1200 Chor-Sänger feiern Gospel und Martin Luther King

Bei der letzten Hauptprobe vor der Uraufführung des ökumenischen Chor-Musicals waren am Samstag auch Kirchenchor-Sänger aus Essen dabei. Der Kirchenmusik-Beauftragte des Ruhrbistums ist einer der drei Dirigenten des 1200 Sänger starken Chors.

Ist Christoph Spengler eigentlich irgendwann einmal zufrieden? Der Sopran singt zu langsam, der Alt zu zickig, der Bass zu brutal und der Tenor … – irgendetwas hat der evangelische Kirchenmusiker an diesem Samstag in der Hagener Stadthalle immer zu meckern. Aber er meckert so sympathisch, dass es ihm die 1200 Sänger zu seinen Füßen nicht krumm nehmen. Wieder und wieder stimmen sie „We shall overcome“ an, die Ouvertüre des Musicals über Martin Luther King, das in zwei Wochen in der Essener Grugahalle Premiere feiert. Dann muss jeder Ton sitzen. Heute ist die letzte Hauptprobe – und die letzte Gelegenheit für Korrekturen.

Zusammen mit der Stiftung Creative Kirche, der Evangelischen Kirche im Rheinland und dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden bringt das Bistum Essen die Ideen des vor 51 Jahren ermordeten amerikanischen Baptisten-Predigers und Bürgerrechtlers Martin Luther King musikalisch auf die Bühne. Mit zwei Uraufführungen startet das Projekt am 9. und 10. Februar mit insgesamt 2400 Chorsängern in Essen, danach geht es bundesweit auf Tournee.

Mit dabei sind auch rund 40 Sänger aus den katholischen Gemeinden St. Markus und Christus-König in Essen-Bredeney und -Haarzopf, die nach dem Probenbeginn im September in der Grugahalle, ein paar gemeinsamen Proben in Essen und viel individuellem Singen mit der persönlichen „Übe-CD“ dem Musical heute den letzten Schliff geben wollen. „Das ist hier eine ganz andere Erfahrung“, sagt Andreas Jantz, Bassist im Chor von Christus-König. „Bei unseren Auftritten sind wir sonst meist drei Männer im Bass.“ Heute singt der ehemalige Domsingknabe, der nach 40 Jahren Pause erst vor sechs Jahren wieder mit dem Chor-Singen begonnen hat, gemeinsamen mit Dutzenden Gleichgesinnten. „Das ist für mich ein richtiges Chor-Erlebnis!“

Glaser: „Das Thema des Musicals ist hochaktuell“

Jantz steht in der zweiten Reihe der Bassisten. Direkt vor ihm dirigiert der Essener Stefan Glaser diesen Block des großen Chors. Während Spengler in der Mitte das Zentrum der Sänger im Blick hat, stehen ihm Glaser links und Miriam Schäfer rechts zur Seite – drei Musiker, die die musikalische Professionalität und die ökumenische Weite des Projekts verkörpern: Der Remscheider Spengler ist Kirchenmusikdirektor der Evangelischen Kirche im Rheinland, Schäfer aus Witten ist als Singer-Songwriterin und Coach für Gospelmusik tätig und Glaser ist der Bischöfliche Kirchenmusikbeauftragte im Bistum Essen. „Das Thema des Musicals ist hochaktuell – gerade angesichts der aktuellen Verhältnisse in Amerika“, sagt Glaser. Als Musiker sei für ihn aber auch die „große stilistische Vielfalt“ des King-Musicals faszinierend – „und die große Emotionalität“.

Dass sie es gleich mit drei Dirigenten zu tun hat, „war am Anfang schon sehr gewöhnungsbedürftig“, sagt Brigitte Matulla-Nolte vom Chor Cantileo aus St. Markus. Als Sopranistin steht sie heute ganz hinten in der Stadthalle und hat Spengler, Schäfer und Glaser gleichermaßen im Blick. Weil die drei zwar exakt den gleichen Takt vorgeben, aber in Details doch unterschiedliche Bewegungen machten, sei es wichtig „sich auf einen zu fixieren“, sagt Matulla-Nolte. Sie mag vor allem die Gospel-Passagen im King-Musical. Die seien technisch oft nicht allzu schwer, „aber gerade die Leichtigkeit dieser Musik auszudrücken, das ist das Anspruchsvolle“.

Daran arbeiten im Saal auch Spengler, Schäfer und Glaser. Während Komponist Christoph Terbuyken am Rand der Bühne per Computer stets die richtigen Takte der Instrumentalversion des Musicals einspielt, geht es Spengler mal um Tempo, mal um Töne – und mal um Sprache. Zum Beispiel beim „Hass“: „Eure Männer haben es gut, wenn das alles ist, was ihr an Hass könnt“, ruft Spengler den Sopranistinnen und Altistinnen zu. Viel aggressiver sollen sie in „Go Down Moses“ vom Hass singen, gegen den sich die Ideen von Martin Luther King wenden – damit der Kontrast umso deutlicher wird.

Krinner: „Auch klassische Musik hat viele Emotionen“

„Das hier ist ein Event“, sagt Ludwig Krinner, der Kirchenmusiker aus Bredeney, der die 40 Sänger aus seinen drei Chören für das King-Musical begeistert hat. Ein direktes Rezept gegen überalternde und schrumpfende Kirchenchöre mag er aus dem Erfolg dieses Groß-Projekts nicht ableiten. „Emotionalität ist bei Kirchenmusik immer wichtig – aber auch klassische Musik hat viele Emotionen“, betont Krinner. In seine Gemeinden versuche er mit den drei Chören eine möglichst große Vielfalt an Kirchenmusik zu präsentieren, um so möglichst viele Kirchenbesucher, aber eben auch Sänger anzusprechen.

Für Vielfalt in der Kirchenmusik wirbt auch Stefan Glaser, der von einer „wohltuenden Bereicherung“ durch die ökumenische Zusammenarbeit beim Musical-Projekt spricht. Gerade bei moderner Musik profitiere das Ruhrbistum sehr von den Erfahrungen anderer christlicher Kirchen – „das sehen wir auch bei unseren Pop-Kantoren“. Und Projekte wie ein so großes Chor-Musical ließen sich ohnehin am besten gemeinsam auf die Bühne bringen.

Bischöflicher Beauftragter für Kirchenmusik

Stefan Glaser

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