Generalvikar Pfeffer wirbt in Duisburg dafür, Neues zu wagen

Klaus Pfeffer spricht beim Jahresempfang der Stadtkirche Duisburg über die Zukunft der Kirche im Ruhrgebiet. Er sieht die aktuelle Krise als Chance, dass „endlich mal gestritten wird, Gläubige mutiger werden und Frauen gegen Benachteiligungen aufstehen.“

Den Kopf aufrichten und nach vorne schauen, dafür hat der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer in seinem Vortrag beim Jahresempfang der katholischen Stadtkirche Duisburg geworben. Unter dem Titel „Die alte Zeit ist zu Ende - Neues sprießt bereits!“ sprach er vor zahlreichen Vertretern aus Kirche, Politik und Stadtgesellschaft in der gut besuchten Josefskirche am Dellplatz und griff dabei einige Leitgedanken des diesjährigen Bischofswortes von Franz-Josef Overbeck auf.

Pfeffer zeigte an verschiedenen Beispielen, wie sich in den vergangenen Jahrzehnten durch einen unumkehrbaren Kulturwandel viele bislang selbstverständliche Ordnungen verändert und aufgelöst hätten. Glaube sei in einer pluralen, freiheitlichen Gesellschaft eine Option neben anderen. Daher müsse jede Religion die Freiheit der Menschen respektieren. „Es gibt keinen Automatismus früherer Jahrzehnte, der Menschen in die Kirchen selbstverständlich hinein sozialisiert“, so der Generalvikar. „Darauf sind wir weder vorbereitet, noch haben wir dafür Rezepte.“ Der Generalvikar sah diese Entwicklung aber keinesfalls negativ. Die Freiheit der Menschen sei das höchste Gut, sie verlange aber von jeder Religion, mit der Kraft des Argumentes, des Dialogs und der Verständigung für sich zu werben.

Pfeffer machte keinen Hehl daraus, dass die Kirche gegenwärtig in einer großen Krise stecke. Aber genau darin sieht er auch ihre große Chance: „Endlich wird gestritten. Endlich werden Gläubige mutiger und haben keine Angst mehr, zu sagen, was sie denken. Wir fangen an, ernsthaft und persönlich darüber zu sprechen, woran wir glauben können und wollen. Endlich stehen Frauen auf und sagen, dass sie keine katholische Benachteiligung mehr wollen. Und: Endlich experimentieren wir und probieren wir aus.“

Religiöse Vielfalt in der Stadt Duisburg

Engagiert warb der Generalvikar für eine offene Debatte innerhalb der gesamten Gesellschaft zu Fragen von Werten, Religion und Glaube. Dabei verwies er auf gute Beispiele in Duisburg: Die Sorge um den Bestand der katholischen Schulen habe zu teilweise bewegenden Glaubensgesprächen geführt. „Es ist vielen Menschen eben nach wie vor nicht egal, wie wir in unserer Gesellschaft heute leben, worauf wir setzen, woran wir glauben“, so Pfeffer.

Im Blick auf die religiöse Vielfalt in der Stadt Duisburg lobte der Generalvikar auch die Initiativen zum Dialog zwischen Konfessionen und Religionen: „Glaubende Menschen müssen zusammenrücken“, bekräftigte er und warnte zugleich vor all den Kräften, die Verständigung verhindern wollen. Aktuell erwähnte er den massiven Druck, der aus extrem-konservativen kirchlichen Kreisen auf einige Veranstaltungen von Christen und Muslimen anlässlich des Fastenbrechens während des Ramadan ausgeübt wurde. „Lassen Sie sich nicht einschüchtern von denen, die auf Abschottung, Spaltung oder gar Feindschaft unter den Religionen setzten“, appellierte der Generalvikar unter großem Beifall.

In seinem Vortrag warb der Generalvikar dafür, mutig Neues auszuprobieren, ohne sich von konservativen oder teilweise fundamentalistischen Kräften ausbremsen zu lassen. Beispielhaft nannte er die Jugendkirche Tabgha, die vor vielen Jahren in Oberhausen als eines der ersten Projekte dieser Art an den Start gegangen ist und in nächster Zeit an den Duisburger Dellplatz wechseln wird. „Damals löste eine Jugendkirche noch viel Sorge und Skepsis aus – heute sind sie in Deutschland weit verbreitet“, meinte Pfeffer und zeigte sich für Duisburg optimistisch: „Tabgha passt wunderbar zum pulsierenden Viertel am Dellplatz in unmittelbarer Nähe zu mehreren Schulen!“

"Heiliger Geist, lass es krachen!"

Der Generalvikar ermutigte zum Ende seines Vortrags die Zuhörer dazu, offen wahrzunehmen und darüber zu sprechen, wo etwas Neues sprieße, das Hoffnung mache - und nicht den alten, vermeintlich besseren, Zeiten hinterher zu trauern. Theologisch schlug er damit die Brücke zum Pfingstfest am vergangenen Wochenende: Das Christentum habe mit Sturm und Feuer, mit Aufregung und Aufbruch angefangen. Und vor allem mit der Lust von begeisterten Menschen, etwas Neues zu wagen. Wenn sich Menschen von der Botschaft Jesu Christi im Herzen berühren lassen, bewirkten sie Großes. Ganz im Sinne eines Pfingstgebets, dass der Generalvikar zum Abschluss zitierte: „Heiliger Geist, lass es krachen!“

Die Ansprache des Generalvikars zum Download (PDF)

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