Ein himmlischer Helfer für alle Fälle

Blitz, Hagel, Überschwemmungen: Früher wurde in katholischen Kirchen während der Sommermonate am Ende jeder Messe der Wettersegen gebetet. Man setzte "Himmel und Hölle" in Bewegung, um Unwetter abzuwenden.

Im Volksglauben sollten Heilige für gutes Wetter sorgen

Blitz, Hagel, Überschwemmungen: Wenn die Wetterfrösche im Radio und Fernsehen neue Sommergewitter oder das Ende einer Hitzewelle ankündigen, bedeutet das für die meisten Deutschen oft nur ein wenig Urlaubsfrust. Noch bis vor Jahrzehnten waren die Menschen in Europa den Wetterkapriolen weitaus stärker ausgeliefert, weil die Ernte und damit die Ernährungssicherheit davon abhingen. Kein Wunder, dass sie Himmel und Hölle in Bewegung zu setzen versuchten, um Unwetter abzuwenden.

Zur Abwehr von Gewittern wurde vielerorts das Läuten eigens geweihter Glocken eingesetzt. Durch den Schall solle "Hagelschauer und Wetterunbill vertrieben, des Donners drohendes Rollen gemäßigt, der Stürme Brausen heilsam gezügelt und der Lüfte feindliche Gewalten darniedergehalten" werden, lauten alte Weihegebete. Dämonen-Aberglaube oder die Einschätzung, dass der Lärm die kritischen Luftmassen vertreibe, spielten dabei eine Rolle.

Auch Satan höchstpersönlich wurde bei Wetterunbill beschworen. "Im Namen unseres Herrn Jesus Christus beschwöre ich Dich, Satan, dass Du an diesem Ort weder durch Überschwemmung noch Hagel noch starken Sturm noch durch das Gemurmel der Zauberer schadest", so heißt es in einem klösterlichen Gebet aus dem zwölften Jahrhundert. Jahrhundertelang wurde in katholischen Kirchen während der Sommermonate am Ende jeder Messe der Wettersegen gebetet: "Vor Blitz, Hagel und Ungewitter - bewahre uns Herr Jesus Christ." Prozessionen durch Felder und Weinberge sind teilweise heute noch üblich.

Gebete um günstiges Wetter und eine gute Ernte gingen jedoch nicht nur an die allerhöchsten Adressen. Auch im katholischen Heiligenkalender gibt es beinahe für jedes Problem einen Ansprechpartner und Anwalt. Für den Sommer und die Erntezeit gilt das ganz besonders. Gegen Gewitter und Blitzschlag, so hat die Hobby-Forscherin Maria-Angela Schwab herausgefunden, helfen mindestens 14 Heilige. Als Fürsprecher gegen Hagel gelten mindestens zehn, bei zu großer Trockenheit sechs Patrone. Bei einer Mäuseplage können Gertrud, Servatius, Ulrich, Magnus, Koloman und Martin von Porres angerufen werden, und gegen die Stechfliegen- und Schnakenplage half die Fürsprache des heiligen Narzissus.

Die meisten Theologen sind sich einig, dass diese Art himmlischer Interessenvertretung dem heutigen Verständnis der Heiligen nicht mehr entspricht: Nicht die angebliche Wundertätigkeit, sondern der Vorbildcharakter steht heute im Zentrum ihrer Verehrung. Früher allerdings wurden menschliche Ohnmachtsgefühle angesichts von Schicksalsschlägen, Wetterunbilden und Katastrophen durch Anrufung der Nothelfer bekämpft.

Meist waren es Legenden oder besondere Umstände im Leben und Sterben, die den Heiligen zu einem Fürsprecher für gutes Wetter und stabile Lebensverhältnisse erkoren. Der heilige Columban beispielsweise besänftigte nach der Sage einen Sturm auf dem Meer, und auf sein Gebet hin zog nach einer Dürre erfrischender Regen über das Land. Den heiligen Medardus, einen der wichtigsten Wetterheiligen, soll ein Adler mit ausgebreiteten Flügeln vor Regen geschützt haben.

Manche Heilige werden auch deshalb mit dem Wetter in Verbindung gebracht, weil ihre Gedenktage mit astronomischen Ereignissen oder wichtigen Phasen im Jahreslauf zusammenfallen: So gilt der heilige Märtyerer Laurentius, dessen Gedenktag die katholische Kirche am 10. August feiert, im Bauernkalender als der erste "Herbstbruder", der den Beginn des Anbaus der herbstlichen Feldfrüchte ankündigt. Dem Laurentiustag wurde auch Bedeutung für die Wettervorhersage zugemessen. "Laurentius im Sonnenschein, / wird der Herbst gesegnet sein", heißt es. Und: "Kommt Sankt Lorenz mit heißem Hauch / füllt er dem Winzer Fass und Bauch." (Christoph Arens/KNA)

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