„Der Priesterberuf braucht Männer, die die Freiheit lieben“

Bischof Overbeck berichtete 60 Oberstufenschülern aus seinem Leben. Initiativkreis Ruhr bringt im „Dialog mit der Jugend“ Jugendliche mit Führungskräften zusammen.

Vom bischöflichen Freizeitprogramm über den Zölibat und die Militärseelsorge bis hin zur Flüchtlingskrise – mit einem vielfältigen Fragenkatalog sorgten jetzt rund 60 Oberstufenschüler aus Essen, Mülheim und Wattenscheid bei Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck für einen bunten „Dialog mit der Jugend“. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe des Initiativkreises Ruhr waren die Teenager zu Gast im Essener Generalvikariat, um nach einer Führung durch den Dom und die Domschatzkammer Overbeck alles zu fragen, was sie einen Bischof schon immer einmal fragen wollten. Dabei kam Privates ebenso zur Sprache wie Politisches.

Was denn wäre, „wenn Sie jetzt die Frau Ihres Lebens träfen – und es wäre nicht Maria – was würden Sie sagen?“ fragte eine Schülerin in Anspielung auf den Zölibat und erntete dafür nicht nur einen schmunzelnden Blick des Bischofs, sondern auch Heiterkeit auf Seiten der Mitschüler und Lehrer. „Ich war noch nie in einer Situation, dass ich die Frau getroffen hätte, wegen der ich dieses Leben hier aufgeben würde“, antwortete der Bischof. Er empfinde es als Geschenk „für das ich dankbar bin“, dass er mit seiner bisherigen Lebenswahl recht behalten habe, sagte er angesichts vieler gescheiter Lebensentwürfe – egal ob von Priestern oder Eheleuten. Mit Blick auf die Priester sieht er dabei die Ehelosigkeit nicht als alleinigen Grund dafür, dass hierzulande immer weniger Männer diesen Weg einschlagen: „Der Priesterberuf braucht Männer, die die Freiheit lieben“, so Overbeck. Zudem falle es „den Menschen zunehmend schwer, sich allein auf den Glauben zu verlassen“. In seiner Generation „wären noch mehr Männer Priester geworden, wenn sie hätten heiraten dürfen“, vermutet Overbeck, „aber es wären nicht die großen Zahlen.“ Heute sei diese Frage aus seiner Sicht viel weniger bedeutsam als zur Zeit seiner Priesterausbildung. In der gesellschaftlichen Debatte über die Rollen von Frauen und Männern würde in der Kirche „künftig die Frage viel bedeutsamer, warum wie keine Frauen zu Priestern weihen“, erwartet Overbeck.

Für Erstaunen bei den Jugendlichen sorgte Overbeck mit seiner Antwort auf die Frage nach seiner Freizeit: In seiner 80- bis 90-Stunden-Woche habe jeder Tag eine andere Struktur, berichtete er den Schülern. Sein Beruf habe „ganz viel mit Gesprächen zu tun“ – umfasse aber täglich auch ein bis drei Stunden Schreibtischarbeit „mit Briefen, E-Mails und Akten“. Zum Ausgleich bemühe er sich um eine maximal 20-minütige „Siesta“ – „das habe ich mir beim Studium in Rom angewöhnt“. Zudem gehe er dreimal in der Woche Joggen. „Etwa einmal im Monat gehe ich ins Konzert oder ins Kino – aber diese Termine muss ich, wie alles andere, etwa ein Jahr im Voraus in meinem Kalender einplanen.“ Ein Programm, wie es wohl auch andere Führungskräfte und Konzernlenker absolvieren, die der Initiativkreis Ruhr im Rahmen des „Dialogs mit der Jugend“ zusammenbringt – anders als bei den weltlichen Managern stehen bei Bischof Overbeck aber auch noch zahlreiche Gottesdienste im Terminplan.

Gefragt nach den vielen derzeit laufenden Veränderungsprozessen im Bistum Essen sagte Overbeck den Jugendlichen: „Wir müssen in der Kirche in den Blick nehmen, was euch interessiert.“ Die katholische Kirche müsse sich neu erfinden, wie eine Firma, die sonst pleite geht. „Nur aus Gewohnheit wird bei uns auf Dauer niemand mehr Christ bleiben“. Doch damit mache man sich „keine Freude bei denen, die gerne alles so beibehalten wollen, wie es ist“. Er ermunterte die Jugendlichen, sich vor Ort in die aktuellen Diskussionen über die Umgestaltung der Pfarreien einzumischen – und sich zum Beispiel einmal Gedanken darüber zu machen, welche Kirchenmusik sie denn ansprechen würde. Overbeck berichtete von zwei „Pop-Kantoren“, die das Bistum derzeit einstellt, und die jüngere Musik in die Kirchen bringen sollen.

Pressestelle Bistum Essen

Zwölfling 16
45127 Essen

0201/2204-266

0201/2204-507

presse@bistum-essen.de

Presse