30.000 Christen feiern Freiluft-Gottesdienst zum Abschluss des Katholikentags in Münster

Mit einem großen Freiluftgottesdienst ist das fünftägige Christentreffen in Münster zuende gegangen. Mit dem Thema "Suche Frieden" war der Katholikentag sehr politisch geprägt - begeisterte die Besucher aber auch mit Gebeten und Konzerten.

Wunsch nach mehr Ökumene

Diskussionen um Kommunion für evangelische Ehepartner und Kreuze in Behörden

Zivilisierte Debattenkultur und ausgelassene Partystimmung

Mit einem feierlichen Freiluft-Gottesdienst ist am Sonntag in Münster der 101. Katholikentag zu Ende gegangen. Bei Sonnenschein und warmen Temperaturen feierten mehr als 30.000 Menschen auf dem Schlossplatz eine Messe, die noch einmal den Blick auf das Katholikentags-Motto „Suche Frieden“ lenkte. „Diesen Auftrag Jesu wollen wir annehmen und aus Münster mitnehmen“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx aus München, in seiner Predigt. Er habe auf dem Katholikentag zudem ein starkes ökumenisches Engagement verspürt. Ein Ringen um den rechten Weg sei notwendig – Christen aller Konfessionen müssten stets deutlich machen, dass sie zusammen gehörten. Dies gelte umso mehr „in einer Welt, die zerrissen ist“. Das Streben nach Frieden und Versöhnung werde oftmals verlacht, aber: „Es braucht ein Mehr an Hoffnung.“ Wie groß ihr Wunsch nach Ökumene ist, machten die der Katholikentags-Besucher immer wieder durch Applaus deutlich. Zudem brachten Sie ihre Vorfreude auf den nächsten Evangelischen Kirchentag 2019 in Dortmund und auf den Ökumenischen Kirchentag 2021 in Frankfurt zum Ausdruck.

50.000 Dauerteilnehmer und mehr als 25.000 Tagesgäste

Insgesamt war die Resonanz auf den Katholikentag in Münster deutlich größer als erwartet. Rund 50.000 Dauerteilnehmer und mehr als 25.000 Tagesgäste besuchten das Christentreffen in der Westfalenmetropole. Als Veranstalter spricht das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) vom „größten Katholikentag seit der Wiedervereinigung“. ZDK-Präsident Thomas Sternberg warb in der Abschluss-Messe für mehr Dialog zwischen den Religionen. „Richtig gelebte Religionen sind nicht Ursache von Krieg, sondern Motor des Friedens.“ Sternberg rief außerdem zu einem offenen und fairen Miteinander in der deutschen wie der weltweiten Gesellschaft auf – und in der Kirche. „Unsere Kirche sucht Frieden, im Großen wie im Kleinen.“ Der Papst wolle eine synodale Kirche. Allerdings kämen Frauen „nicht ausreichend“ zur Geltung: „Das kann nicht so bleiben“, rief der ZdK-Präsident unter großem Applaus.

Bereits tags zuvor hatte der Essener Weihbischof Ludger Schepers auf einem Podium zur Frauenfrage betont, dass nicht die Zulassung von Frauen zu kirchlichen Ämtern begründungsbedürftig sei, sondern deren Ausschluss von Leitungsfunktionen in der Kirche. Zahlreiche Vertreter, aber auch wichtige Themen aus dem Bistum Essen waren auf dem Katholikentag so präsent wie lange nicht – zum Beispiel beim vielbesuchten Bistumsstand auf der „Kirchenmeile“. Wie Schepers waren auch Bischof Franz-Josef Overbeck und Generalvikar Klaus Pfeffer auf mehreren Podien zu Gast und diskutierten über die Suche nach Frieden, Fragen der künftigen Kirchenentwicklung in Deutschland oder die Kirchenaustrittsstudie des Ruhrbistums. Die Pop-Kantoren und die Essener „Werktagskapelle“ sorgten für musikalische Akzente auf dem Katholikentag – und im Abschluss-Gottesdienst am Schloss war das Ruhrbistum im übertragenen Sinne an zentraler Stelle präsent: Das goldene Vortragekreuz und das Evangeliar waren in den vergangenen Jahren als preisgekrönte Entwürfe aus dem vom Bistum Essen veranstalteten Wettbewerb „ars liturgica“ hervorgegangen.

