von Adveniat

Overbeck: „Ein Wegweiser für den Frieden in Lateinamerika“

Trauer um den früheren Adveniat-Geschäftsführer Bischof Emil Lorenz Stehle, der am Dienstag im Alter von 90 Jahren gestorben ist.

„Mit seinem Leben für Dialog und Vermittlung bleibt Bischof Stehle auch über seinen Tod hinaus ein Wegweiser für den Frieden in Lateinamerika.“ Das sagte Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck in einer ersten Reaktion zum Tod von Bischof Emil Lorenz Stehle. „Seinem unermüdlichen Einsatz für die Menschen, insbesondere die indigenen Völker, fühlen wir uns bei Adveniat weiterhin verpflichtet.“ Der ehemalige Geschäftsführer des Essener Lateinamerika-Hilfswerks ist am Dienstag, 16. Mai, im Alter von 90 Jahren in Konstanz gestorben.

„Freund auf dem Friedensweg für El Salvador“ – so wurde Bischof Stehle von Weibischof Gregorio Rosa Chavez von San Salvador einmal bezeichnet. Nach der Ermordung von Erzbischof Oscar Romero 1980 vermittelte Stehle in dem von einem blutigen Bürgerkrieg zerrissenen mittelamerikanischen Land. Der Bischof setzte sich für Friedensverhandlungen zwischen Regierung und Guerilla ein, für die Freilassung von Geiseln und den Schutz der Zivilbevölkerung – bis schließlich 1992 das Friedensabkommen unterschrieben wurde. „Mit seinem schlichten Auftreten, seinem aufmerksam-geduldigen Zuhören und seinem diplomatischen Gespür war er ein kompetenter Gesprächspartner, Berater und Vermittler in vielen großen und kleinen Konflikten im kirchlichen und weltlichen Bereich – in Deutschland und in Süd- und Mittelamerika“, sagte Overbeck. Dabei wusste er sich getragen von einem lebendigen Glauben und Gottvertrauen, das auch in seiner Aussage deutlich wird: „Am Anfang war das Wort, nicht die Gewalt. Das Wort wurde Wahrheit und Leben, und das Wort schuf Frieden.“

„Don Emilio“ aus Südbaden

Am 3. September 1926 wurde Stehle in Herdwangen-Mühlhausen (Südbaden) als achtes Kind von neun Geschwistern einer einfachen Bauernfamilie geboren. 1951 in der Erzdiözese Freiburg zum Priester geweiht, stellte Stehle sich nach sechs Kaplansjahren dem Katholischen Auslandssekretariat zur Verfügung, um in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá eine Gemeinde für deutschsprachige Katholiken aufzubauen. Der erste Ruhrbischof und damalige Adveniat-Vorsitzende Franz Hengsbach ernannte Stehle 1969 zunächst zum Berater Adveniats mit Sitz in Bogotá. Drei Jahre später holte er Stehle dann als Zweiten Geschäftsführer in die Geschäftsstelle nach Essen. Von 1977 bis 1988 war Stehle Geschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks.

Als „Don Emilio“, wie er in Lateinamerika liebevoll genannt wurde, 1983 in Rom zum Bischof geweiht und dem Erzbischof von Quito in Ecuador als Weihbischof zur Seite gestellt wurde, entwickelte er sich mehr denn je zum Wanderer zwischen zwei Welten. Als dann aber das Bischofsvikariat Santo Domingo de los Colorados 1987 zur Prälatur erhoben wurde, entschied er sich für den ständigen Wohnsitz in Ecuador.

Für seinen großen Einsatz, besonders bei den Friedensbemühungen in Zentralamerika, die Befreiung von sieben Aufbauhelfern in Nicaragua und die Pionierarbeit in Santo Domingo de los Colorados in Ecuador wurde Bischof Stehle mehrfach ausgezeichnet: mit drei Ehrendoktor-Titeln und dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. 2002 kehrte er in seine Heimatdiözese Freiburg zurück und lebt seitdem in Konstanz am Bodensee.

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