Essener Katholiken leiten ihre Gemeinde selbst

Auf der Margarethenhöhe ist statt eines Pastors oder einer Gemeindereferentin künftig ein ehrenamtliches Team für das Leben der Gemeinde Hl. Familie verantwortlich. In einem Gottesdienst mit Generalvikar Klaus Pfeffer wird das Gemeindeleitungs-Team am Samstag offiziell beauftragt.

Wenn Generalvikar Klaus Pfeffer am morgigen Samstagabend, 30. März, mit der Gemeinde Hl. Familie Gottesdienst feiert, beginnt für die Katholiken auf der Essener Margarethenhöhe eine neue Ära. Denn in der Messe wird das neue ehrenamtliche Gemeindeleitungs-Team offiziell für seine Arbeit beauftragt. 12 gewählte Männer und Frauen – plus weitere Hinzuberufenen, „die die Verantwortung für das Leben und die Selbstständigkeit der Gemeinde tragen“, sagt Britta Pöllen, eine von drei Sprecherinnen des Teams. Nach der Duisburger St. Barbara-Gemeinde ist Hl. Familie die zweite Gemeinde im Bistum Essen, die – jeweils unter dem Dach einer größeren Pfarrei – von Ehrenamtlichen geleitet werden, und nicht mehr von einem Priester oder einer Gemeindereferentin geleitet.

Ganz freiwillig war dieser Schritt in die Selbstständigkeit nicht, betonen die 57-jährige städtische Angestellte Pöllen und ihre beiden Sprecherkollegen, der 28-jährige Wirtschafts-Ingenier Robin Leisen und die 26-jährige Pädagogische Referentin Franziska Gärtner. Nach dem überraschenden Tod der engagierten und beliebten Gemeindereferentin Andrea Hurlebusch stand die Gemeinde im Oktober 2016 ohne Leitung da. Doch Hurlebusch und ihr Vorgänger auf der Margarethenhöhe, Pastor Rainer Streich, hatten so viele ehrenamtliche Strukturen geschaffen, dass die Gemeinde nicht in Lethargie verfiel, sondern das Angebot des Bistums annahm, sich künftig selbst zu organisieren. Gemeinsam mit dem Essener Jesuiten-Pater Lutz Müller begann ein mehrmonatiger Prozess, zu dem alle Gemeindemitglieder eingeladen waren. „Unsere Organisationsform stand dabei ganz am Ende“, betont Leisen. Vielmehr sollte zunächst einmal jeder selbst überlegen, in was für einer Form von Gemeinschaft er seinen christlichen Glauben leben möchte.

„Der Geist ist ein anderer geworden“

Nach und nach habe sich dann daraus auch die Organisation entwickelt – und nicht nur das, sagt Pöllen. Durch die mehrmonatige Arbeit „ist auch der Geist in unserer Gemeinde ein anderer geworden.“ Heute sei das Leben in Hl. Familie viel generationsübergreifender, „und die verschiedenen Angebote sind enger miteinander verzahnt“. Außerdem seien Respekt und Toleranz füreinander gewachsen, gerade zwischen den Menschen, die ihren Glauben eher traditionell leben – und denen, die auf neue Formen setzen.

Konkret steht das Leben in Hl. Familie nun auf sieben „Säulen“, wie das Leitungsteam die Arbeitskreise nennen, in denen die verschiedenen Angebote der Gemeinde entwickelt und koordiniert werden. Zu Themen wie „Liturgie und Kirchenmusik“, „Kinder, Jugendliche und junge Familien“, „Caritas und Soziales“, aber auch „Organisation“ oder „Finanzen und Immobilien“ treffen sich regelmäßig Freiwillige, die zu diesem Thema in der Gemeinde mitarbeiten möchten – die jeweiligen Sprecher der „Säulen“ sind Mitglieder des Gemeindeleitungs-Teams. „Es gibt bei uns viele Talente, aber nur den einen Geist“, zitiert Pöllen frei aus einem Brief des Apostels Paulus, „die Basis für unsere Arbeit ist die Botschaft Jesu“.

Zur Messe kommen Priester aus der Pfarrei St. Antonius

Wenn die Gemeinde Messe feiert oder Sakramente wie Taufe, Hochzeit oder Erstkommunion anstehen, kommt ein Priester aus der Pfarrei St. Antonius, zu der Hl. Familie gehört. Und wenn mal zu einem Termin kein Priester verfügbar ist, „dann feiern wir einen Wortgottesdienst“, erklärt Franziska Gärtner – kirchliche Personalnot ist auf der Margarethenhöhe kein Grund, aufs gemeinsame Beten zu verzichten. Pöllen betont: „Wir wollen hier keine Insellage, sondern in die Pfarrei hinein wirken.“ Wenn anderswo ein Küster fehle, könne Hl. Familie vielleicht aushelfen. Um dies und andere Themen abzustimmen, ist immer ein Vertreter der Ehrenamtlichen bei den Sitzungen des Pastoralteams der Pfarrei dabei. Sind diese Treffen im Regelfall den Priestern, Gemeinde-, Pastoralreferenten und Diakonen vorbehalten, haben die hauptamtlichen Seelsorger in St. Antonius aus Rücksicht auf die Ehrenamtlichen sogar ihren wöchentlichen Sitzungstermin von vor- auf nachmittags verlegt.

So blickt das ehrenamtliche Gemeindeleitungs-Team auf der Margarethenhöhe mit reichlich Tatkraft und Gottvertrauen in eine Zukunft, in der sich erst noch zeigen muss, dass der geplante Weg der Zusammenarbeit auch wie geplant funktioniert. „Das Modell ist auf dem Weg, das muss wachsen“, sagt Britta Pöllen – und will mit ihrem Team nun erst einmal feiern. Das Bier steht kalt, zwei Bands aus der Gemeinde haben sich angesagt – und neben einem Mitbringbuffet wurde auch ein Caterer engagiert. „Am Samstag sollen alle feiern, auch die, die sonst immer am Grill stehen“, erklärt Pöllen ein kulinarisches Detail des neuen Miteinanders in Hl. Familie.

Hintergrund: Ehrenamtliche Gemeindeleitungen im Bistum Essen

Nachdem die Duisburger Gemeinde St. Barbara seit 2014 von einem ehrenamtlichen Team geleitet wird, betreut das Bistum seit 2015 im Rahmen seines Zukunftsbild-Prozesses Gemeinden, die sich auch auf diesen Weg machen möchten. Neben Hl. Familie in Essen läuft derzeit auch in der Oberhausener Liebfrauen-Gemeinde ein entsprechender Prozess. Weitere Informationen und eine Handreichung zum Thema ehrenamtliche Gemeindeleitung gibt es auf der Internetseite des Zukunftsbild-Projekts,

Referent für ehrenamtliches Engagement

Roman Blaut

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