Dauerzoff oder Grabesruh‘ in deutschen Pfarreien?

Katholikentags-Podium fordert mehr Leitung für Laienchristen und regt einen friedlicheren Umgang in der Kirche an

Vielleicht die wichtigste Botschaft des Katholikentags-Podium „Zukunft der Kirche vor Ort – zwischen Dauerzoff und Grabesruh“ am Himmelfahrtstag war, dass so viele Interessierte ins Fürstenberghaus strömten, dass der große Hörsaal F1 die Massen nicht fassen konnte und Trauben von Menschen vor den Türen ausschließen musste. Hohes Interesse fand das Thema rund um Großraumpfarreien und Dorfkirchen in erster Linie bei „Kernkatholiken“, die sich mit dem Pfarreileben auskennen – das war aus den Statements auf dem Podium wie aus den Publikumsfragen herauszuhören. Die von der Essener Autorin Christina Brudereck moderierte Runde war sich weitgehend einig darüber, dass katholische Priester Leitung und damit Macht abgeben müssen, damit Laienchristen Leitung übernehmen können. Unbeantwortet stand allerdings die Frage im Raum, wie man Menschen für das Christsein begeistern kann, die auch ohne Kirche glücklich sind: „Ich bezahle schon Kirchensteuer – jetzt soll ich auch noch mitmachen?“

Die deutschen Bistümer beschäftigen sich mehr oder weniger drängend mit diesen Zukunftsfragen. Während das Bistum Trier aktuell vor der Aufgabe steht, seine 887 Pfarreien zusammenzufassen, und in Osnabrück ab Herbst 2018 Pastoralreferenten Leitungsfunktionen übernehmen, konnte der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer vom bereits fortgeschrittenen Zukunftsbildprozess im Ruhrbistum berichten. Schon 2004 seien Veränderungen durch einen damals drohenden Konkurs des Bistums zwingend gewesen, so Pfeffer. Freilich stoße jedes Vorgehen auf Kritik bei den Gläubigen, ob nun der Bischof damals Sparmaßnahmen verordnete, oder ob man heute die Pfarreien selbst entscheiden lasse.

Dass innerhalb der Kirche um Zukunftsfragen gerungen und mit harten Bandagen gestritten wird, dazu konnten im münsterschen Fürstenberghaus viele Geschichten beitragen werden: Sei es, dass kirchlich engagierten, zugleich aber kirchenkritischen Jugendlichen das Katholisch-Sein abgesprochen werde, wie BDKJ-Bundesvorsitzender Thomas Andonie kritisierte; dass bei Einsparprozessen vermeintliche „Sieger- und Verlierer“-Gemeinden unversöhnlich voreinander ständen; oder dass die deutschen Bischöfe ihren Streit nicht untereinander, sondern in Rom austrügen, wie Generalvikar Pfeffer bemängelte.

Jens Ehebrecht-Zumsande, Supervisor im Erzbistum Hamburg, regte dazu an, dem Geist Gottes mehr zuzutrauen, denn der sei ein echter „Tausendsassa“. Gute Entscheider der Kirche seien Unterscheider: „Was kommt vom Geist Gottes, was nicht?“ Kriterien dafür finde man im Evangelium. Oder, wie Klaus Pfeffer anregte: In heißen Debatten mal innehalten und ein paar Minuten nachdenken. Pfeffer ist sicher: „Es wird ein Impuls kommen.“

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