„Eine Schutzmacht für das gemeinsame Haus aller Menschen“

Gemeinsam mit Kardinal Reinhard Marx hat Bischof Franz-Josef Overbeck am Sonntag in München die Weihnachtsaktion des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat eröffnet. Im Fokus der Aktion steht in diesem Jahr das Schicksal der indigenen Völker in der Amazonas-Region.

„Am Amazonas entscheidet sich die Zukunft der Erde“

Mit einem feierlichen Gottesdienst hat das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat am Sonntag die bundesweite Weihnachtsaktion der katholischen Kirche unter dem Motto „Schützt unser gemeinsames Haus“ in der Münchner Frauenkirche eröffnet. „Die Güter der Erde gehören uns allen, müssen allen zugutekommen und für alle bewahrt werden. Daran halten wir fest, auch in einer Zeit, in der Abgrenzung und das Nationale stärker zu werden scheinen“, sagte Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, in seiner Predigt. Gemeinsam mit Kardinal Marx feierten Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck, „Amazonas-Bischof“ Erwin Kräutler, die beiden ecuadorianischen Bischöfe Rafael Cob Garcia von Puyo und Eduardo Castillo sowie Adveniat-Hauptgeschäftsführer Prälat Bernd Klaschka den Gottesdienst mit vielen weiteren Gästen aus Lateinamerika und Deutschland.

Papst nennt Amazonasgebiet „Schatz für die Menschheit“

Immer öfter höre er Vorwürfe und spüre er Bedenken, wenn die Kirche etwa an die Vision des Propheten Jesaja erinnere, dass „Schwerter zu Pflugscharen“ geschmiedet würden, sagte Erzbischof Marx. „Dann heißt es: 'Ihr unverbesserlichen Weltverbesserer, ihr naiven Träumer. Es gilt doch, zuerst an unsere eigenen Interessen zu denken, damit es unserer eigenen Nation, unserem eigenen Volk gut geht.'“ Der Kardinal rief die Gläubigen dazu auf, dem entgegenzutreten und ihre Aufmerksamkeit gerade auch in der beginnenden Adventszeit zu schärfen. „Wir wollen die Schutzmacht sein für das gemeinsame Haus aller Menschen, das ist unsere Sendung!“ Der Papst bezeichne das Amazonasgebiet, das in diesem Jahr im Mittelpunkt der Adveniat-Weihnachtsaktion steht, als Schatz für die Menschheit. Kardinal Marx dankte dem in Essen ansässigen Lateinamerika-Hilfswerk und allen, die mit ihrem Engagement und ihrer Arbeit deutlich machten, „was es bedeutet, die Vernetzung der gesamten Menschheit anzuschauen und weiterzuführen“.

Bischof Kräutler: „Es geht allein um Profit“

Bischof Kräutler von Altamira stellte mit drastischen Worten die Folgen des bisherigen Umgangs mit dem Amazonasgebiet dar: „Die irreversiblen Auswirkungen für die Bevölkerung und das gigantische Ökosystem interessieren nicht. Nationale und internationale Interessen diktieren die brutalste Vorgehensweise aller Zeiten mit verheerenden Folgen für Amazonien und die Welt.“ Nach mehr als fünfzig Jahren am brasilianischen Fluss Xingu steht für Kräutler fest: „Es geht allein um Profit, selbst wenn Menschen, ja ganze Völker und ihre Mitwelt auf der Strecke bleiben. Unendliche Soja-, Zuckerrohr- und Palmölplantagen zerstören den Lebensraum alteingesessener Familien und indigener Gemeinschaften und vertreiben sie in schmutzige Stadtviertel und Favelas.“ Nun gehe es um „den Schutz unseres gemeinsamen Hauses“, in dem alle Völker das Recht haben, in Würde ihr Leben, ihre Zukunft, ihre Entwicklung selbst zu bestimmen und zu gestalten. Kräutler zeigte sich überzeugt: „Am Amazonas entscheidet sich die Zukunft der Erde.“

Online-Petition für einen besseren Schutz der indigenen Völker

„Der kulturelle und spirituelle Tod der indigenen Völker läuft mit hoher Geschwindigkeit ab“, hatte Dom Roque Paloschi, Erzbischof des brasilianischen Amazonas-Bistums Porto Velho und Kräutlers Nachfolger als Präsident des Indigenen-Missionsrates Cimi (Conselho Indigenista Missionário) bereits vor einigen Tagen bei der Pressekonferenz zur Adveniat-Jahresaktion gewarnt. Die Rechte der Indigenen „werden in Brasilien systematisch verletzt. Anführer der indigenen Völker werden gezielt getötet“, berichtete der Geistliche. Paloschi rief dazu auf, die Online-Petition von Adveniat an die Bundesregierung zu unterzeichnen. Aufgrund der zunehmenden Verschmutzung des Trinkwassers durch illegalen Goldabbau seien mancherorts bereits mehr als 90 Prozent der Yanomami, die im brasilianisch-venezolanischen Grenzgebiet leben, mit Quecksilber kontaminiert.

Erfolge für das „rebellische Dorf“ Sarayaku

Ein Beispiel für den unermüdlichen Einsatz um die gemeinsame Zukunft ist das ecuadorianische Amazonas-Dorf Sarayaku. „Wir haben es geschafft, dass keine Erdölfirma auf unserem Gebiet bohren konnte. Deshalb werden wir als rebellisches Dorf bezeichnet“, berichtete Patricia Gualinga, eine Sprecherin des Dorfes, beim Eröffnungsgottesdienst in München. Sarayaku hatte sogar vor dem Interamerikanischen Gerichtshof mit seiner Klage gegen den Staat und die Erdölfirma Erfolg. „Wir kämpfen am Amazonas in der ersten Reihe. Dennoch ist das kein Kampf, der weit weg ist von euch in Deutschland, sondern ein globaler.“

Als Vermittlerin zwischen den Amazonas-Ländern und Deutschland will Caroline Auer wirken, die als Freiwillige des Erzbistums München für ein Jahr in Ecuador gelebt und mit Jugendlichen gearbeitet hatte: „An der einen oder anderen Stelle konnte ich eine kleine Unterstützung sein, doch viel mehr war es ein Miteinander, ein gegenseitiger Austausch und ein Brückenbauen zueinander.“

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