Caritas fordert Digital-Pakt für die Sozialwirtschaft

Experten aus Politik, Wissenschaft und Kirche diskutierten beim Ruhrgebietstag der NRW-Caritasverbände über digitale Chancen für arme Familien und Langzeitarbeitslose

Auch arme Menschen müssen sich souverän im Internet bewegen können

Gefordert ist ein Digital-Pakt für die Sozialwirtschaft im Ruhrgebiet

Ethische Fragen rund um die Digitalisierung müssen im Blick behalten werden

Möglichst vielen Menschen in NRW zu ermöglichen, sich souverän im Internet zu bewegen und die Chancen der Digitalisierung für ihr Leben zu nutzen, ist nach den Worten von NRW-Staatssekretär Nathanael Liminski  ein drängendes Ziel der Landespolitik. Angesichts der ernüchternd kleinen Zahl in Armut lebender Menschen, die bislang von Digitalkonzepten erreicht worden seien, warnt Liminski davor, soziale Unterschiede aufgrund fehlender Medienkompetenz zu zementieren. Gerade das Ruhrgebiet als größter Ballungsraum Deutschlands sei hier sozial „leicht entflammbar“. 

Beim Ruhrgebietstag, den die NRW-Caritas am Freitag, 31. August 2018, in der katholischen Akademie „Die Wolfsburg“ in Mülheim an der Ruhr ausgerichtet hat, wies Liminski der Caritas eine besondere Kompetenz zu, die Menschen im Blick zu behalten angesichts der unüberschaubaren Veränderungen, die die Digitalisierung der Gesellschaft mit sich bringe. Die Essener Diözesan-Caritasdirektorin Sabine Depew forderte expliziteinen Digital-Pakt für die Sozialwirtschaft im Ruhrgebiet, um neben der produzierenden Wirtschaft auch in Kitas, Altenheimen, in den Stadtteilen und bei der Arbeit mit bildungsfernen Familien digitale Teilhabe zu fördern.

Auf dem Podium des Caritas-Ruhrgebietstages nannte Essens Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck als Beitrag der Kirche neben der Caritasarbeit ebenso kirchliche Schulen als wichtige Orte, die man mit vereinten Kräften „durchdigitalisieren“ müsse, um Schülern aus schwierigen Verhältnissen Lebenschancen zu ermöglichen. Darüber hinaus müsse man die ethischen Fragen rund um die Digitalisierung, ihre Chancen und Grenzen im Blick behalten, sagte Overbeck, der als Ruhrbischof künftig in einem dreiköpfigen Beirat die von Ministerpräsident Armin Laschet ins Leben gerufene Ruhrkonferenz der Landesregierung begleiten wird. Neben Bischof Overbeck gehören zum Beirat die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes NRW, Anja Weber, sowie der Präsident des Unternehmerverbandes Arndt G. Kirchhoff.

Neben den jungen Menschen auch arbeitslose Erwachsene digital weiterzubilden und so für den Arbeitsmarkt fit zu machen, bezeichnete Staatssekretär Liminski als besonders herausfordernde Aufgabe. Deshalb, so Liminski, konzentriere sich die Förderung der Landespolitik derzeit vor allem auf Langzeitarbeitslose, die ansonsten trotz boomender Wirtschaft auf der Strecke bleiben würden. Den Kommunen reicht diese Förderung allerdings nicht. Laut Astrid Neese, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit in Duisburg, sind für die rund 10.000 Bürger der Stadt, die seit mindestens sieben Jahren arbeitslos sind, im kommenden Jahr 550 statt bislang 400 Förderplätze vorgesehen: „Das dürfte mehr sein.“

Der Sozialwissenschaftler Prof. Stefan Sell aus Koblenz nannte dafür eine Lösung: „Ich würde heute nur noch Förderungen aufsetzen, in denen Beschäftigung mit digitaler Qualifizierung fest verbunden ist.“ Das Ruhrgebiet, das zum Ende von Kohle und Stahl mitten im Veränderungsprozess stehe, nannte Sell „ein wunderbares Experimentierfeld für neue Formen der Beschäftigungsförderung“.

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