von Cordula Spangenberg

Die Freude am Christsein bewahren

Unvermindertes Interesse der Menschen an der Umtragung der Gebeine des Heiligen Liudger. Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker feierte in diesem Jahr das Ludgerus-Fest in Essen-Werden mit.

800 bis 1.000 Menschen, grob geschätzt, bringt das Ludgerus-Fest in Essen-Werden regelmäßig auf die Beine. Diese Menschen, die selbstverständlich mit den Errungenschaften des 3. Jahrtausends leben – ein Mobiltelefon in der Tasche und eine Gleitsichtbrille auf der Nase haben, digitale Medien nutzen und am Abend das TV-Duell Merkel gegen Schulz sehen werden – so beeindruckend viele Menschen fühlen sich verpflichtet, ein Gelübde aus dem 12. Jahrhundert zur Bewahrung vor einer Hungersnot zu erfüllen. Die Feier nimmt den ganzen Sonntagvormittag in Anspruch: Erst wird ein festlicher Gottesdienst gefeiert, anschließend wird der Schrein mit den sterblichen Überresten des vor über 1200 Jahren gestorbenen heiligen Bischofs Liudger geschultert und in einem langen Zug zu Fuß durch Werden getragen.

Dass die meisten der Mitfeiernden zum Kern der katholischen Kirche gehören, ist an ihrem kräftigen, sicheren Gesang auch der lateinischen Kirchenlieder zu erkennen. Der überwiegende Teil ist freilich bereits in der zweiten Lebenshälfte, hier wie anderswo in der Kirche fehlen die jungen Menschen – ein Thema, das der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker in seiner Predigt aufgriff. In der vollbesetzten Werdener Basilika stellte Becker, der in diesem Jahr von Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck zum Ludgerus-Fest eingeladen worden, die bange Frage vieler katholischer Zeitgenossen, wie es mit der Kirche weitergehen werde angesichts der mageren Beteiligung junger Menschen an den Gottesdiensten, Pfarreien und kirchlichen Diensten. Als Beispiel nannte der Erzbischof das erfolglose Bemühen um ganze Gruppen Jugendlicher, die zunächst das Sakrament der Firmung empfingen, um direkt danach ihren Kontakt zur Kirche abzubrechen.

Solche negativen Erfahrungen drängten schnell in den Vordergrund, wenn man sich um die Zukunft der Kirche sorge, sagte Becker. Er plädierte jedoch dafür, nicht bei den Ängsten stehen zu bleiben, um sich nicht die Freude am Christsein rauben zu lassen. Wirksamer sei es, sich regelmäßige Auszeiten der Besinnung und Konzentration auf die christliche Botschaft zunehmen, um selbst mehr Lebendigkeit im Glauben auszustrahlen. „Etwas mehr Freude zu zeigen, würde unserer Glaubwürdigkeit als Christen gut anstehen“, sagte Becker. Das Mitgehen bei der Liudger-Prozession sei dabei ein nicht zu unterschätzender, positiver Beitrag.

Ruhrbischof Overbeck, der als „Adveniat-Bischof“ auch für die Lateinamerika-Hilfen der deutschen Katholiken zuständig ist, schlug am Ende des Gottesdienstes den Bogen vom Friesen- und Sachsen-Missionar Liudger zu einem Verdienst kirchlichen Engagements in heutiger Zeit: In Kolumbien, das sich gerade auf den Besuch von Papst Franziskus vorbereitet, geschehe gerade „ein Wunder“, nämlich die Beendigung eines 60 Jahre dauernden Bürgerkrieges. An diesem Friedensschluss, so Overbeck, sei auch die Kirche maßgeblich beteiligt gewesen.

Daran, dass Christen die Dinge verändern können, wenn in ihnen das Feuer von Glauben, Hoffnung und Liebe brenne, erinnerte auch der evangelische Pfarrer Oliver Ruoß, vor dessen Kirche in Werden die Liudger-Prozession traditionell zu einer Statio anhielt. Besonders eindrücklich sei das im vergangenen Jahr gewesen, sagte Ruoß augenzwinkernd und erinnerte daran, wie in der Ludgerus-Basilika im Moment der Liedzeile „Zünde das Feuer deiner Liebe an“ der Feueralarm losgegangen sei.

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