich wünsche mir auch weiterhin faire und transparente Diskussionen, die stets unsere Kirche als Ganzes und ihre Botschaft im Blick behalten. Wir benötigen vor allem das Zutrauen, dass diejenigen, die in den Gremien Verantwortung tragen, sorgfältig abgewogene Entscheidungen treffen werden. Wer in den Pfarrgemeinderäten und in Kirchenvorständen mitarbeitet und mitentscheidet, hat Respekt verdient. Es wird aber sicherlich auch nach der Verabschiedung der Voten noch viele Diskussionen um die richtigen Wege geben. Wenn unser Bischof die Voten bestätigt, geht es um die Umsetzung der erarbeiteten Perspektiven. Dafür brauchen wir einen langen Atem, Zuversicht und Gestaltungsfreude.

Welche konkreten Tipps geben Sie den Teams in Pfarreien mit, bei denen die Pfarreiprozesse ins Stocken geraten?

Damit die Voten bis Ende des Jahres fertig sind, brauchen wir in unseren Pfarreien die Gelassenheit, Kompromisse zu schließen, die Bereitschaft, sich nicht an Details aufzureiben und den Mut zu beherzten Entscheidungen. Wenn die Überlegungen jetzt ins Stocken geraten, hilft es oft, einen Moment innezuhalten, einen Schritt zurückzutreten und auf die bereits zurückgelegte Wegstrecke zu blicken: Es ist eindrucksvoll, wieviel Herzblut in den Prozessen in jeder unserer Pfarreien sichtbar geworden ist. Ich wünsche mir, dass es uns in den Zeiten des Übergangs und Wandels gemeinsam gelingt, das kreative Potential in unserer Kirche weiter zu aktivieren.

Leiter der Koordinierungsstelle für Pfarreiprozesse

Rolf Preiss-Kirtz

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