Den Horizont erweitern im Freiwilligen Sozialen Jahr

Freunde fürs Leben fanden sich vor einem halben Jahrhundert beim „Jahr für die Kirche“

Wenn sich in diesen Wochen junge Schulabgänger für ein Freiwilliges Soziales Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst entscheiden, um eigene Fähigkeiten auszuprobieren, Neues zu erleben und den Horizont zu erweitern, stellen sie erfahrungsgemäß wichtige Weichen für ihren weiteren Lebensweg. Ganz ähnlich erging es vor 50 Jahren den 25 Jugendlichen, die sich damals zum Vorgänger des Freiwilligen Sozialen Jahres – zum „Jahr für die Kirche“ im Bistum Essen – angemeldet hatten. Elf Mitglieder dieser Gruppe trafen sich am vergangenen Wochenende im Kardinal-Hengsbach-Haus in Essen-Werden, um dieses besondere Jubiläum gemeinsam zu begehen. Denn die Runde hat sich über fünf Jahrzehnte nicht aus den Augen verloren.

Motor der Gruppe, der seit einem halben Jahrhundert alljährlich zum Treffen einlädt, ist Franz-Jürgen Sinnemann, heute 71 Jahre alt. Er selbst war sich damals als 19-jähriger Industriekaufmann nicht sicher gewesen über seine Berufsentscheidung und ließ sich deshalb von seinem Pfarrvikar Norbert Essink in Hattingen-Bredenscheid, der zugleich Rektor des Jugendhauses„St. Altfrid“ in Essen-Kettwig war, gern zu einem „Jahr für die Kirche“ motivieren. Als Hilfspfleger wurde er im Elisabeth-Krankenhaus in Essen eingesetzt. „Da ging es sofort voll zur Sache“, erinnert sich Sinnemann an die Verantwortung, die er schnell tragen musste, und dass er eine tolle Zeit dort verbracht habe – und das, obwohl er statt seines vorherigen Gehaltes von 310 Mark lediglich mit 50 Mark monatlich entlohnt wurde bei freier Kost und Logis im Wohnheim. Sinnemann hängte trotzdem sogar noch ein zweites „Jahr für die Kirche“ an, kehrte dann aber in seinen erlernten Beruf zurück.

Barbara Kühne (67) aus Bochum und Anna Albers (69) aus Halver hingegen krempelten nach ihrem „Jahr für die Kirche“ ihr ganzes Leben um. Für Barbara Kühne war mit 16 Jahren nach der Lehre klar: Verkäuferin für Lederwaren, „das war nichts für mich“. Anna Albers hingegen wollte damals die Zeit bis zur Ausbildung in ihrem Traumberuf als Kindergärtnerin überbrücken. Nach ihren Einsätzen in zwei Altenheimen wurde Kühne überzeugte Krankenschwester, Albers änderte ihre Pläne, mit Kindern zu arbeiten, und ging zur Altenpflegeschule.

Eng zusammengeschmiedet wurde die Gruppe der 25 Engagierten im gemeinsamen sechswöchigen Einführungskurs durch Rektor Norbert Essink im Jugendhaus St. Altfrid, in dem die Jugendlichen auf die Pflegetätigkeit vorbereitet wurden. „Die Idee war, Gutes zu tun und dadurch einen Dienst in der Kirche zu leisten“, erklärt Sinnemann. Alte Menschen im Rollstuhl zum Gottesdienst zu bringen oder die Krankenkommunion für Bettlägerige vorzubereiten, gehörte auch dazu. Dass die Jugendlichen im „Jahr für die Kirche“ eine sinnvolle Sache sahen, während andere Altersgenossen die Flower-Power-Zeit der Hippies genossen, lag sicherlich an der Prägung ihrer Elternhäuser, darüber sind sich Sinnemann, Albers und Kühne einig. Bereut hat es keiner von ihnen, dass die „Stellschrauben für das weitere Leben“ in diesem Sozialen Jahr justiert wurden. Denn nebenbei haben sie noch Freunde fürs Leben gefunden.

Wer heute ein Freiwilliges Soziales Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst im Bistum Essen absolvieren möchte, kann sich online hier informieren: info@freiwilligendienste-essen.de. Insgesamt halten die Freiwilligendienste im Bistum Essen 380 Plätze für ein FSJ oder einen BFD bereit. Das Bewerbungsverfahren läuft bereits, aktuell gibt es aber in beiden Diensten noch freie Plätze. Die Einsatzmöglichkeiten reichen von der Behinderten- und Altenhilfe über Krankenhäuser und Sozialstationen, offene Ganztagsgrundschulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen, Kirchengemeinden bis hin zu Suchthilfeeinrichtungen und Institutionen der Flüchtlingshilfe.

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