Overbeck vertritt Deutsche Bischofskonferenz in Europa

Vollversammlung der deutschen Bischöfe in Ingolstadt macht Kommunionempfang für evangelische Ehepartner möglich. Bischofskonferenz-Vorsitzender Marx fordert mehr Transparenz von Bistümern, die ihre Finanzen noch nicht offenlegen. Neuer Aufbruch im Dialog mit Mitte- und Osteuropa.

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck vertritt die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) künftig auch in Europa. Auf ihrer Frühjahrsvollversammlung in Ingolstadt haben die deutschen Bischöfe ihn als neuen Delegierten in die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union (COMECE) entsandt. Overbeck, der zudem deutscher katholischer Militärbischof und Vorsitzender des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat ist, folgt in der COMECE auf Kardinal Reinhard Marx (64). Der Vorsitzende der Bischofskonferenz und Erzbischof von München und Freising war sechs Jahre lang COMECE-Präsident und gibt dieses Amt im März ab.

Evangelische Ehepartner können Kommunion empfangen

Neben Personalfragen stand am Donnerstag ein deutliches ökumenisches Signal der Bischöfe am Ende ihres viertägigen Treffens in Ingolstadt. Mit sehr großer Mehrheit und nach intensiven Debatten beschlossen die Bischöfe eine Regelung, die in Einzelfällen den Kommunionempfang für protestantische Ehepartner ermöglicht.

Eigentlich steht im Kirchenrecht, dass die Kommunion nur katholischen Gläubigen vorbehalten ist. Die Bischöfe sehen hier aber Ausnahmemöglichkeiten. Bei Ehepaaren, die bewusst gemeinsam den Glauben leben, könne ein „schwerwiegendes geistliches Bedürfnis“ entstehen, das es nach dem Kirchenrecht möglich mache, dass der evangelische Ehepartner die Kommunion empfangen könne, wenn er den katholischen Eucharistieglauben bejahe, so die Linie.

Der Bischofskonferenz-Vorsitzende Marx sprach von einer „dringenden pastoralen Aufgabe“ und verwies auf den hohen Anteil konfessionsverschiedener Ehen und Familien in Deutschland. Aber es gibt – wie schon bei den wiederverheirateten Geschiedenen – keinen Automatismus. Unabdingbar sei es, dass die Seelsorger vor der Zulassung der nichtkatholischen Ehepartner zur Kommunion mit den Betroffenen über deren Glauben sprächen und sicherstellten, dass beide die katholische Eucharistielehre teilten, machte der Kardinal deutlich.

Marx fordert mehr Transparenz bei Kirchenfinanzen

Auf einen Aufbruch hatten Marx und der gastgebende Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke zum Auftakt des Treffens gehofft und mehr Transparenz und Kontrolle in Finanzfragen angemahnt. Konkrete Ergebnisse gibt es noch keine, doch die klare Absicht, voranzukommen. Der Konferenz-Vorsitzende selbst sprach von einem „neuen Schub“. Die Öffentlichkeit und die Gläubigen hätten einen Anspruch darauf.

Marx drückt aufs Tempo. Während das Bistum Essen bereits seit 2011 einen Finanzbericht nach den Kriterien der Unternehmensberichterstattung aufstellt und veröffentlicht, beklagte Marx in Ingolstadt, dass manche Bistümer noch immer bei der Veröffentlichung ihrer Finanzen hinterherhinkten. Für ihren nächsten „Ständigen Rat“ haben nun die Ortsbischöfe vereinbart, konkrete Schritte und einen Zeitplan für deren Umsetzung zu erarbeiten.

Frage nach Solidarität zwischen armen und reichen Bistümern

Dazu kommt die Frage nach der Solidarität zwischen armen und reichen Bistümern, auch das steht auf der Agenda. Das alles geschieht nicht nur vor dem Hintergrund des Finanzskandals im Bistum Eichstätt, sondern auch vor der Ankündigung des Erzbistums Hamburg, wegen der Überschuldung in Höhe von rund 79 Millionen Euro bis zu 8 ihrer 21 katholische Schulen schließen zu wollen. Schüler, Eltern und Lehrer fordern die Unterstützung reicher Bistümer. Zudem hatte zu Beginn der Vollversammlung der Sekretär der Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, eine Neugestaltung des Finanzausgleichs zwischen reichen und armen Bistümern angekündigt. Der vor 25 Jahren beschlossene innerkirchliche West-Ost-Finanzausgleich laufe aus. Er sei in dieser Form nicht mehr zeitgemäß, weil es auch im Westen finanziell Not leidende Bistümer gebe. Marx erklärte am Donnerstag, der Hamburger Erzbischof Stefan Heße habe in Ingolstadt eine Unterstützung konkret nicht gefordert. In Hamburg gehe es um ein Struktur- und nicht um ein Finanzproblem, so Marx.

Neuer Aufbruch im Dialog mit Osteuropa

Einen Aufbruch soll es nach dem Willen der katholischen Bischöfe auch im Dialog mit Mittel- und Osteuropa geben. Unterschiedliche Auffassungen bestehen hier nicht nur in theologischen Fragen, zum Beispiel zu Ehe und Familie, sondern auch in politischen, wenn etwa in Polen die Axt an die Gewaltenteilung gelegt wird.

Auf allen Ebenen bis hin zu Pfarrgemeinden soll der Austausch mit Mittel- und Osteuropa nun stattfinden – auch mit Hilfe des Osteuropa-Hilfswerks Renovabis. Ende August wird Marx als Bischofskonferenz-Vorsitzender nach Danzig reisen, um den polnisch-deutschen Dialog voranzubringen. Bereits Mitte August fährt zudem eine Gruppe der Jugend im Bistum Essen nach Polen aus Anlass der 25-jährigen Partnerschaft des Ruhrbistums mit der Diözese Kattowitz.

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