Müntefering sieht Gerechtigkeits- statt Generationenproblem

Ehemaliger SPD-Chef und Bundesarbeitsminister sprach bei der Arbeitsgemeinschaft Altenhilfe im Bistum Essen (AGEA) und warb unter anderem für eine angemessene Bezahlung von Sozialberufen.

Plädoyer für eine angemessene Bezahlung von Sozialberufen

Der frühere Bundesarbeitsminister und SPD-Chef Franz Müntefering sieht eher ein Gerechtigkeitsproblem als einen Generationenkonflikt in der deutschen Gesellschaft. „Die Kluft entsteht nicht zwischen Alt und Jung, sondern zwischen Arm und Reich, zwischen Menschen mit und solchen ohne Chancen“, sagte der 76-Jährige am Donnerstagabend bei der Arbeitsgemeinschaft Altenhilfe im Bistum Essen (AGEA). Die AGEA bündelt die Interessen von 89 katholischen Altenhilfe-Einrichtungen zwischen Duisburg und Lüdenscheid, in denen rund 12.000 ältere Menschen betreut werden.

Herausforderungen des demografischen Wandels

Müntefering, der heute unter anderem ehrenamtlich bei der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) und im Stiftungsbeirat des Hospiz- und Palliativverbandes aktiv ist, erörterte die Herausforderungen des demografischen Wandels. Dabei warb der ehemalige Spitzenpolitiker dafür, die Jungen nicht aus dem Blick zu verlieren, die heute 0- bis 20-Jährigen. „Bei aller Diskussion um Gerechtigkeit stehen immer die Erwerbstätigen und die nicht mehr Erwerbstätigen im Mittelpunkt. Wofür wir eintreten müssen, ist eine Generationen- und Gesellschaftsgerechtigkeit.“

Tipp an pflegende Angehörige: „Opfert euch nicht auf!“

Im Hinblick auf Pflege und Fachkräftemangel forderte er für die Mitarbeiter in Kitas, Grundschulen und in der Pflege eine genauso gute Bezahlung wie für „Menschen, die Schrauben in Autos drehen“. Die Pflege sei ein hochqualifizierter Beruf. Pflegenden Angehörigen empfahl er: „Opfert Euch nicht auf, das ist nicht vernünftig, sondern holt euch professionelle Hilfe. Lasst Euch beraten und helfen.“ Zudem trat Müntefering dafür ein, Angebote für Menschen mit Demenz und zur Begleitung von Sterbenden flächendeckend den Menschen zugänglich zu machen. Gerade mit den Themen Pflege und Palliativmedizin ist der frühere Sozialminister auch persönlich eng verbunden: Im Hebst 2007 trat Müntefering von seinen Ämtern als Bundesminister und Vizekanzler zurück, um sich komplett der Pflege und Betreuung seiner an Krebs erkrankten Frau zu widmen. Ende Juli 2008 starb Ankepetra Müntefering im Alter von 63 Jahren.

Win-Win-Situation Zuwanderung

In Essen äußerte sich Müntefering auch zur Zuwanderung: „Es bleibt auch eine Win-win-Situation – selbst wenn es uns nicht gelingt, alle, die zu uns kommen, zu integrieren.“ Er sehe es als positive Entwicklungshilfe, wenn Menschen nach erfolgreicher Ausbildung in Deutschland in ihre Heimatländer zurückgingen. Mit optimistischen Tönen beendete er seinen etwa einstündigen Vortrag: „Wir können das hinkriegen. Aber es braucht Mut, Geld und politischen Willen.“

„Mach Dich stark für Generationengerechtigkeit“ – unter diesem Titel wirbt die Caritas in diesem Jahr bundesweit um mehr Verständnis zwischen Jung und Alt. Klaus Pfeffer, Generalvikar und Vorstandsvorsitzender der Caritas im Bistum Essen, betonte den gesellschaftlichen Auftrag der Caritas, mit ihren Einrichtungen und Diensten auch in der Altenhilfe präsent zu bleiben. Gerade in diesen Zeiten sei es wichtig, die Herausforderungen anzunehmen und sich politisch einzumischen.

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