Bischof Overbeck: „Fronleichnam ist ein Ausrufezeichen für die Ökumene!“

Bei der großen Fronleichnamsprozession in der Essener Innenstadt standen in diesem Jahr ökumenische Akzente im Vordergrund.

Evangelische Stadtkirche beteiligte sich erstmals an der Fronleichnamsprozession

Bischof mahnt Einigung im "Kommunion-Streit" an

Rund 2000 Teilnehmer, darunter viele Vertreter muttersprachlicher Gemeinden

Bei schönem Sommerwetter sind am Donnerstag rund 2000 Christen gemeinsam mit Bischof Franz-Josef Overbeck singend und betend durch die Essener Innenstadt gezogen, um das Fronleichnamsfest zu feiern. Bei diesem Fest feiern die Katholiken die bleibende Gegenwart Jesu Christi in den Gaben von Brot und Wein, dem sogenannten Sakrament der Eucharistie. Erstmals beteiligte sich auch die Evangelische Stadtkirche in Essen an der Prozession und gestaltete eine „Statio“ an der Marktkirche.

Ökumenische Akzente hob auch Bischof Overbeck in seiner Predigt hervor, der das Fronleichnamsfest „ein Ausrufezeichen für die Ökumene“ nannte. Overbeck mahnte neue Anstrengungen an hin zu einer Einheit zwischen Katholiken und Protestanten und sieht hier die Christen im Mutterland der Reformation in einer besonderen Verantwortung: „Wo die Trennung einst angefangen hat, muss sie auch beendet werden“, sagte er angesichts der seit 500 Jahren bestehenden Kirchenspaltung auf dem voll besetzten Essener Burgplatz.

Bischof mahnt Einigung im „Kommunionstreit“ an

Mit Blick auf den aktuellen Streit unter den deutschen Bischöfen um die Kommunion für Ehepaare mit katholischen und evangelischen Partnern mahnte Overbeck: „Es muss eine theologisch verantwortete Lösung geben.“ Schon Papst Johannes Paul II. habe für solche konfessionsverbindenden Ehen eine begrenzte Öffnung der Kommunion angeregt, betonte Overbeck. Es könne derzeit noch keine generelle Zulassung evangelischer Christen zur Kommunion geben, so Overbeck. Aber wenn in einer Ehe „das Seelenheil auf dem Spiel steht“ müsse die gemeinsame Kommunion möglich werden, forderte der Bischof. Overbeck hatte sich bei der jüngsten Vollversammlung der deutschen Bischofskonferenz – wie die große Mehrheit der Bischöfe – für eine Zulassung der Kommunion in diesen besonderen Fällen ausgesprochen. Nachdem die unterlegenen Bischöfe Papst Franziskus um eine Klärung gebeten hatten, hatte dieser die Bischöfe aufgerufen, in dieser Frage „im Geist kirchlicher Gemeinschaft eine möglichst einmütige Regelung zu finden“.

Mit Blick auf die Ökumene insgesamt betonte Overbeck, die Christen müssten „die Sehnsucht stärken, auch in der Eucharistie eins zu sein“. Noch gebe es viele offene Fragen, aber es müsse geklärt werden „welche Unterschiede bei uns wirklich kirchentrennend sind, welche, um der Einheit willen, abschließend wirklich gelöst werden müssen, und welche, um der größeren Einheit willen, bei gegenseitigem Respekt vor der anderen Position, ertragen werden oder sogar fruchtbar sein können“, so Overbeck.

Nach einem Weg durch die Innenstadt und einer kurzen Andacht an der St. Gertrud Kirche am Viehofer Platz begrüßte die evangelische Superintendentin Marion Greve die Prozessionsteilnehmer mit Bischof Overbeck und Dompropst Thomas Zander vor der Marktkirche. Dass evangelische Christen nun erstmals an diesem katholischen Fest in Essen teilnehmen – und dann auch noch an der Marktkirche, „dem historischen Ort der Reformation in Essen“, sei ihr „persönlich eine besondere Freude“. Es gehe darum „gemeinsam Gesicht zu zeigen in unserer Stadt“, sagte Greve, „auch wenn uns unterschiedliche Verständnisse über das Abendmahl herausfordern“. Gemeinsam sei Katholiken und Protestanten „der Glaube an die Verbundenheit in Jesus Christus“.

Gemeinsame Bitte um Gottes Segen für die Stadt Essen

Katholiken und Protestanten beteten für das Wohlergehen der Stadt Essen und ihrer Bewohner, und Zander und Greve baten gemeinsam um Gottes Segen für die Stadt. Dass die Fronleichnams-Prozession an der evangelischen Marktkirche Halt mache, sei „nicht nur ein Zeichen für die Ökumene“, sagte Dompropst Zander und betonte: „Das ist Ökumene!“

Eine Ökumene, die nicht nur katholische und evangelische Christen miteinander verbindet, sondern auch die vielen muttersprachlichen Gemeinden, die sich traditionell an der Fronleichnamsprozession beteiligen. In diesem Jahr trugen unter anderem syrische Christen den Baldachin, unter dem im Zentrum der Prozession die Monstranz mit einer geweihten Hostie durch die Straßen getragen wurde. Auch musikalisch begleiteten die muttersprachlichen Christen die Prozession – neben den Beiträgen der Domchöre, von Bläsern der Essener Philharmoniker und des Schönebecker Jugendblasorchesters.

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