Mehr Mut für Menschlichkeit

Caritas zieht positive Bilanz des „Sach wat!“-Projekts. Eine Fortsetzung soll folgen. Facebook-Gruppe ist weiterhin aktiv.

600 Teilnehmer bei Workshops, Kneipentour und Fach-Diskussion

Nach dem Abschluss des Zivilcourage-Projekts „Sach wat! Tacheles für Toleranz“ zieht die Caritas im Bistum Essen ein positives Fazit. „Wir haben bei den knapp 30 Veranstaltungen mehr als 600 Personen erreicht. Wir haben ihnen Mut gemacht, für ein bisschen mehr Menschlichkeit den Mund aufzumachen. Und wir haben als kirchlicher Wohlfahrtsverband ein deutliches Zeichen gegen Hass, Gewalt und Intoleranz gesetzt“, resümiert Michael Kreuzfelder, Sprecher der Caritas im Ruhrbistum.

Zu den fünf Kneipenabenden, 17 Argumentationstrainings, fünf Workshops gegen „Hatespeech“ und einem Fachtag seien viele Haupt- und Ehrenamtliche aus der Caritas, aber auch viele andere interessierte Bürgerinnen und Bürger gekommen. „Viel mehr haben im Netz darüber gesprochen“, freut sich Kreuzfelder, „aber wir wurden selbst auch angefeindet.“ Vor allem die Idee der Kneipentour habe bundesweit für Aufsehen und Nachahmer gesorgt.

Leute stark machen, die für Toleranz stehen

„Wir können nicht konkret messen, was es den Leuten gebracht hat. Die Rückmeldungen waren durchweg positiv. Auch wenn ich Menschen mit intoleranter Haltung nicht überzeugen kann, so kann ich die erreichen, die daneben stehen oder mitlesen. Wir wollten Leute stark machen, die für Toleranz stehen. Wir sind überzeugt, dass wir etwas bewegt und viele mindestens zum Denken angeregt haben“, bilanziert Projekt-Koordinatorin Dara Franjic, Migrationsexpertin bei der Ruhr-Caritas.

Sich lautstark für Menschlichkeit einsetzen

Angesichts erstarkender rechtspopulistischer Kräfte wie der AfD habe man es als „Pflicht empfunden, etwas zu tun.“ In der herrschenden politischen Stimmung und vor zwei wichtigen Wahlen in Land und Bund sei das Anliegen wichtiger denn je. „Wir brauchen noch mehr Menschen, die sich lautstark für Menschlichkeit einsetzen“, so Franjic.

„Das bringt doch eh nichts.“ „Ich weiß nicht genug.“ „Sollen doch die anderen was sagen.“: Gründe, warum man in unangenehmen Gesprächen lieber nichts sagt, gibt es genug. „In Trainings und Kneipentour haben wir versucht, Handwerkszeug zu vermitteln“, so Franjic, „etwa nachzufragen, oder einfach zu sagen `Das sehe ich aber nicht so´“. Andere Mittel sind Weichmachersätze wie „Ich bin nicht sicher, ob ich Sie richtig verstanden habe“ oder mit Humor zu kontern. Wichtig sei, sich nicht einschüchtern lassen, die Unterstützung Umstehender zu gewinnen, Hilfe zu holen, sich aber auch nicht in Gefahr zu bringen, rät Franjic. Auf einer eigenen Internetseite gibt es Videos, einen Spickzettel mit Tipps für den Umgang mit populistischen Parolen und weitere Infos.

Auch die aktuelle Ausgabe des Bistumsmagazins BENE widmet sich dem Caritas-Projekt für mehr Zivilcourage. Neben dem Text im gedruckten Heft mit vielen konkreten Hinweisen gibt es auf der Internetseite auch einen Film vom „Sach Wat!“-Abend in der Gelsenkirchener Kneipe Rosi.

Fortsetzung ist geplant

Derzeit arbeitet die Caritas an einem Folgekonzept für „Sach Wat!“ und sucht Finanzierungsmöglichkeiten und Kooperationspartner. „Das Interesse und die Notwendigkeit sind da“, so Franjic. Angedacht sind etwa die Ausbildung von Multiplikatoren, Workshops zu Prävention vor religiöser Radikalisierung, der Bewahrung demokratischer Werte, interkultureller Sensibilisierung und Deeskalation. Auch eine Fortsetzung der Kneipentour ist im Gespräch.

Bleiben wird die Facebook-Gruppe „Sach wat!“, in der Interessierte Erfahrungen und Infos austauschen, sich bei Aktionen, dem Eingreifen bei Hasskommentaren und beim Einsatz für Menschenwürde und gegen Fremdenfeindlichkeit unterstützen. „Alle, die mitmachen wollen, sind herzlich willkommen“, so Kreuzfelder.

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