„Ohne die Freiwilligen wäre das nicht möglich“

In einem Senioren-Wohnheim der Gladbecker Caritas-macht die Oberhausenerin Carolin Wilming ein Freiwilliges Soziales Jahr. Eine Bereicherung für die Bewohner – und für die junge Frau.

Wenn Carolin ins Zimmer kommt, geht ein Strahlen über Frau Numrichs Gesicht. Die junge Frau geht der alten Dame im Rollstuhl entgegen, beugt sich hinunter und beide umarmen sich zur Begrüßung. „Hallo Carolin, schön, dass du wieder da bist.“ Maria Numrich wird bald 95. Mittlerweile ist sie nicht mehr so mobil, da gehören die Besuche der jungen Freiwilligen zweifellos zu den Höhepunkten des Tages. Dass ein ganzes Lebensalter zwischen den beiden Frauen liegt, ist dabei fast sekundär. Sie reden und lachen, manchmal liest Carolin Wilming vor oder sie spielen – aber immer ist da diese behutsame Nähe, eine besondere Beziehung, für die das Wort „Betreuung“ viel zu technisch ist.

Und doch beschreibt dies Wilmings Aufgabe. Die 20-jährige Oberhausenerin ist seit zehn Monaten im Gladbecker Johannes-van-Acken-Haus tätig. 80 Männer und Frauen leben in der Senioreneinrichtung der Caritas, in der Wilming ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolviert – eine von zehn Freiwilligen, die in den Gladbecker Caritas-Einrichtungen tätig sind. Rund 380 Plätze vergeben die Freiwilligendienste im Bistum Essen insgesamt für FSJ und den Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) in katholischen Einrichtungen zwischen Duisburg und dem Sauerland – Aufgaben in Senioren-Einrichtungen sind dabei ein Schwerpunkt.

„Bei uns kommt erst einmal kein FSJ’ler in die Pflege“, räumt Caritas-Mitarbeiterin Gabriele Holtkamp-Buchholz für ihre Gladbecker Einrichtungen mit einem gängigen Vorurteil auf. Neben Betreuungs-Aufgaben sind Freiwillige unter anderem in der Haustechnik und in der Verwaltung tätig. Nur wer nach einer intensiven Einarbeitung von sich aus den Wunsch äußere auch Erfahrungen in der Pflege sammeln zu wollen, werde auch in diesem Bereich eingesetzt.

Carolin Wilmings Arbeitsplatz ist in einem Wohnbereich im Erdgeschoss, in dem neben Maria Numrich weitere elf Senioren zu Hause sind. Einige von ihnen sitzen morgens nach dem Frühstück schon erwartungsfroh am großen Tisch, „dann beginnt die Zeitungsrunde“, erzählt Wilming. Munter blättert sie dann durch die aktuelle WAZ-Ausgabe und liest vor. „Das kommt gut an, los geht’s immer mit dem Wetter.“ Über Politik und Sport bis zum Lokalen blättert sich die junge Frau durch die Zeitung – und wird oft genug unterbrochen: „Natürlich wird da viel diskutiert.“ Am Nachmittag „gehe ich dann oft mit Bewohnern spazieren, einkaufen oder zum Arzt“, sagt die FSJ’lerin. Und ihre Betreuerin Holtkamp-Buchholz betont: „Diese Begleitungen sind nur möglich, weil wir den Freiwilligendienst haben.“ Zudem sitzt Wilming am Empfang des Hauses: Telefon-Vermittlung, erste Ansprechpartnerin für Besucher und ein offenes Ohr für alle, die gerade niemand anderen zum Reden haben. Auch diese, durchaus verantwortungsvolle Position zeichnet den Freiwilligendienst der jungen Frau aus, die „nach dem Abi und vor dem Studium einfach mal etwas anderes machen und nicht von einer Klausurphase in die nächste rutschen wollte“.

Im Johannes-van-Acken-Haus lernen die Freiwilligen fürs Leben –das jedoch für viele Bewohner eben auch dort endet. Eine existenzielle neue Erfahrung, die jungen Freiwilligen gerade in Senioreneinrichtungen begegnet. „Kürzlich ist eine Dame aus meinem Wohnbereich gestorben“, erzählt Wilming. Da sie schon länger krank gewesen sei, „war mir bewusst, dass sie vermutlich noch während meines FSJ’s stirbt.“ Und doch sei es am Todestag selbst zunächst kein einfaches Gefühl gewesen, mit dem Verlust der alten Dame klar zu kommen, die fest zu ihrem FSJ-Alltag gehört hat. „Gut war, dass mir ganz viele Kolleginnen und Kollegen in meinem Wohnbereich angeboten haben, darüber zu sprechen“, berichtet Wilming. Zudem habe es für die FSJ’ler einen eigenen Seminartag zum Thema „Tod und Trauer“ geben – und auch in den regelmäßigen Reflexionsgesprächen würden diese Erfahrungen immer wieder aufgearbeitet, sagt Holtkamp-Buchholz. Zudem gehöre das Thema „Distanz und Nähe“ zwischen den FSJ’lern und den Bewohnern „zu den ersten Dingen, die wir mit den Freiwilligen besprechen“.

Zum Tod „habe ich heute eine andere Einstellung als früher“, sagt Wilming. In ihrer Arbeit habe sie erlebt, dass der Tode für manche Menschen eben auch etwas Erlösendes sein könne. „Die jungen Leute gehen hier anders raus als sie reingekommen sind“, fasst Holtkamp-Buchholz diese Erfahrung mit vielen anderen im Freiwilligen Sozialen Jahr zusammen. Ein Jahr, das zumindest für Carolin Wilming alles andere als verschwendet ist.

Sachgebietsleiterin — Freiwilligendienste

Birgitta Kelbch


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