Finanzielle Förderung aus dem Missionsfonds

Das Bistum Essen unterstützt seit vielen Jahren sozial-pastorale und caritative Arbeit im Globalen Süden sowie in Mittel- und Osteuropa auch finanziell. Mit dem „Missionsfonds" werden Projekte realisiert für arme, benachteiligte und in ihrer Würde verletzte Menschen, unabhängig von Nationalität, Geschlecht, Religion, Kultur oder Tradition, denn der christliche Glaube betrachtet jeden Menschen als Gottes Ebenbild.
Was geschieht aktuell?
Unterstützt werden aus dem Missionsfonds derzeit elf Partnerorganisationen, die in Ländern des globalen Südens tätig sind. Alle Organisationen haben enge Beziehungen zum Bistum Essen (z.B. Stiftungen, Vereine, Gemeindepartnerschaften oder internationale Ordensgemeinschaften) oder sind durch langjährige bewährte Zusammenarbeit bekannt. Die Förderung erfolgt auf drei Jahre und kann nach Ablauf verlängert werden.
Förderprojekte
Im Bericht unserer Partnerorganisation Aktion Canchanabury e.V. heißt es über die durch die Partnerförderung unterstützte Arbeit:
„Im Kampf gegen die Regierungstruppen zogen die Rebellen der „Lord Resistance Army“ (LRA) seit 1987 jahrzehntelang mordend, plündernd und vergewaltigend durch die Dörfer im Acholi-Land im Norden Ugandas. Die Gewalt richtete sich mehr und mehr gegen die eigene Bevölkerung. Die Dörfer und Weiler wurden überfallen, die Erwachsenen getötet und die Kinder entführt und vergewaltigt, um sie zu Kämpferinnen und Kämpfern der LRA zu machen.
Dieser Krieg mag vorbei sein, aber die Folgen und Traumata wiegen schwer. Das Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, diesen traumatisierten, teilweise HIV-infizierten und von ihren Familien verstoßenen Kindern und Jugendlichen zu helfen und ihnen in kleinen Schritten den Weg zurück in ein normales Leben zu ebnen. Es braucht unendlich viel Geduld, Verständnis und liebevolle Zuwendung, um diesen Kindern Geborgenheit und ein neues Zuhause zu geben. Was macht man mit Jungen, denen Waffen in die Hand gedrückt und die dann dazu gezwungen wurden, die eigenen Eltern zu erschießen?
Wie hilft man Mädchen, die mehrmals am Tag vergewaltigt wurden und die, nachdem sie selbst HIV infiziert waren, mit ihren Kindern aus dem Busch fliehen konnten, von ihren Verwandten nicht mehr akzeptiert wurden? Niemand wollte diese Mädchen und Jungen mehr haben.
Das „Comboni Samaritan Centre“ in Gulu betreut mittlerweile über 1.000 vom Krieg betroffene Kinder – und viele mehr warten noch auf Hilfe.
Die Aktion Canchanabury stellt Mittel zur Unterstützung von 116 besonders schwierigen Fällen bereit. Dies beinhaltet die Finanzierung des Schulgeldes, der psychotherapeutischen und medizinischen Betreuung sowie die finanzielle Unterstützung der Pflegefamilien.“
Im Bericht unserer Partnerorganisation, der Missionsärztlichen Schwestern MMS, heißt es über die durch die Partnerförderung unterstützte Arbeit:
„Indiens rasantes Entwicklungsmodell wirkt sich nachteilig auf die indigenen Gemeinschaften aus – insbesondere auf Frauen und Mädchen, die sich wie Fische auf dem Trockenen fühlen. Kohleminen, Schnellstraßen, Eisenbahnen und Flughäfen verschlingen große Flächen von landwirtschaftlichen Nutz- und Waldgebieten, die einst die indigenen Gemeinschaften ernährten. (…) Mit dem Verlust des Landes, verschmutzten Wasserquellen und der Zerstörung der reichen Biodiversität sind Frauen gezwungen, Lohnarbeit zu verrichten, bei der sie ausgebeutet werden und schweren arbeitsbedingten Gefahren ausgesetzt sind. (…) Frauen und Mädchen leiden unter Stress und psychischen Erkrankungen. Das staatliche Gesundheitssystem wird den Bedürfnissen dieser Frauen nicht gerecht, da es in Städten angesiedelt ist, eine fremde Sprache spricht und für sie weder bezahlbar noch zugänglich ist. (…)
Die geplanten Aktivitäten umfassten den Kapazitätsaufbau für Frauen und Mädchen durch Gesundheits- und Berufsausbildung. (…) Die meisten Frauen teilten vor dem Workshop mit, dass sie nicht kommen würden, falls von ihnen verlangt würde, zu lesen und zu schreiben.
