von Cordula Spangenberg

Der Motor der Menschlichkeit

Beim „Tag des geweihten Lebens“ im Bistum Essen standen die Missionarinnen der Nächstenliebe im Mittelpunkt

Arbeit und Spiritualität der Schwestern von Mutter Teresa stand im Mittelpunkt des diesjährigen Treffens der Ordensleute im Bistum Essen, das jeweils am 1. Februar in der Aula des Bischöflichen Generalvikariates am Essener Dom stattfindet. Der Orden „Missionaries of Charity“, zu Deutsch „Missionarinnen der Nächstenliebe“, hatte sich im Jahr 1979 in Essen als erstem Standort in Deutschland niedergelassen und betreibt seit vielen Jahren an der Elisenstraße am Rande der Innenstadt eine Suppenküche. Stellvertretend für ihre Mitschwestern berichtete Schwester Lumina den gut 100 anwesenden Schwestern, Brüdern und Patres, wie ihr Orden, der in 135 Ländern der Welt vertreten ist, an jedem Standort nach den „Ärmsten der Armen“ sucht, um ihnen das Gefühl zu geben, angenommen zu sein.

Natürlich könne man die Armut im indischen Kalkutta, wo die im September 2016 heiliggesprochene Mutter Teresa wirkte, nicht gleichsetzen mit der Armut, die den Essener Schwestern in ihrer Suppenküche begegne. „Aber auch in den Altenheimen, Gefängnissen und auf den Straßen von Essen gibt es Menschen, die in großer innerer Armut leben, weil sie ihre Identität und den Kontakt zu ihren Familien verloren haben und sich ganz allein fühlen“, beschrieb Schwester Lumina ihre Erfahrungen. Zwischen 20 und – am Monatsende - 80 Besucher kommen täglich in die Suppenküche. „Viele von ihnen brauchen Zeit und viele Besuche, bis sie Nähe und ein Gespräch zulassen können.“ Die Erfahrung der Schwestern: „Der Ärmste ist der, der Gott nicht kennt.“ Denn selbst Menschen, die in Kalkutta in der Gosse lebten, erhielten durch ihren Glauben eine innere Stärke, die einem Menschen ohne religiöse Perspektive im Leben fehle.

Die Ordensleute in der Aula hörten mit großem Interesse zu. Jeder von ihnen hat den Glauben an Jesus Christus zum wichtigsten Motor seines Lebens gemacht und Gebet, Gottesdienst und Stille fest in seinem Alltag eingeplant. Die meisten leisten soziale Arbeit oder pflegen kranke und alte Menschen. Manche leben kontemplativ, haben also das Gebet in den Mittelpunkt ihres Tages gestellt. In vertrauter, lockerer Atmosphäre besprach man nach Schwester Luminas Bericht in großer Runde die geistlichen Grundlagen, die für ein solches Leben notwendig sind. Alle Schwestern von Mutter Teresa – fast 5000 sind es weltweit – halten zum Beispiel im Gebet Verbindung zu einem einzelnen Kranken, „der seine Leiden für den Ordensmenschen aufopfert“, erklärte Schwester Lumina, also seine Krankheit aus seinem Glauben heraus ertrage. Die Personendatei für diese „Apostolat“ genannte Verbindung wird von einer 96-jährigen Schwester in Essen für sämtliche „Missionarinnen der Nächstenliebe“ weltweit gepflegt.

Selbstverständlich war es für die Essener Schwestern auch, im vergangenen Herbst daheim in der Suppenküche mit ihren Gästen vor dem Fernseher die Heiligsprechung Mutter Teresas zu feiern, anstatt nach Rom zu reisen. Dass Papst Franziskus mit ihnen ganz auf einer Linie ist, zeigte er dadurch, dass er allen Schwestern und den Tausenden „Ärmsten der Armen“ auf dem Petersplatz nach der Heiligsprechung eine Pizza ausgab. 

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