Deutsche Bischöfe öffnen die Türen für Wiederverheiratete

Weit gefasste Auslegung des Papstschreibens „Amoris laetitia“: „Entscheidung zu Sakramentenempfang gilt es zu respektieren“

Im Streit um den Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene in der katholischen Kirche sind die deutschen Bischöfe für eine größere Öffnung in begründeten Einzelfällen. "Eine Entscheidung für den Sakramentenempfang gilt es zu respektieren", heißt es in dem mit Spannung erwarteten Bischofswort zum Papstschreiben "Amoris laetitia", das die Deutsche Bischofskonferenz am Mittwoch veröffentlicht hat. Im internationalen Vergleich liefern die deutschen Bischöfe damit eine relativ weit gefasste Auslegung des heftig diskutierten Papstschreibens.

Allerdings betonen sie auch, dass es keinen "Automatismus in Richtung einer generellen Zulassung aller zivilrechtlich wiederverheiratet Geschiedenen zu den Sakramenten" gebe. Der Gewissensentscheidung müssten eine ernsthafte Prüfung und ein von einem Seelsorger begleiteter geistlicher Prozess vorausgehen. An dessen Ende stehe "nicht in jedem Fall der Empfang der Sakramente von Buße und Eucharistie".

Bisher sind Katholiken, die nach einer Scheidung erneut zivil heiraten, vom Empfang der Kommunion generell ausgeschlossen, sofern sie nicht enthaltsam leben. Hintergrund ist die auf das Neue Testament zurückgehende kirchliche Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe.

Seit der Veröffentlichung von "Amoris laetitia" im April 2016 gibt es heftige Debatten über den Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene. Konservative Katholiken meinen, der Papst setze mit einer Öffnung nicht nur die Unauflöslichkeit der Ehe aufs Spiel, sondern letztlich die gesamte Lehre und Einheit der Kirche. Für besondere Aufmerksamkeit hat hier ein kritischer Brief von vier prominenten Kardinälen gesorgt. Dazu gehören auch die Deutschen Joachim Meisner und Walter Brandmüller.

Franziskus selbst hat bisher nicht direkt auf Forderungen reagiert, sein Schreiben zu präzisieren und eine eindeutige und einheitliche Regelung festzuschreiben. Mehrfach betonte er, es sei wichtig, Einzelfälle genau zu unterscheiden. Auch deutete er an, er wolle nationalen Bischofskonferenzen mehr Freiräume lassen, um Regelungen zu finden, die die jeweilige Situation in ihren Ländern berücksichtigen. Seitdem hat es in verschiedenen Ländern unterschiedlich weit gefasste Auslegungen gegeben.

Die deutschen Bischöfe betonen, die Unauflöslichkeit der Ehe gehöre "zum unverzichtbaren Glaubensgut der Kirche". Zugleich aber fordere der Papst den differenzierenden Blick auf die jeweiligen Lebenssituationen. Niemand dürfe "auf ewig verurteilt werden". Die Betroffenen sollten erfahren, "dass ihre Kirche sie nicht fallen lässt".

Das Papstschreiben bleibe daher nicht beim irreversiblen Ausschluss von den Sakramenten stehen, betonen die Bischöfe. Differenzierte Lösungen müssten "dem Einzelfall gerecht werden und dann zum Tragen kommen, wenn die Ehe nicht annulliert werden kann". Zu vermeiden seien sowohl eine zu laxe als auch eine zu starre Handhabung.

Die deutschen Bischöfe kündigen außerdem neue Wege zur intensiveren Ehevorbereitung und Ehebegleitung an. Dabei wollen sie Mut machen zur christlichen Ehe, Familien als "Lernorte des Glaubens" stärken sowie Ehepaare und Familien auch in schwierigen Situationen begleiten.

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