Das erste Treffen der Frauen fand im November 2024 statt, um ihren Gesundheitszustand zu erfassen – Gewicht, Größe und Blutdruck wurden gemessen (…) Die Sitzung schärfte das Bewusstsein für verschiedene Krankheiten, bei denen Fieber ein Symptom ist, wann man eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen sollte und wie man solchen Krankheiten vorbeugen kann. (…) Das zweite Seminar fand im Februar 2025 statt. Hier wurden die Frauen für Gesundheitsthemen wie Mangelernährung, Blutarmut, Diabetes und Bluthochdruck sowie deren Ursachen sensibilisiert. Es wurde erklärt, wo sie Behandlung erhalten können und wie sie solchen Krankheiten vorbeugen können. (…)
Die zweite Aktivität waren Hausbesuche, bei denen die Animatorinnen die Frauen zu Hause und im Pflegekolleg besuchten, um sie zu begleiten. In dieser Zeit teilten Frauen und Mädchen ihre persönlichen Kämpfe, Bedürfnisse und Probleme. Das persönliche Gespräch brachte mehr Trost als Lösungen für die Probleme. Die Frauen schätzten diese Besuche sehr.
Die dritte Aktivität bestand darin, drei jungen Mädchen eine Ausbildung in der professionellen Krankenpflege zu ermöglichen. (…)
Dieses Projekt hat die Hoffnung bei den ökologisch verdrängten Frauen und Mädchen in dieser Region neu entfacht und ihnen die Möglichkeit gegeben, zusammenzukommen und zu erfahren, dass ein unbeugsamer Geist angesichts struktureller Gewalt der einzige Weg nach vorn ist. In einer Situation des fortwährenden Verlusts aller natürlichen Ressourcen und ständiger Umsiedlung bot und bietet dieses Projekt den Frauen die Gelegenheit, sich im Herzen miteinander verbunden zu fühlen. Obwohl sie physisch verstreut sind und um ein Zuhause kämpfen, fanden die Frauen während der Treffen für eine kurze Zeit Freude – und dies kann durch regelmäßige Zusammenkünfte weiter gestärkt werden. Indem Gesundheit als Einstiegspunkt genutzt wurde, brachte dieses Projekt das Beste in den Frauen zum Vorschein, das nachhaltig wirken kann: ihre Widerstandskraft, ihr Wissen über Heilkräuter, ihre Lieder und Tänze und vor allem ihre Willenskraft, das Leben zu erhalten. (…) Auch wenn alle Ressourcen verloren sind, bleiben Körper, Geist und Seele, mit denen eine neue Realität geschaffen werden kann, in der Kinder eine Zukunft haben. (…)
So hat dieses Projekt die Asche der Hilflosigkeit erstickt und die Flamme des Mutes heller brennen lassen. (…) Wenn Mädchen Vorbilder erleben, die ihnen ähneln und Herausforderungen meistern, werden sie inspiriert, größer zu träumen und höhere Ziele zu verfolgen.“
Im Bericht unserer Partnerorganisation Schwestern der Heiligen Familie heißt es:
„Bis zum Ende dieses Jahres hat der Krieg in der Ukraine zur Vertreibung von etwa 4 Millionen Menschen innerhalb des Landes geführt und rund 6 Millionen Flüchtlinge und Asylsuchende gezwungen, im Ausland Schutz zu suchen – die meisten von ihnen leben inzwischen in Europa. Der andauernde Krieg hat schwerwiegende humanitäre Herausforderungen ausgelöst, die sich täglich verschärfen. Millionen Menschen sind von grundlegenden Dienstleistungen wie Zugang zu Wasser, Strom und Heizung abgeschnitten.
Der Krieg hat nicht nur lebenswichtige Dienste und Lebensgrundlagen, sondern auch die Infrastruktur schwer beschädigt. Zivilpersonen, die in der Nähe der Frontlinien leben, sind täglich feindlichen Angriffen ausgesetzt, und selbst diejenigen, die geflohen sind, bleiben durch wahllose Luftangriffe gefährdet. Die weitreichende Zerstörung, die anhaltenden Kampfhandlungen sowie der Zusammenbruch der Wirtschaft und sozialer Dienste haben Millionen Menschen von humanitärer Hilfe abhängig gemacht. Besonders dramatisch ist die Lage im Osten der Ukraine, insbesondere in Frontnähe, im Süden der Ukraine und in den von Russland besetzten Gebieten. (…)
Bedauerlicherweise zeigen diese Zustände keinerlei Anzeichen einer Besserung. Untätig zu bleiben würde die Situation jedoch nur verschlimmern. Daher bleibt die Kongregation der Schwestern der Heiligen Familie weiterhin entschlossen, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um in diesen schwierigen Zeiten Unterstützung und Hilfe zu leisten.
