Bischof Overbeck: „Jedem das, was er zu einem guten Leben braucht“

Das Thema „Nachhaltige Ernährung“ stieß am Dienstagabend bei der Jahresveranstaltung des Rates für Land- und Forstwirtschaft im Bistum Essen auf reges Interesse auch junger Menschen.

Wer seinen ökologischen Fußabdruck verringern will, muss auf Fleisch verzichten und weniger Lebensmittel wegwerfen. Denn nachhaltige Ernährung ist nicht nur gesünder, sondern auch gerechter gegenüber kommenden Generationen und gegenüber jenen auf der Welt, die darum kämpfen müssen, überhaupt satt zu werden. Diese Botschaft nahmen rund 180 Besucher der Jahresveranstaltung des Rates für Land- und Forstwirtschaft im Bistum Essen am Dienstag, 2. Oktober, aus der katholischen Akademie „Die Wolfsburg“ mit nach Hause. Das Thema „Nachhaltige Ernährung“ zog an diesem Abend auch auffällig viele Schülerinnen und Schüler an. „Jedem das zugestehen, was er zu einem guten Leben braucht“, sei der Maßstab für Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit, gab der Essener BischofFranz-Josef Overbeck ihnen in seinem Schlusswort mit auf den Weg. Der Rat für Land- und Forstwirtschaft berät neben drei anderen gesellschaftspolitischen Räten den Bischof in Fragen der Region und bietet auch interessierten Gästen dafür eine Plattform.

Marlies Schmitz, Sprecherin des Rates und Landwirtin aus Duisburg, brachte das Dilemma einer nachhaltigen Ernährung in wenigen Sätzen auf den Punkt: Die Lebensmittelproduzenten seien heute abhängig von fünf bis sechs Großkonzernen, die die Preise diktierten. Nur mit landwirtschaftlichen Großbetrieben sei heute noch ein auskömmlicher Lebensunterhalt zu erwirtschaften. Die Landwirte seien konfrontiert mit Nitrat im Grundwasser und Treibhausgasen durch Rinderhaltung. Die Verbraucher erwarteten Lebensmittel in immer gleicher Qualität, die in großen Mengen zu jeder Zeit verfügbar seien. Unmengen dieser Lebensmittel landeten jedoch im Müll. Zugleich litten in den Industrieländern viele Menschen aufgrund von Fehlernährung unter Übergewicht. Vor allem aber spalte das Thema Ernährung die Weltbevölkerung: Die einen lebten im Überfluss, den anderen fehle das Nötigste. „Wir brauchen Futter zum Nachdenken, um unser eigenes Verhalten zu ändern“, so das Resümee von Marlies Schmitz.

Am Fleischkonsum entscheidet sich nach Ansicht des Mainzer Sozialethik-Professors Gerhard Kruip die Frage der Nachhaltigkeit. „Wir importieren Futtermittel aus Südamerika, für deren Anbau der Regenwald gerodet wurde, um hierzulande so viel Fleisch zu produzieren, dass wir es sogar wieder exportieren können“, kritisierte Kruip eine allein an wirtschaftlichen Interessen orientierte Lebensmittelproduktion. Der Fleischkonsum in Deutschland sei in den vergangenen 160 Jahren von 21 Kilo pro Kopf und Jahr auf 88 Kilo angestiegen. Weltweit äßen die Menschen mehr Fleisch, wenn ihre Armut sinke. „Unsere Ernährung ist aber kein Modell für die Welternährung“, so Kruip. Nicht nur beim Fleisch, auch bei Milch, Eiern und Fisch müsse auf hohe Qualität, Umweltstandards und Tierrechte geachtet werden.

Zwang bringe die Menschen freilich nicht dazu, auf Nachhaltigkeit zu achten, so die Erfahrung von Katrin Quinckhardt von der Landwirtschaftskammer NRW. Ein „Veggie-Day“ donnerstags in der Betriebskantine werde sich nur durchsetzen, wenn die Menschen sich frei dafür entscheiden könnten. Ebenso motiviere es, wenn sie künftig auf ihrem Kassenzettel vielleicht Bonuspunkte für ihr persönliches Nachhaltigkeits-Ranking finden können: „Der Weg dorthin ist nicht mehr weit“, sagte Quinckhardt, „denn die Handelsunternehmen suchen ständig nach Alleinstellungsmerkmalen.“

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