Bischof Overbeck würdigt ehemaligen Reichsarbeitsminister Heinrich Brauns

Der ehemalige Priester und Politiker wurde vor 150 Jahren geboren und war unter anderem Kaplan in Essen-Borbeck. Neben dem Bischof sprachen jetzt auch der ehemalige Bundestagspräsident Lammert und NRW-Sozialminister Laumann bei einer Gedenkveranstaltung in Berlin.

Bischof Franz-Josef Overbeck hat den ehemaligen Reichsarbeitsminister Heinrich Brauns (1868-1939) für dessen sozialpolitisches Wirken in der Weimarer Republik gewürdigt. Dabei habe sich der Priester maßgeblich an der katholischen Soziallehre orientiert, erklärte Overbeck am Mittwoch in Berlin bei einer Gedenkveranstaltung der Stiftung Christlich-soziale Politik zum 150. Geburtstag von Brauns.

Bereits als Kaplan in Essen-Borbeck habe Brauns die existenziellen Nöte der Arbeiter wahrgenommen, sagte Overbeck. Er sei „das Ideal des sozialen Priesters“ gewesen. Für Brauns sei das „Kernproblem der sozialen Frage“ das Verhältnis von Mensch zu Mensch gewesen. Unter dem Aspekt der „vermeintlich rationalen Nutzenmaximierung“ dürfe Arbeit nicht zur Vereinzelung führen, betonte der Bischof. Dann bestimmten „Ängste und das Gefühl von Hilflosigkeit den Lebensalltag“. Gerade angesichts der zunehmenden Digitalisierung sei es wichtig, „die identitätsstiftende Bedeutung von Arbeit wieder als verbindendes Element neu in den Mittelpunkt zu stellen“.

Der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert sagte, Brauns habe den deutschen Beitrag zur modernen Demokratie, „den Sozialstaat“, wesentlich mitentwickelt. Ihm sei es darum gegangen, die „Mindestrechte von Arbeitnehmern zu sichern“, ohne die wirtschaftliche Entwicklung aus dem Blick zu verlieren.

Laumann: Ohne christliche Soziallehre keine soziale Marktwirtschaft

Nordrhein-Westfalens Sozialminister Karl-Josef Laumann (CDU) erinnerte an die Bedeutung der christlichen Soziallehre für die Bundesrepublik. „Hätte es diese nicht gegeben, wäre niemand auf die Idee gekommen, die soziale Marktwirtschaft zu installieren“, so Laumann. Dabei sei grundlegend zu begreifen, dass der Markt nicht alles sei, „sondern die Menschen auch das Recht haben, in den Markt einzugreifen, damit er Menschen dient“. Ein gelungenes Beispiel dafür sei der Tarifvertrag.

Brauns setzte sich als junger Priester in Essen-Borbeck für den örtlichen Bergbauarbeiterverein ein, was ihm den Ruf des „roten Kaplans“ einbrachte. Als Zentrumspolitiker schuf er die Grundlage für viele sozialpolitischen Gesetze. So wurde unter seiner Verantwortung der Arbeitsschutz erstmalig geregelt sowie die Rentenversicherung für Angestellte auf den Weg gebracht. Von 1920 bis 1928 war er in mehreren Regierungen der Weimarer Republik Reichsarbeitsminister.

In Erinnerung an Brauns verleiht das Bistum Essen seit 1978 alle zwei Jahre den vom ersten Ruhrbischof Franz Hengsbach gestifteten Heinrich-Brauns-Preis an Persönlichkeiten, die sich besonders um die katholische Soziallehre verdient gemacht haben.

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