Bistumsarchiv: Frischer Glanz für Mittelalter-Urkunden

Dank intensiver Zusammenarbeit mit dem Landschaftsverband Rheinland konnten zahlreiche mittelalterliche Urkunden aus dem Ruhrgebiet restauriert und so für die Zukunft erhalten werden. Künftig sollen die Dokumente digitalisiert werden, so dass sie erforscht werden können, ohne durch die Nutzung beschädigt zu werden

Jahrhunderte alte Urkunden im Essener Bistumsarchiv bekommen derzeit eine Art Frischzellenkur. Dank einer Kooperation mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) werden die kostbaren Dokumente zum Beispiel über Rechtsgeschäfte von Pfarreien oder Mess-Stipendien aufwendig saniert, um so auch in Zukunft von einer bewegten Vergangenheit im Ruhrgebiet zu zeugen. Im Interview erläutern Jennifer Voßkämper und Severin Gawlitta aus dem Archiv des Bistums Essen das Projekt.

Wieso verwahrt das Bistumsarchiv mittelalterliche Urkunden – das Bistum feiert doch in diesem Jahr erst sein 60-jähriges Bestehen?
Jennifer Voßkämper:
Neben den schriftlichen Überlieferungen der Bistumsverwaltung sichern wir auch Dokumente aus dem kirchlichen Leben vor 1958. Das Gros unserer Kirchengemeinden existierte ja bereits vor der Bistumsgründung – und ein Dutzend von ihnen kann ihre Anfänge sogar bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Durch die Zentralisierung von Pfarrarchiven im Bistumsarchiv gelangt nun zunehmend jahrhundertealtes pfarrliches Archivgut zu uns.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit der LVR-Restaurierungswerkstatt?
Severin Gawlitta:
Den Anstoß gab die Übernahme des geschichtsträchtigen Archivs der Propstei St. Gertrud in Wattenscheid. Sehr schnell mussten im Frühjahr 2016 mehrere Dutzend Einzeldokumente aus dem 14. bis 18. Jahrhundert konservatorisch behandelt werden, um sie vor dem Verfall zu retten. Im Gespräch mit der LVR-Archivberatung entstand dann die Idee, diese Urkunden durch die LVR-eigene Restaurierungswerkstatt reinigen und restaurieren zu lassen. Aufgrund der historischen Bedeutung der Dokumente hat der LVR diese teuren Arbeiten mit einen großzügigen Zuschuss unterstützt. Ein absoluter Glücksfall für uns!

Um was für Urkunden handelt es sich?
Gawlitta:
Unter anderem geht es um Urkunden über Grundstücks- und Besitzverhältnisse, um Erbschaften an die Pfarreien, aber auch um Mess-Stipendien. Da wurde dann zum Beispiel festgelegt, dass für die nächsten zehn Jahre immer in einer Messe an einem bestimmten Tag im Monat für einen Verstorbenen gebetet wird. Für Historiker sind diese Urkunden bedeutsam, weil man durch sie u.a. Rückschlüsse auf das soziale Gefüge ziehen kann.

Eine Urkunde trägt sogar den Namen eines Kaisers.
Voßkämper:
Kaiser Karl VI. erhebt mit dieser Urkunde den kurfürstliche Mainzer Schanzen-Hauptmann Johann Ullmann in den Adelsstand. Die prachtvolle farbige Ausgestaltung der Urkunde von 1716 bietet natürlich einen besonderen Reiz. Auf den ersten Blick optisch unscheinbarer erscheint da die älteste Urkunde des Propsteiarchives – ein Ablassbrief aus dem Jahr 1330.

Was geschieht nun mit den restaurierten Urkunden?
Gawlitta
: Die Restaurierung der Urkunden schafft die Voraussetzung, um sie künftig digitalisieren zu können. Mittelfristig wollen wir die komplette Urkundensammlung des Bistumsarchivs nach den heute üblichen Maßstäben digitalisieren. So wird das unikale Dokument geschont und gleichzeitig für Interessenten auf der ganzen Welt nutzbar gemacht.

Und welche künftigen Restaurierungsprojekte stehen im Bistumsarchiv an?
Voßkämper
: Analog zur Restaurierung der Urkunden möchten wir demnächst auch Kirchenbücher mit besonders starken Beschädigungen restaurieren lassen. Danach wird auch dieser Bestand digitalisiert und kann dann künftig elektronisch über unsere Homepage eingesehen werden.

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