Digitalisierung ist Chance, nicht Bedrohung

Bischof Overbeck wirbt in der Diskussion mit BDI-Chef Grillo und Unternehmer Zimmermann für eine optimistische Sicht auf technische Innovationen

Für Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck hat eine weitere Digitalisierung der Wirtschaft und der Gesellschaft in erster Linie positive Aspekte. Die sich anbahnende noch stärkere Vernetzung in der Industrie, aber auch im Alltagsleben sei „keine Bedrohung“, betonte Overbeck am Dienstagabend in Mülheim. Es sei vielmehr „eine Herausforderung, positiv damit umzugehen – wohl wissend, dass die Digitalisierung das ganze Leben umkrempeln wird“, betonte der Bischof bei der Podiumsdiskussion „Verantwortung in einer neuen Ära – die Digitalisierung in der Wirtschaft“, zu der der Rat für Wirtschaft und Soziales im Bistum Essen in die Katholische Akademie „Die Wolfsburg“ geladen hatte. Overbeck rief dazu auf, „mit positivem Blick auf die Innovationspotenziale und Rücksicht auf die ethischen Hintergründe Gemeinschaft zu gestalten“.

Mit seiner durchweg optimistischen Sicht auf die als „Industrie 4.0“ diskutierten Szenarien von Maschinen, die eigenständig miteinander kommunizieren, selbstfahrenden Autos oder hilfreichen Robotern befand sich Overbeck auf dem Podium in guter Gesellschaft. Tenor des von „Wolfsburg“-Dozent Tobias Henrix interviewten Trios aus Bischof, dem Duisburger Unternehmer und Präsidenten des Bundesverbands der Industrie (BDI), Ulrich Grillo, und dem Berliner Unternehmer Lars Zimmermann: Die weitere Digitalisierung wird kommen, Deutschlands Industrie hat beste Möglichkeiten, ihre Chancen für ein effizienteres Wirtschaften zu nutzen – und wenn sie hierzulande nicht genutzt werden, dann woanders. Dort, wo die Innovationspotenziale der Digitalisierung nicht in den Blick genommen würden, „befinden sich die Verlierer dieser Entwicklung“, so Overbeck.

Nicht nur „Industrie 4.0“ – sondern „Gesellschaft 4.0“

Es gehe nicht nur um „Industrie 4.0“, sondern um „Gesellschaft 4.0“, machte auch der BDI-Präsident die erwarteten Umbrüche in einer noch vernetzteren Welt deutlich. Grillo warb um Diskussionen über ethische Fragen, die die Digitalisierung mit sich bringt – etwa über die Frage, nach welchen Kriterien ein selbstfahrendes Auto „entscheiden“ soll, wenn eine Kollision mit unterschiedlichen Fußgängern droht. Solche Debatten seien nötig, „bevor die Techniken da sind“, betonte Grillo – und sieht dabei die Christen in der Verantwortung: „Wie sollte eine solche Debatte gelingen ohne die deutlich vernehmbare Sprache der Kirche?“

Auch in einer digitalisierten Zukunft „werden die Werkshallen nicht menschenleer sein“, hatte der Sprecher des Rates für Wirtschaft und Soziales, der Arbeitsdirektor von ThyssenKrupp Steel Europe, Thomas Schlenz, schon zu Beginn der Diskussion den Blick auf die Arbeitnehmer gelenkt. Grillo betonte: „Die Gesellschaft muss insgesamt die Zukunft der Arbeit überdenken.“ Die Digitalisierung werde Deutschland insgesamt mehr Arbeitsplätze bringen, profitieren würden davon indes vor allem mittel- und hochqualifizierte Arbeitnehmer, betonte der BDI-Chef.

Mehr Arbeitsplätze – aber vor allem für gut Qualifizierte

Grillo und Zimmermann, der mit der von ihm geführten Hy! GmbH etablierte Konzerne mit innovativen Start-Ups rund um den Globus bei Digitalisierungs-Themen in Verbindung bringt, waren sich einig, dass Digitalisierung für viele Arbeitnehmer vor allem eine Flexibilisierung der Arbeit bedeuten könne. Bei unkonventionellen, arbeitnehmerfreundlichen Arbeitszeit-Regelungen etwa würden große Unternehmen von kleinen Start-Ups viel lernen, so Zimmermann. Probleme erwartet Bischof Overbeck vor allem für „all jene, die in den vergangenen Jahren zu den Bildungsverlierern gehört haben“. Trotz aller Technisierung sieht er in Zukunft gerade im Sozial- und Bildungsbereich Jobchancen für potentielle Verlierer der Digitalisierung.

„Wir wandeln uns von einer Angebots- zu einer Nachfragegesellschaft“, sagte Overbeck. Darauf müsse auch die Kirche reagieren. „Wir stehen da und beschweren uns, dass die Menschen unser Angebot nicht annehmen“, so der Bischof. „Wenn wir darauf schauen würden, was die Menschen bei uns nachfragen, könnten wir unser ,Produkt‘ weiter anbieten, aber unter anderen Logiken.“ So wie Unternehmen müsse auch die Kirche „mit gutem Mut Neues wagen“.

Mindestens einer Zuhörerin fehlte es am Ende des Abends indes an kritischen Anmerkungen, etwa angesichts der vermeintlichen Übermacht von Konzernen wie Microsoft, Apple, Google oder Facebook, die nur ihre eigenen Geschäftsinteressen im Blick hätten. Die Unternehmer auf dem Podium relativierten diese Sichtweise: „Die großen US-Konzerne drücken uns die Digitalisierung nicht auf“, betonte Grillo. Und Zimmermann ergänzte: „Die sind im Moment einfach die besten.“ In China stünden indes Konzerne mit dem Potenzial bereit, auch diesen Giganten Konkurrenz zu machen.

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