von Bettina Görlitzer

Kierspe feiert Johannes-Paul-Reliqiue

Über den persönlichen Kontakt zum früheren Sekretär des Papstes und heutigen Erzbischof von Lemberg kamen Haare des 2005 verstorbenen Heiligen ins Sauerland.

Eine Reliquie des Heiligen Papstes Johannes Paul II. (1978-2005) befindet sich seit Sonntag in der Kirche St. Josef im sauerländischen Kierspe. In einem feierlichen Pontifikalamt übereignete Mieczyslaw Mokrzycki, Erzbischof von Lemberg in der Ukraine, dieses besondere Gut an die Gemeinde und ihren Pastor Gregor Myrda. Bei der Reliquie ersten Grades handelt es sich um Haare des 2005 verstorbenen und 2014 heiliggesprochenen Papstes.

Mieczyslaw Mokrzycki gehörte bis zuletzt zu den engsten Mitarbeitern von Johannes Paul II. Er war von 1996 bis 2005 sein Sekretär und auch Papst Benedikt XVI. übernahm ihn zunächst als zweiten Sekretär neben Georg Gänswein, bis Mokrzycki 2007 zunächst Koadjutor-Erzbischof und 2008 Erzbischof von Lemberg wurde. Dass er im Rahmen eines Deutschlandbesuches nach Kierspe kam und die Reliquie des heiliggesprochenen Papstes an die Gemeinde übergab, ist durch die persönlichen Kontakte zu Gregor Myrda zustande gekommen. Neben seiner Tätigkeit als Gemeindepastor in Kierspe ist Myrda der Bistums-Beauftragter für Renovabis, das Osteuropa-Hilfswerk der Katholischen Kirche in Deutschland.

In seiner Predigt in Kierspe sprach Mokrzycki darüber, wie er selbst den Papst als einen außergewöhnlichen Menschen, mit tiefer Verbundenheit zu Gott erlebt habe. „Ihn umgab in außergewöhnlicher Weise eine Aura von Licht, die sich positiv auf andere auswirkte. Wer neben ihm stand, dem wurde ein tiefer Frieden zuteil; man fühlte sich in seiner Nähe sicher und nahm seine authentische Herzlichkeit wahr“, sagte der Erzbischof über Johannes Paul II. Er sei ein Mann des Glaubens gewesen, dessen Gedanken allein auf Gott ausgerichtet gewesen seien, deshalb sei ihm das Gebet immer am wichtigsten gewesen. Er habe stets – auch auf seinen vielen Reisen – seine festen Gebetszeiten eingehalten. Sofort nachdem er morgens aufgestanden war, habe er sich in seinem Schlafzimmer auf den Boden gelegt und den Rosenkranz gebetet. Erst danach habe er sich in die Privatkapelle zu den morgendlichen Gebeten und zur Meditation begeben. Außerdem sei die Feier der Heiligen Messe für Johannes Paul II. stets der wichtigste Moment des Tages gewesen, auf den er sich mit Meditation vorbereitet habe. Mokrzycki hielt die Predigt, die vor allem eine sehr persönliche Beschreibung des Menschen Johannes Paul II. war, nicht selbst – sie wurde auf Deutsch von Domkapitular Johannes Broxtermann aus Lüdenscheid verlesen.

Nach der Übergabe der Reliquie nutzten viele Gottesdienstbesucher die Gelegenheit, die Reliquie in ihrer gläsernen Hülle zu küssen. Zum Abschluss der Messe wurde die Reliquie feierlich in ein Gefäß gebracht, das neben dem Marienaltar der Kirche an der Wand befestigt ist. Gestaltet wurde es von dem Hattinger Künstler Egon Stratmann. Er habe dieses Gefäß ganz bewusst komplett aus Glas gefertigt, um die Transparenz auszudrücken, die auch mit dem Leben von Papst Johannes Paul II. verbunden sei. Er sei der einzige Heilige, dessen Leben den Menschen vollständig bekannt, also transparent sei, sagte der Künstler. Dies habe er versucht, umzusetzen, im Gegensatz zu anderen Reliquien die sich oft in einem geschlossenen, undurchsichtigen Behälter befinden. Zu den Öffnungszeiten der Kirche ist die Reliquie nun künftig zugänglich.

Gregor Myrda ist stolz, dass seine Gemeinde diese Reliquie bekommen hat: „Es bleibt zu wünschen, dass die Spuren Christi, die der Heilige Papst Johannes Paul II. hinterlassen hat, auch in unserer Zeit und bei uns heutigen Menschen heilsame Wirkung zeigt“, sagt er und erinnert an die Bedeutung von Papst Johannes Paul II., der sich während seines 26-jährigen Pontifikats immer wieder für die Ökumene, die Einheit der Christen, den Dialog der Weltreligionen, für Aussöhnung und Frieden in der Welt eingesetzt habe. Herausragende politische Bedeutung komme seinem Kampf gegen kommunistische Machthaber zu. Besonders seine Reisen nach Polen und seine Unterstützung der antikommunistischen politischen Gewerkschaft „Solidarnosc“ hätten den politischen Umbruch in Polen beeinflusst und seien mit ein Auslöser für den Zusammenbruch des gesamten kommunistischen Machtbereiches und der Wiedervereinigung Deutschlands gewesen.

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