Die Nachfrage nach Lebensmitteln und Hygieneartikeln ist in dieser Kriegszeit von entscheidender Bedeutung geworden – nicht nur für Geflüchtete, sondern auch für schutzbedürftige Familien, die von den wirtschaftlichen Folgen des Krieges betroffen sind. Dank Ihrer Unterstützung konnten unsere Klöster Lebensmittel an 2 153 bedürftige Menschen sowie an Binnenvertriebene verteilen, die in den westlichen Regionen des Landes Zuflucht gefunden haben. Viele Binnenvertriebene aus den südlichen und östlichen Regionen haben ebenfalls von dieser Hilfe profitiert.“
Im Bericht unserer Partnerorganisation NADEZ heißt es über die geförderte Arbeit:
Viele Roma-Kinder, insbesondere diejenigen in Shuto Orizari, werden in sozial ausgegrenzte Familien von arbeitslosen Eltern mit unzureichender Bildung hineingeboren, die auf Sozialleistungen angewiesen sind. Daher sind die Chancen für Roma-Kinder, in der Gesellschaft voranzukommen und aufzusteigen, im Vergleich zu ihren Altersgenossinnen und Altersgenossen anderer ethnischer Gruppen in Mazedonien deutlich geringer. Einige der Ursachen des Problems liegen in der sehr niedrigen Besuchsrate von Vorschuleinrichtungen und den geringen Kenntnissen der mazedonischen Sprache, was alles zur sozialen Ausgrenzung und zur erschwerten Integration mit nicht-roma Kindern führt. Dies stellt auch ein Problem beim Erwerb von Wissen im formalen Bildungsprozess dar, da die Unterrichtsinhalte auf Mazedonisch vermittelt werden. Im Laufe der Zeit wird die Herausforderung, die mazedonische Sprache zu erlernen, zu einem erheblichen Problem, was zu schlechten schulischen Leistungen führt und die Abbruchquoten erhöht.
Seit Beginn ihres Bestehens führt CSI Nadez Aktivitäten mit einer marginalisierten Gruppe von Kindern durch, also mit Kindern mit niedrigem sozioökonomischem Status. Trotz der erreichten Rahmenbedingungen war es unserer Organisation bisher jedoch nicht möglich, die Anforderungen zu erfüllen, die für eine Bewerbung um eine staatliche Akkreditierung notwendig sind.“
Die staatliche Akkreditierung ist Voraussetzung, um sich um Förderung von sozialen Diensten durch den mazedonischen Staat bewerben zu können. Um die Akkreditierung zu erreichen, wurden mit der Unterstützung durch die Partnerförderung unter anderem folgende Maßnahmen umgesetzt:
- Teeküche: Eine Teeküche wurde eingerichtet, um täglich Frühstück für die Kinder zuzubereiten.
- Sicherheitsmaßnahmen:
- Austausch der alten elektrischen Beleuchtung zur Verbesserung von Sicherheit und Effizienz
- Wartung aller Feuerlöscher zur Einhaltung der Sicherheitsstandards
- Austausch von Türschwellen durch barrierefreie Türen - Anschaffung von Möbeln:
- Kauf von zwei neuen Tischen, acht Stühlen für Vorschulkinder und zwei Kinderbetten - Heizung und Kühlung:
- Installation einer neuen Inverter-Klimaanlage zur besseren Regulierung der Raumtemperatur - Ästhetische Verbesserungen:
- Die Wände des gesamten Zentrums wurden gestrichen, um eine einladende und saubere Umgebung zu schaffen. - Bildungsaktivitäten
In den Sommermonaten wurde eine Gruppe von 20 Roma-Kindern im Alter von 5 bis 6 Jahren ausgewählt, um sie auf den Schulbeginn im Herbst vorzubereiten. Darüber hinaus wurden Aktivitäten durchgeführt, um die psychophysische Bereitschaft jedes Kindes zu erfassen.
Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit?
Grundlage dieser Partnerförderung ist ein sogenanntes Partnerprofil, in dem die Organisation ihre Ziele, Arbeitsbereiche und ihr Charisma, das heißt eine aus dem Glauben erwachsende die Gemeinschaft prägende Motivation, beschreibt. In einer Partnervereinbarung verpflichten sich die Partnerorganisationen zum Einsatz der Gelder im Rahmen dieses Profils und zur jährlichen Berichterstattung. Bestandteil des Profils ist auch die Auskunft der Organisation über Leitlinien und Maßnahmen zur Prävention sexualisierter Gewalt. Bei gravierenden Mängeln in der Umsetzung oder bei mangelhafter Berichterstattung kann die Förderung jederzeit eingestellt werden.
