Die „Integrationsmaschine Arbeit“ fördert Potential im Ruhrgebiet

„Die Wolfsburg“ diskutierte über Zuwanderer-Startups, überwundene Probleme, aber auch verpasste Chancen für Migranten in der Region.

Migranten schaffen Arbeitsplätze, sie gründen Geschäfte, Pflege-dienste, Startups.

Im Ruhrgebiet gibt es effektive Unterstützung für junge Gründer.

Trotz der Erfolgsgeschichten: Die Probleme nehmen ab, die Kon-flikte nehmen zu.

Lieber auf die Erfolgsgeschichten schauen, als dem Zusammenleben zwischen deutschstämmiger und zugewanderter Bevölkerung im Ruhrgebiet zu misstrauen: Unter diesem Blickwinkel rückten „Die Wolfsburg“ in Mülheim und der Initiativkreis Ruhr am Mittwoch, 18. April, das Potential der Migration für die Region in den Mittelpunkt eines Akademieabends.

Dass Migranten heute besser gebildet sind und seltener arbeitslos, dass man aber natürlich die Verlierer der vergangenen Jahrzehnte mitnehmen müsse in die „Integrationsmaschine Arbeit“, wie es Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck formulierte, darüber war sich die Runde unter der Moderation von Akademiedirektor Dr. Michael Schlagheck einig. Suat Yilmaz, Talentscout an der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen, verwies auf die eigene Biographie: „In meinem anatolischen Dorf sind die Menschen noch an Blinddarmentzündung gestorben. Heute stehe ich vor Ihnen als studierter Sozialwissenschaftler. Da muss dieses Land schon einiges richtig gemacht haben.“

Die Probleme nehmen ab, aber die Konflikte nehmen zu“, urteilte Jadranka Thiel aus dem Blickwinkel des NRW-Integrationsministeriums. Grund dafür sei, dass Zuwanderer heute viel selbstverständlicher als früher Teilhabe einforderten, was bei der ansässigen Bevölkerung auf Abwehr und Abgrenzung stoße. Stattdessen regte Thiel an, lieber das Potential dieser Leute für die Region zu sehen, die mehrsprachig seien, sich in unterschiedlichen Kulturkreisen selbstverständlich bewegten und in der Regel gewohnt seien, Schwierigkeiten auf dem Weg nach oben zu bewältigen.

Gelungene Beispiele gibt es allerorten: Akademiedirektor Dr. Michael Schlagheck verwies auf die hohe Selbständigen-Quote der Migranten von neun Prozent, die ebenso hoch sei wie die der Deutschstämmigen. Suat Yilmaz regte an, diese positiven Beispiele besser zu vermarkten, „anstatt immer nur die Troublemaker zu sehen“. Die Gründerallianz Ruhr, an der unter anderem der Initiativkreis Ruhr und die RAG-Stiftung beteiligt sind, fördert die Startup-Kultur junger Leute. „Wir müssen junge Migranten nicht eigens darauf ansprechen, sich an diesem effektiven Programm zu beteiligen. Sie sind hochmotiviert und kommen von selbst zu uns“, sagte Bärbel Bergerhoff-Wodopia, Mitglied des Vorstands der RAG-Stiftung und Bildungsbeauftragte des Initiativkreises Ruhr. Aktuell habe die Stiftung einen Betrag von insgesamt 16,5 Millionen Euro für Bildung, Wissenschaft und Kultur bereitgestellt.

Dennoch gibt es Nachholbedarf an Integration, so etwa an den Schulen im nördlichen Ruhrgebiet, die schon schwierige Lernbedingungen hatten, bevor sie zusätzlich eine große Zahl an geflüchteten Kindern aufgenommen haben, oder angesichts der hohen Jugendarbeitslosigkeit in der Region. Um kulturell auf Augenhöhe zu reden, regte Yilmaz an: „Wir reden zu viel mit Funktionärs-Männern. Wir müssen aber an die Mütter ran, denn die transportieren die Kultur – auch die rückständige.“ Das sei auch Aufgabe der Christen, so Bischof Overbeck, „so integrierend zu wirken, dass Mauern im Blick auf Privilegien, Mobilität und Freiheit abgebaut werden können“.

Einen kleinen Erfolg konnte der Abend in der „Wolfsburg“ am Ende bereits verzeichnen: Eine junge Syrerin aus dem Publikum, die derzeit auf der Suche nach einem kaufmännischen Ausbildungsplatz ist, fand noch im Auditorium Kontakt zu Suat Yilmaz‘ Talentscouts.

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