von Thomas Rünker

Gottesdienst in der „Wunschpunsch“-Kulisse

Seelsorger aus der Schul- und Jugendpastoral trafen sich zum Gebet auf der Bühne des Essener Grillo-Theaters. Anschließend probierten sie den „Gebetomat“ mit mehr als 300 Texten aus allen Weltreligionen aus.

Beten auf der Bühne

Blaue Türme, rote Wände, ein großer Spiegel – und dazwischen eine leere Krippe. Mitten im Bühnenbild des „satanarchäolügenialkohöllischen Wunschpunschs“ im Essener Grillo-Theater feiern an diesem Donnerstagnachmittag Seelsorger aus Schulen und Jugendeinrichtungen des Ruhrbistums einen Advents-Gottesdienst. Die Zuschauerreihen sind leer, nur die Seelsorger, eine Band und Grillo-Dramaturg Florian Heller sind in dem knallbunt dekorierten Raum, an dessen Größe sich die Besucher zunächst gewöhnen müssen. Kaum jemand war schon einmal auf der Bühne des traditionsreichen Essener Schauspielhauses – geschweige denn in der Deko des Stücks, bei dem selbst Deutschlehrer Probleme mit dem Namen haben. Und dann auch noch Gottesdienst feiern? Verantwortlich für dieses Experiment ist Marlies Woltering, Referentin für Schulpastoral im Bistum Essen. Sie wollte mit den Lehrern und Jugendreferentin „Gottesdienst feiern an einem Ort mitten in der Welt“.

Kooperationen zwischen Kirche und Theater

Da gäbe es zwischen Kirche und Theater viele Beziehungen, sagt Heller. „Einer muss dran glauben“ ist die Überschrift der aktuellen Spielzeit des Essener Theaters, in der sich zahlreiche Kooperationen zwischen den Kirchen und dem Schauspiel ergeben haben. „Inszenierung spielt bei beiden eine große Rolle“, sagt der Dramaturg. Und ohne Gefühle seien weder Gottes- noch Schauspielhaus denkbar. Darüber haben jüngst auch die Seelsorger aller Essener Gemeinden und Pfarreien mit Vertretern des Grillo diskutiert – während heute die Schul- und Jugendseelsorger die praktische Verbindung von Bühne und Gebet testen.

Christliche Rock- und Pop-Musik

Bühnenreife Akzente setzt dabei die Musik. Eine Band aus dem Bistums-Projekt „Innovative Musiker – Pop-Kantoren“ spielt größtenteils unbekannte, moderne Kirchenlieder, die dank ihrer eingängigen Pop-Rock-Melodien und einer ausdrucksstarken Band bei der Gemeinde auf der Theater-Bühne gut ankommen. „Wir wollen mit diesem Projekt die christlichen Pop-, Rock- und Jazz-Kultur im Bistum verankern und mit dieser Musik gerade auch junge Leute erreichen“, wirbt Saxophonist Matthias Keidel bei den Schul- und Jugendseelsorgern für die Idee.

Mehr als 300 Texte im „Gebetomat“

Nach dem Gottesdienst zeigen Woltering und Heller den Seelsorgern ein weiteres Ergebnis der neuen Zusammenarbeit zwischen Kirchen und Theater: Passend zur Spielzeit rund ums Glauben steht im Erdgeschoss des Theaters ein „Gebetomat“. Die Kunstinstallation, die wie ein Passfotoautomat anmutet, lassen sich über einen Bildschirm mehr als 300 Gebete in 65 Sprachen aus allen großen Weltreligionen abrufen und anhören. Islamische Sufi-Gebet sind dort nur wenige Klicks von „Krishnas Spielen in der spirituellen Welt“, Didgeridoo-begleiteten Ahnen-Anrufungen australischer Ureinwohner oder Ansprachen aus Papst-Messen entfernt. Weil der Besucher im Gebetomaten nur das Wenigste versteht „wird die Zwiesprache zu einer Kunstsprache“, sagt heller. Gleichzeitig sei die Installation des Künstlers Oliver Sturm „ein Kommentar auf das Verschwinden spiritueller Räume“: Eigentlich für öffentliche Orte wie Bahnhöfe oder Rathäuser gebaut, biete der Gebetomat mit dem typisch grauen Foto-Vorhang auch eine gewisse Rückzugsmöglichkeit.

Auch dank finanzieller Unterstützung der katholischen und evangelischen Kirche steht der Gebetomat noch bis zum Sommer im Grillo-Theater. Dort kann er nicht nur vor und nach den Theater-Vorführungen ausprobiert werden, sondern auch während der Öffnungszeiten des neuen Cafés Hayati, täglich außer montags von 11 bis 19, sonntags ab 15 Uhr.

Schulpastoral

Marlies Woltering

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