Bistum Essen stellt sich auf sinkende Kirchensteuereinnahmen ein

Gegenüber dem Vorjahr hat sich der Jahresüberschuss des Bistums 2017 fast halbiert. Finanzbericht 2017 umfasst erstmals auch kaufmännische Bilanz des Essener Domkapitels.

Deutlich gestiegene Aufwendungen in der Altersvorsorge und ein zusätzlicher Aufwand in der Weiterleitung der Kirchensteuer für andere Bistümer lassen den Jahresüberschuss sinken

Wenn zwischen Anfang der 2020er und Anfang der 2030er die "Babyboomer"-Generation in den Ruhestand wechselt, "werden die Kirchensteuereinnahmen dauerhaft signifikant zurückgehen", erwartet Finanzchef Beckmann.

Bistum stellt sich auf allen Ebenenen auf Veränderungen in der finanziellen Situation ein.

Trotz leicht gestiegener Kirchensteuereinnahmen hat sich der Jahresüberschuss des Bistums Essen im vergangenen Jahr mit 17 Millionen Euro fast halbiert. Das geht aus dem Finanzbericht 2017 hervor, den das Ruhrbistum am Dienstag, 6. November, veröffentlicht hat. Demnach wurde das Ergebnis unter anderem durch deutlich gestiegene Aufwendungen in der Altersvorsorge für das kirchliche Personal und einen zusätzlichen Aufwand in der Weiterleitung der Kirchensteuer für andere Bistümer belastet. Für die Zukunft erwartet das Bistum zudem deutlich geringere Einnahmen.

„Wie das gesamte Ruhrgebiet profitieren auch wir als Kirche derzeit noch von der ausgezeichneten Wirtschaftslage mit einer historisch hohen Beschäftigung“, erklärte Generalvikar Klaus Pfeffer. So hätte ein leichter Anstieg bei den Netto-Kirchensteuereinnahmen von rund drei auf insgesamt 172 Millionen Euro die finanziellen Verluste durch die Kirchenaustritte im vergangenen Jahr ausgeglichen. Zugleich macht der Finanzbericht jedoch deutlich, dass diese Situation sich mittelfristig ändern dürfte: Zum einen würde sich ein Wirtschaftsabschwung mit geringerer Beschäftigung und dadurch geringeren Kirchensteuereinnahmen spürbar in der Bistums-Bilanz niederschlagen. Vor allem aber ist die Kirche – wie die gesamte Region – von den finanziellen Folgen des demographischen Wandels betroffen.

Finanzchef Beckmann zeigt Perspektiven der Bistumsfinanzen auf

Im „Perspektiven“-Kapitel des Finanzberichts stellt der Finanzchef des Bistums, Daniel Beckmann, dar, wie groß der Anteil der „Babyboomer“ an den Kirchenmitgliedern und Kirchensteuerzahlern im Ruhrbistum ist. Wenn diese derzeit noch gut verdienenden heute etwa 50- bis 60-Jährigen zwischen Anfang der 2020er und Anfang der 2030er Jahre in den Ruhestand wechseln, erwartet Beckmann bildlich eine „Kirchensteuerklippe“, da die nachfolgende Mitglieder-Generation bereits aufgrund ihrer deutlich geringeren Anzahl die entstehende Lücke nicht wird füllen können. „Dann werden die Kirchensteuereinnahmen dauerhaft signifikant zurückgehen“, so der Leiter der Hauptabteilung Finanzen und bischöfliche Immobilien.

„Auf diese Situation stellen wir uns bereits jetzt ein“, betonte Pfeffer und verwies auf Entwicklungsprozesse in den Pfarreien, bei der Caritas, im Kita-Zweckverband oder im Bildungsbereich des Bistums. „Aktuell haben wir noch begrenzte Möglichkeiten, bestimmte Entwicklungen finanziell abzufedern“, so Pfeffer. Ausdrücklich fördere das Bistum innovative Projekte wie zum Beispiel die Kinderkirche in Bottrop, die Segnungsfeiern für Neugeborene, das Schulmobil in Duisburg oder den vor wenigen Wochen eröffneten Pilgerweg durch das Ruhrbistum. „Bei uns geht es nicht nur um Abbau und Rückzug, sondern um den Umbau hin zu einer Kirche, die einer immer vielfältiger werdenden Welt auf möglichst vielfältige Weise unsere frohe Botschaft verkündet“, sagte Pfeffer. So würden auch die Pfarreien des Bistums in den kommenden Jahren finanziell und personell weiter unterstützt, um sich im Rahmen der Pfarreientwicklung auf die künftigen seelsorgerischen Bedürfnisse der Menschen und die dann zur Verfügung stehenden finanziellen Ressourcen einzustellen.

