Kirchliche Kommunikation zwischen Beziehungsarbeit und Event-Gottesdiensten

Beim Akademikertag der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum standen am Mittwoch, 24. Oktober, Kritik an Sprache und Themen der Kirche, aber auch innovative Ideen für die Kommunikation von Glaubensthemen im Fokus.

Die Fachschaft der Katholisch-Theologischen Fakultät wollte beim "Dies Academicus" die "katholische Kommunikation auf den Prüfstand stellen"

In den Diskussionen ging es dabei nicht nur um Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, sondern um alle Kommunikationsformen der Kirche, zum Beispiel auch Gottesdienste

Neben Kritik gab es viele, zum Teil recht radikale, Verbesserungsvorschläge

Wenig relevante Themen, unverständliche Worte und kaum geeignete Medien – dass die Kirchen in Deutschland mit ihrer Botschaft nur wenige Menschen erreichen, liegt auch an ihren Formen zu kommunizieren. Dieser Tenor prägte am Mittwochnachmittag die Diskussionen des Akademikertags„Wir müssen reden“ an der Bochumer Ruhr-Universität. Mit einer Podiumsdiskussion und mehreren Workshops wollte die Fachschaft der Katholisch-Theologischen Fakultät „die Kirchliche Kommunikation auf den Prüfstand“ stellen, so der Titel des „Dies Academicus“, zu dem rund 120 Theologen an die Ruhr-Uni gekommen waren.

„Kirchliche Kommunikation ist oft auf sehr, sehr dünnem Eis gebaut.“

Eine Kommunikation, die „oft auf sehr, sehr dünnem Eis gebaut ist“, so die Einschätzung von Referent Erik Flügge. Gerade in „Verkündigungssituationen“ hänge die Sprache von kirchlichen Vertretern entweder in lateinischen Fremdwörtern fest – oder sie werde sehr kindlich, kritisierte der Kommunikationsberater und Buchautor („Die Kirche verreckt an ihrer Sprache“) auf dem Podium. Flügge nannte es „einen Affront gegen Gott, der sich die Mühe gemacht hat, menschlich zu werden, und dann von seiner Kirche entmenschlicht kommuniziert wird.“ Flügge warb dafür, die Kommunikationsarbeit der Kirche stärker zu professionalisieren und neue Wege zu gehen – als positives Beispiel nannte er kirchliche Mitgliederzeitschriften wie das „BENE“-Magazin im Ruhrbistum.

Zudem sollten die Gemeinden in Zukunft weniger auf klassische Gottesdienste setzen als auf individuelle Beziehungspflege und Glaubensgespräche, zum Beispiel auch an Haustüren. „Die Liturgie bietet den allermeisten Menschen heute keine Beziehungsebene mehr“, so Flügge. „Anders als früher, ist es heute für die meisten Menschen nicht mehr normal zuhause gemeinsam zu singen. Und dass vorne einer steht und redet, das gibt es sonst nur noch an der Universität oder bei den Rotariern.“ Wenn die Leute tatsächlich mal in den Gottesdienst kämen, „sollen sie die beste Show bekommen, die wir liefern können. Das können wir nicht, wenn wir in jedem Dorf das gleiche machen“, sagte Flügge. Vielleicht habe die Kirche „in Zukunft 50 starke Predigerinnen und Prediger, die herumreisen – und viele Seelsorgerinnen und Seelsorger vor Ort, die Beziehungen zu den Gläubigen stiften und halten“.

Die Liturgiewissenschaftlerin Kim de Wildt riet der Kirche, noch stärker auf die Kraft ihrer Gebäude und einfache Rituale zu setzen. „In vielen Kirchen zünden die Menschen Kerzen an. Da sollte die Kirche anfangen: Macht die Kirchen auf und ermöglicht den Menschen dieses unverbindliche Angebot“, sagte die Wissenschaftlerin. Die Initiative „Nightfever“ zum Beispiel, die in großen Innenstadtkirchen wie dem Essener Dom zu offenen Abendgebeten einlade, schaffe eine gleichsam individuelle wie unverbindliche Atmosphäre, „die die traditionelle Liturgie so nicht schafft.“

„Alle Fragen von Sinn und religiösen Inhalten sind interessant – aber nicht die Kirche als Institution“

Egal ob bei Katholiken oder Protestanten – viel zu oft stehe in der kirchlichen Kommunikation die Institution Kirche im Mittelpunkt, „die interessiert die Menschen aber immer weniger“, sagte Hannes Leitlein, stellvertretender Redaktionsleiter der „Zeit“-Beilage „Christ und Welt“. Dabei beobachtet Leitlein kein mangelndes Interesse an Religiösem: „Alle Fragen von Sinn und religiösen Inhalten sind interessant – aber nicht die Kirche als Institution“, so der Journalist und evangelische Theologe. Seiner Ansicht nach müssten die Kirchen „den Innovationsdruck erhöhen“ und zudem Erfolgsmaßstäbe für ihre Arbeit definieren – nur dann werde auch die Kommunikation zielgerichteter. Als beispielhaftes Problem nannte Leitlein, „dass jeder Gottesdienst angepasst ist an das Gebäude, in dem er stattfindet, und nicht an die Leute, die kommen.“

Weniger „entweder oder“ – mehr „sowohl als auch“

Für mehr Vielfalt in der kirchlichen Kommunikation warb Elzbieta Kucharska-Dreiss. „Die Gemeinde ist nie homogen“, sagte die Theologin und Germanistin. Deshalb dürfe Kirche auch nicht in der Kategorie „entweder oder“ denken, sondern müsse stärker auf „sowohl als auch“ setzen. Die einen bräuchten große Gottesdienste mit „Event-Charakter“, andere ließen sich eher durch kleine Gemeinschaften ansprechen.

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