Papst-Film erntet in der Essener Lichtburg viel Applaus

Regisseur Wenders und Lichtburg-Chefin Menze feierten mit Ruhrbischof Overbeck, Adveniat-Chef Pater Heinz und 1250 Kino-Gästen den Filmstart von „Der Mann seines Wortes“.

„Y eso fue!“ – das war’s! Als sich Papst Franziskus am Donnerstagabend nach 96 Minuten auf der Leinwand der Essener Lichtburg von den rund 1250 Premierengästen verabschiedet, brandet Applaus auf, minutenlang. Beifall für Regisseur Wim Wenders – Beifall aber auch für den 81-jährigen Kirchenmann im strahlend weißen Gewand, der den allermeisten Zuschauern dank Wenders‘ Film in den vergangenen anderthalb Stunden so nahe gekommen ist, wie nie zuvor. Das liegt in erster Linie an der besonderen Interview-Technik des Filmemachers: „Ich habe meinen Platz aufgegeben und Ihnen zur Verfügung gestellt“, beschreibt Wenders nach dem Film auf der Lichtburg-Bühne die Gesprächsszenen mit dem argentinischen Papst. Während der insgesamt rund acht Stunden langen Dialoge im Vatikan saßen sich Franziskus und der Regisseur nicht direkt gegenüber, sondern hatten jeweils einen Monitor mit eingebauter Kamera vor sich, auf dem das Bild des Gesprächspartners erschien. Weil der Papst sich darauf eingelassen hat, scheint er nun direkt mit dem Kino-Zuschauer zu sprechen, dem so nicht nur der spanischer Originalton – mit Untertitel –, sondern auch das intensive Mienenspiel des Papstes präsentiert wird.

Der 1945 in Düsseldorf geborene Wenders ist in Oberhausen in einem streng katholischen Elternhaus aufgewachsen und wollte sogar mal Priester werden. 1968 ist er dann aber doch aus der Kirche ausgetreten – und mittlerweile Protestant. Bekannt wurde Wenders durch Filme wie „Der Himmel über Berlin“, „Buena Vista Social Club“ oder „Viel passiert – Der BAP Film“. So war auch Kölsch-Rocker Wolfgang Niedecken am Donnerstag bei Wenders‘ neuestem und wohl bislang ungewöhnlichstem Werk in der Lichtburg mit dabei. „Der Mann seines Wortes“ sei kein Auftrags- oder Werbefilm für den Papst, wie Wenders betont – sondern ein Dokumentarfilm. Er sei von Dario Viganò, dem Direktor des Vatikanischen Fernsehzentrums, zu dem Film eingeladen worden – dann sei der Film aber in keiner Weise zensiert und letztlich finanziert und produziert worden, wie jeder andere seiner Film auch, so Wenders. Recht knapp finanziert, wie der Regisseur mit Blick auf den „Low Budget“-Charakter betont. Doch der passt im Nachhinein bestens zu Franziskus’ Aufruf zur Bescheidenheit – und zur Geschichte des Franz von Assisi, die Wenders mit den Franziskus-Interviews verwebt hat. Schon 2013 bei der Papst-Wahl sei ihm klar gewesen: Ein Papst, der sich diesen Namen wählt, „der hat Mut“, so Wenders. Franz von Assisi „war ein Revolutionär“.

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck und der Chef des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Pater Michael Heinz, waren zum Filmstart am Donnerstag Ehrengäste von Lichtburg-Chefin Marianne Menze und Christoph Ott, der mit Wenders und dem Film nun durchs Land zieht. „Wenn ich das nächste Mal Gelegenheit dazu habe, werde ich dem Papst auf jeden Fall empfehlen, den Film zu sehen“, zeigte sich Pater Michael begeistert. Bislang habe Franziskus den Film noch nicht angeschaut, hatte Wenders erklärt und zweifelt, ob Franziskus dies je tun werde. „Der Papst spricht durch die Menschen von Gott“, beschrieb Overbeck seinen Eindruck nach der Premiere. Und er ergänzte: „Das Sakrale des Films ist die radikale Alltäglichkeit einiger Szenen.“ Wenn Wenders etwa zeige, wie der Papst bei seinem Besuch auf den von einem Wirbelsturm verwüsteten Philippinen einer Frau lange und still die Hand hält, werde dieses Besondere im Alltäglichen deutlich. Overbeck sieht in einer solchen Haltung „sympathische Züge, auch für die Kirche im Ruhrbistum“. Christen sollten „durch ihr alltägliches Leben“ erkennbar sein. Neben den vielen Bildern von Papst-Reisen in Lateinamerika hat auch Pater Michael die Szene von den Philippinen besonders beeindruckt: „Ein Papst, der dort angesichts des großen Leids sagt: ,Ich bin ohne Worte‘“, - das sei wahre Größe.

Er werde gelegentlich gefragt, wie er ihn denn erlebt habe, den Stellvertreter Gottes, erzählt Wenders am Ende des Abends. „Doch im Film“, sagt der Regisseur „sehe ich Franziskus in erster Linie als Stellvertreter der Menschen.“

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