Bischöfe mit selbstkritischer Analyse zur Jugendsynode

Zur Vorbereitung des großen Bischofstreffens in Rom haben die deutschen Bischöfe die Situation der katholischen Jugend in Deutschland analysiert. Jugendliche können sich noch bis Ende November an Online-Fragebogen des Vatikan beteiligen.

In ihrer Antwort zur Vorbereitung der Jugendsynode im Vatikan 2018 präsentieren die deutschen Bischöfe eine zum Teil sehr selbstkritische Bestandsaufnahme zum Thema Jugend und Kirche. Auf der einen Seite gebe es großes Engagement bei Ministranten, katholischen Jugendverbänden und geistlichen Gemeinschaften, doch zugleich sei auch eine nachlassende kirchliche Bindung sowie ein Misstrauen gegenüber der Institution Kirche zu verzeichnen.

Das geht aus dem Antwortschreiben der Deutschen Bischofskonferenz an den Vatikan hervor, das jetzt veröffentlicht wurde. Dafür wurden Fragebögen aus allen 27 deutschen Bistümern ausgewertet, aber noch nicht die Online-Umfrage des Vatikan unter Jugendlichen selbst. Daran können sich Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 29 Jahren noch bis zum 30. November auf der Internetseite bistum.ruhr/jugendfragebogen beteiligen.

Jugendbischof Stefan Oster betont in der Antwort, dass die verschiedenen Formen kirchlicher Jugendarbeit „mit ihrem je eigenen Profil unterschiedliche und zum Teil auch nicht-gläubige Jugendliche“ erreichten: „Diesen Schatz werden wir mit nach Rom tragen. Wir müssen uns aber auch eingestehen, dass wir den von Papst Franziskus geforderten missionarischen Aufbruch intensiver umsetzen könnten.“

Die Rückmeldungen zeigen laut Bischofskonferenz, dass viele Jugendliche von der Kirche „Wertvorstellungen und Sinnangebote, Authentizität und Lebensrelevanz“ erwarten. Angesichts schwieriger Herausforderungen suchten viele nach Hilfe und Begleitung, die sie aber längst nicht immer in den bestehenden Angeboten fänden.

Die katholische Jugend sieht sich in den Antworten der deutschen Bischöfe zur Vorbereitung der Jugendsynode im Vatikan 2018 bestätigt. Auch die Jugendverbände nähmen wahr, „dass junge Menschen, die bei uns mitwirken und die entsprechenden Angebote wahrnehmen, sich eine Kirche wünschen, die sie begleitet“, sagte der Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Thomas Andonie, dem Kölner domradio.

Andonie glaube, was Jugendliche wirklich erwarteten, sei Glaubwürdigkeit. „Das ist auch bei den Antworten der Bischöfe deutlich geworden, dass das zur Kenntnis genommen wird, dass junge Menschen tatsächlich fordern, dass Kirche jung ist und auch jungen Menschen Platz bietet und Mitbestimmung einräumt und natürlich die eigenen Glaubensgrundsätze entsprechend in der Gesellschaft lebt und keine Doppelzüngigkeit besteht“, erklärte er. Zudem erwarteten junge Menschen eine Kirche, die auf sie zugeht, die sie in dieser sehr komplexen und schwierigen Welt, in der es manchmal an Perspektiven mangelt, abholt, so Andonie.

Die Bischöfe heben zugleich hervor, dass es eine hohe Bereitschaft zu gesellschaftlichem Engagement gebe, das gerade in den Jugendverbänden gefördert werde. Konkrete Fragen der Berufung zu einem christlichen Leben - vielleicht sogar als Priester oder Ordensfrau - spielten dagegen eine geringere Rolle.

Beim Thema Ehe und Familie zeige sich eine „deutliche Distanz zu kirchlichen Aussagen“, stellen die Bischöfe weiterhin fest: „So sind voreheliche Lebensgemeinschaften eine nahezu flächendeckende Realität. Fast alle Paare, die um eine kirchliche Trauung bitten, leben oft schon mehrere Jahre zusammen.“

Der Vorsitzende der Kommission für Geistliche Berufe, der frühere Essener und heutige münstersche Bischof Felix Genn fordert die Kirche auf, mehr Personal einzusetzen, um Jugendliche bei ihren Fragen und Nöten zu begleiten. Die aktuelle Analyse zeige, „dass bereits eine große Anzahl von Priestern, Diakonen, Pastoral- und Gemeindereferenten, Lehrern und anderen Erziehern in der geistlichen Begleitung von Jugendlichen tätig ist“, so Genn: „Wir müssen aber auch selbstkritisch fragen, wo wir noch mehr Personen einsetzen können, die für die Begleitung zur Verfügung stehen.“

Wie von Rom gewünscht, stellen die Bischöfe auch drei deutsche Beispielprojekte vor: die missionarische Aktion „Nightfever“, die sozial ausgerichtete „72-Stunden-Aktion“ des BDKJ sowie das christliche Orientierungsjahr „Basical“ im Bistum Augsburg.

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