Fast 40 Prozent der Aufwendungen fließen in die Pfarreien

Insgesamt hat das Bistum im vergangenen Jahr mit 258,8 Millionen Euro Erträgen Aufwendungen in Höhe von 241,8 Millionen Euro finanziert. Knapp 40 Prozent davon sind in die Pfarreien und Gemeinden vor Ort geflossen und haben dort zum Beispiel das seelsorgerische Personal und deren Altersversorgung, den Erhalt von Gebäuden sowie den Betrieb der mehr als rund 260 katholischen Kindertagesstätten im Ruhrbistum finanziert. Allein für die Kitas hat das Bistum knapp 20 Millionen Euro ausgegeben – deutlich mehr als gesetzlich vorgeschrieben, weil die Kindertagesstätten seitens der Kommunen vielerorts unterfinanziert sind. „Hier begrüßen wir die Initiativen der Landesregierung, die diese Finanzlücke ab dem kommenden Jahr schließen will“, betonte Generalvikar Pfeffer. Auch in die sieben bistumseigenen und die zwei von Orden im Ruhrbistum getragenen Schulen investiert das Bistum deutlich mehr als vom Gesetzgeber erwartet. Mit einem Aufwand von netto sechs Millionen Euro zahlt das Bistum nicht nur sechs Prozent wie gesetzlich verlangt, sondern mindestens 13 Prozent der Kosten. Die Arbeit der Caritas hat das Bistum mit knapp 13 Millionen Euro unterstützt.

Im Durchschnitt zahlte jedes Kirchenmitglied im Bistum Essen im vergangenen Jahr netto 218 Euro an Kirchensteuer. Die Kirchensteuer ist damit die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle. Von den ursprünglich von den Finanzämtern eingezogenen gut 203 Millionen Euro blieben den Christen im Ruhrbistum aber unterm Strich nur 172 Millionen Euro. Neben den knapp 6 Millionen Euro an Gebühren, die die Finanzämter für den Kirchensteuereinzug erhalten haben, musste das Bistum allein rund 25 Millionen Euro – knapp 5 Millionen Euro mehr als im Vorjahr – an andere Bistümer weiterleiten bzw. hierfür zurückstellen. Dieses Verrechnungsverfahren ist nötig, weil Kirchensteuern auf Lohnsteuern zunächst dort von den Finanzämtern eingezogen werden, wo die Lohnabrechnung eines katholischen Arbeitnehmers ihren Sitz hat. Untereinander verrechnen die Bistümer die Steuereinnahmen, so dass sie letztendlich dem Wohnsitz des Kirchenmitglieds zu Gute kommen.

Eine spürbare Belastung im Jahresergebnis sind die um 13 Millionen Euro gestiegenen Finanzaufwendungen. Hintergrund ist die in der Systematik des Handelsgesetzbuchs vorgeschriebene Verzinsung der Pensions-Rückstellungen, der das Bistum folgt, um eine nach allgemeinen Maßstäben transparente und vergleichbare Bilanz zu erhalten. Stieg der in der Systematik vorgeschriebene Abzinsungssatz 2016 von 3,89 auf 4,01 Prozent – was einen geringeren Aufwand für das Bistum und ein positives Finanzergebnis zur Folge hatte – sank der vorgeschriebene Zinssatz 2017 wieder auf 3,68 Prozent. „Dies bedeute einen größeren Aufwand, sorgt aber für eine tendenziell realistischere Verzinsung und damit eine sichere Vorsorge-Planung, vor allem für unsere Priester“, erläuterte Finanzchef Beckmann.

Erstmals Bilanz für alle vier Rechtsträger auf Bistums-Ebene

Erstmals legt das Bistum mit seinem Finanzbericht 2017 nicht nur eine HGB-konforme Bilanz des eigenen Haushalts vor, sondern auch der drei weiteren eigenständigen Rechtsträger auf Bistums-Ebene: Bischöflicher Stuhl, Domkapitel und Versorgungs-Fonds, in dem die Pensionsverpflichtungen des Bistums gebündelt sind. Während die Bilanz des Bistums ein Volumen von 314,9 Millionen Euro und das des Versorgungs-Fonds von 191,2 Millionen Euro umfasst, schlagen der Bischöfliche Stuhl mit zwei und das Domkapitel mit 27,5 Millionen Euro zu Buche.

Das Vermögen des Domkapitels, das neben der Liturgie und weiterer geistlicher Angebote im Dom auch für die kulturelle Arbeit – zum Beispiel der Domschatzkammer und der Dommusik – steht, besteht dabei fast ausschließlich aus Immobilien. Deren Wert wurde im Zuge der Umstellung auf die kaufmännische Buchführung gutachterlich bewertet und dabei mit insgesamt 26,9 Millionen Euro veranschlagt. Knapp die Hälfte dieser Summe entfällt dabei auf den Grundstücks-Wert von Dom und Anbetungskirche St. Johann. Denn während die mehr als 1000 Jahre alten Gotteshäuser aufgrund des nicht vorhandenen Marktwertes mit je 1 Euro in den Büchern stehen, wurde der Wert ihrer Grundstücke mit 80 Prozent des Bodenrichtwerts der Nachbarschaft bewertet. So steht Essens geistliches und historisches Zentrum in bester Innenstadt-Lage nun mit 12,7 Millionen Euro in der Bilanz – auch wenn eine anderweitige Nutzung „bislang nicht vorstellbar erscheint“, wie es im Finanzbericht heißt.

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