Militärbischof Overbeck betont Friedenspotenzial der Religionen

Keine der großen Weltreligionen liefere eine Begründung für Gewalt, sagte der Bischof am Mittwochabend im Bochum bei einer Rede an der Ruhr-Universität Bochum.

Trotz des religiös motivierten Terrors in Syrien, Irak, Nigeria oder den nach wie vor latenten Spannungen zwischen Katholiken und Protestanten in Nordirland – für Gewalt gibt es für Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck keine religiöse Begründung. „Die gewaltsame Durchsetzung einer Religion oder ein gewaltsames Vorgehen im Namen dieser Religion agiert immer gegen fundamentale eigene Grundlagen“, sagte der katholische Militärbischof am Mittwochabend in der Ruhr-Universität Bochum. „Im Islam und im Christentum gibt es keinen Gott, der die Menschen einfach aufruft, Gewalt auszuüben“, betonte Overbeck. Er sprach im Rahmen des Kontaktstudiums der Katholisch-Theologischen Fakultät zum Thema „Religion im Konflikt – Brandbeschleuniger oder Friedensstifter“.

Gewalt wird religiös gerechtfertigt

Egal ob bei aktuellen oder vergangenen gewaltsamen Auseinandersetzungen – in der Regel gehe es „nicht um eine Gewalt, die religiös begründet ist, sondern die religiös gerechtfertigt wird“, argumentierte der Bischof. Dabei seien die Entstehungsgründe vermeintlich religiöser Gewalt „nicht religiöser, sondern andersartiger Natur“. So seien etwa beim sogenannten Islamischen Staat (IS) religiöse, politische, ethnische und kulturelle Interessen sehr eng miteinander verflochten und schwer zu unterscheiden. Fälschlich werde daher oft unterstellt, „dass die Gewalt des Islamischen Staates eine ,natürliche‘ Folge der islamischen Religion sei“. Mit Blick auf das militärisch aktuell unter Druck stehende Terrorregime warb Overbeck dafür, schon jetzt „über den IS hinauszudenken“. Auch nach einer militärischen Niederlage sei das radikal-islamistische Gedankengut ja nicht beseitigt. „Es braucht eine nachhaltige inhaltliche Auseinandersetzung mit den ideologischen Grundlagen gewaltbereiter Gruppierungen wie des IS oder zuvor der Al Qaida“, betonte der Bischof.

Religionsfreiheit als Grundlage

Die Grundvoraussetzung für gewaltfreie Religionen ist für Overbeck die Anerkennung der Religionsfreiheit. Dabei liege „der Glaubwürdigkeitstest für jede Religion darin, für Religionsfreiheit auch dann einzutreten, wenn andere Religionen betroffen sind“. Keine Religion müsse dabei auf ihren Wahrheitsanspruch verzichten, betonte der Militärbischof, „doch alle Religionen müssen darauf verzichten können und verzichten, ihn mit Gewalt durchzusetzen“. Dass rund um den Globus dennoch jede Menge Gewalt im Namen von Religionen verübt werde, liegt nach Ansicht Overbecks mancherorts auch an der „Wucht der Tradition von Gewalt, die verhindert, dass man der Gewalt aus Vernunftgründen abschwört“.

„Genuines Friedenspotenzial“ der Religionen

Dabei gibt es für Overbeck in den großen Weltreligionen nicht nur eine grundsätzliche Gewaltfreiheit, sondern auch „ein genuines Friedenspotenzial“. Konzentrierten sich die Religionen darauf, sei sogar „ein kooperatives interreligiöses Vorgehen gegen Gewalt in Krisensituationen eine reale Möglichkeit“. Neben dem friedensstiftenden Engagement der christlichen Gemeinschaft Sant’Egidio in Rom verwies Overbeck auf das gemeinsame Friedensgebet aller Religionen, zu dem erstmals Papst Johannes Paul II. 1986 nach Assisi eingeladen hatte.


Die Rede des Militärbischofs im Wortlaut (pdf):

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