ZdK-Präsident Sternberg ging auf dem Schloßplatz auch auf die aktuelle Diskussion um die Kommunion für evangelische Christen in konfessionsverbindende Ehen ein. Diese Ehen seien „Keimzellen“ der Ökumene, sagte Sternberg und betonte: „Im Anliegen, die christlichen Familien auch offiziell in der Eucharistiegemeinschaft zu verbinden, sehen wir uns in Übereinstimmung mit der übergroßen Mehrheit der Priester und Bischöfe in Deutschland.“

Protest gegen Auftritt eines AfD-Politikers

Trotz des Mottos „Suche Frieden“, das während der fünf Tage auf türkisfarbenen Fahnen, Schals und Plakaten die Stadt des Westfälischen Friedens unübersehbar prägte, sei das Christentreffen keine „Friede-Freude-Eierkuchen-Veranstaltung“ gewesen, wie der Gastgeber und frühere Essener Bischof Felix Genn bilanzierte. Vielmehr wurde auf den zahlreichen Podien und an hunderten Ständen heftig diskutiert und mitunter auch gestritten: nicht nur über die Kommunion für Protestanten, sondern zum Beispiel auch über Kreuze in Behörden – auch wenn CSU-Parteichef Horst Seehofer seinen für Donnerstag geplanten Besuch auf dem Katholikentag kurzfristig wegen „Anreiseproblemen“ abgesagt hatte. Alles lief in einer zivilisierten Debattenkultur ab – bis auf eine kleine Irritation beim umstrittenen Podium mit dem AfD-Politiker Volker Münz. „Keine Bühne für die AfD“ und „Nazis raus“ hatten zu Beginn einige Demonstranten gerufen – bevor die Podiumsdiskussion mit den Religionspolitischen Sprechern aller Bundestagsfraktionen und hunderten Besuchern in angespannter, aber friedlicher Atmosphäre starten konnte. Während hunderte Demonstranten am Samstag in der Stadt lautstark, aber friedlich, gegen den AfD-Auftritt protestierten, wurde die christliche Kritik an der Partei im Abschluss-Gottesdienst auf subtile Weise deutlich: Für einige Sekunden war auf den Video-Wänden und in der TV-Übertragung das eindeutig AfD-kritische Armband einer Fürbitten-Sprecherin sichtbar.

Mit seinem Programm suchte der Katholikentag vor allem Gegenakzente zur angespannten Weltlage - angefangen beim Syrienkrieg über den Terror in Afghanistan bis hin zu Donald Trump und dem von ihm aufgekündigten Atomabkommen. Gerade diese Nachricht verlieh dem Katholikentags-Motto eine ungeahnte Aktualität. Die beiden Protestanten Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erhielten in Münster viel Zustimmung, als sie die Aufkündigung als „schweren Rückschlag“ für die Friedensdiplomatie und „schlechte Nachricht für die Welt“ kritisierten.

Udo Lindenbergs Bilder zu den Zehn Geboten

Die heimlichen Stars in Münster kamen aber weder aus der Politik noch aus der Kirche. Und einer war nicht einmal dabei, obwohl er aus dem nahen Gronau stammt: der Rockmusiker Udo Lindenberg. Seine mit „Likörell-Technik“ gemalten Bilder zu den Zehn Geboten zogen rund 42.000 Besucher in die Überwasserkirche.

Ein Publikumsmagnet war auch Kabarettist Eckart von Hirschhausen, der mit fünf Auftritten innerhalb von 24 Stunden eine gewisse Omnipräsenz an den Tag legte. Als „Hofnarr“ ging er den Kommunion-Streit satirisch an: Er zahle über seine katholische Ehefrau auch Kirchensteuern. Dafür wolle er „auch die Oblate – oder mein Geld zurück“. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki kritisierte die Wortwahl, für die sich der Komiker später entschuldigte.

Nicht unter den Teppich gekehrt wurde in Münster die Amok-Fahrt mit vier Toten vor einem Monat in Münster. Am Unglücksort, dem „Kiepenkerl-Platz“, ist wieder das normale Leben zurückgekehrt. Tausende Katholikentags-Besucher zogen – bewusst oder unbewusst – an dem kleinen Platz vorbei, gelegentlich spielten dort Musiker und Chöre. Doch die Opfer und Verletzten sind nicht vergessen. Den Angehörigen spricht Steinmeier sein Mitgefühl aus. Und es wird für sie gebetet, für ihren – inneren – Frieden.

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