Den Partnerorganisationen verschafft die längerfristige Vereinbarung Planungssicherheit und Flexibilität. In unvorhersehbaren Notlagen können die Gelder eine Hilfe sein, da sie frei eingesetzt werden können. Auf der Basis der Berichte werden die Gelder für das Folgejahr ausgezahlt.
Wie hat sich die Förderung entwickelt?
Finanzielle Unterstützung für den globalen Süden leistet das Bistum seit Gründung 1958. Die Art und Weise hat sich bis zur heute geltenden Partnerförderung über die Jahrzehnte stetig verändert und entwickelt, wie der historische Abriss zeigt:
Pauschale Unterstützung von Ordensleuten in der Mission
Seit Gründung wurden die aus der neuen Diözese stammenden Missionarinnen und Missionare im weltkirchlichen Dienst zunächst mit pauschalen Summen unterstützt. Viele Ordensleute lebten in sehr armen Ortskirchen und konnten auch von ihren Gemeinschaften kaum Unterstützung über das Nötigste hinaus bekommen. So wollte die Heimatdiözese durch den Missionsfonds finanziell dazu beitragen, dass die Arbeit der Missionarinnen und Missionare fruchtbar werden konnte.
Mit den Jahren etablierten viele Ordensleute im weltkirchlichen missionarischen Dienst feste Spenderkreise, zum Beispiel in ihren Heimatgemeinden, ihren Familien oder auf der Basis von Gemeindepartnerschaften und Eine-Welt-Kreisen, die vor allem in den 60er und 70er Jahren vielerorts gegründet wurden.
Öffnung der Unterstützung und Förderung von Projekten
Für den Missionsfonds führte dies allmählich zu einem Paradigmenwandel: weg von der personenbezogenen zu einer projektbezogenen Unterstützung. Missionarinnen und Missionare aus dem Bistum Essen, aber auch Ordensleute, Priester oder kirchliche Organisationen aus dem globalen Süden ohne Verbindung nach Essen konnten Anträge auf Finanzierung konkreter Vorhaben stellen. Diese Projekte mussten sich orientieren an den pastoralen und sozialen Bedürfnissen und Rechten von Menschen und eine möglichst nachhaltige Wirkung für die Gemeinschaft haben.
Beispiel-Projekte für die Öffnung der Förderung
Was wurde gefördert?
Das Krankenhaus Attat Hospital wurde 1953 von den Missionsärztlichen Schwestern MMS gegründet und gehört der Katholischen Kirche Äthiopiens. Es wird bis heute von den Missionsärztlichen Schwestern geleitet. Der Krankenhausbetrieb wurde in einem ehemaligen Schulgebäude begonnen. Das Spektrum der Behandlungen wuchs seit Gründung beständig, die Zahl der Patienten stieg dramatisch, so dass die Räumlichkeiten nicht mehr ausreichten. Im Jahr 2011 wurde aus Mitteln des Missionsfonds die Erweiterung des Krankenhauses unterstützt. Es entstanden unter anderem ein Notfallraum, eine Erweiterung des Labors und des OP-Bereichs, zusätzliche Konsultationsräume für die gewachsene Zahl von Ärzten, weitere Behandlungsräume, Duschen und Toiletten für das Personal.
Warum wurde das Projekt gefördert?
Das Attat Hospital betreut ein Einzugsgebiet von ca. 800.000 Menschen mit einem Radius von 100 Kilometern. In der armen Region ist es für viele Menschen die einzige Anlaufstelle. Zudem bietet es zahlreichen Mitarbeiter*innen Lohn und Brot.
Welche Beziehung gibt es zum Bistum Essen?
Die Missionsärztlichen Schwestern haben drei Niederlassungen im Bistum Essen.
Was wurde gefördert?
Auf dem Gebiet der Diözese Chosica in der peruanischen Hauptstadt Lima liegt das Gefängnis San Juan de Lurigacho. In dem Männergefängnis saßen 2012 rund 2600 Straftäter ein. Das Zusammenleben in großen Haftblöcken ist von Gewalt, Drogen und Korruption geprägt. Die Gefängnispastoral, unterstützt von faast 40 meist ehrenamtlichen Helfern, bietet Hilfe in den Bereichen Gesundheit und Rechtsberatung an und kümmert sich um besonders vulnerable Gruppen wie HIV-positive Männer, psychisch Kranke und andere. Um die Arbeit auch außerhalb der Gefängnismauern organisieren zu können, wurde in unmittelbarer Nähe der Haftanstalt ein Haus für die Betreuung und Beratung von Familienangehörigen und die Begleitung von entlassenen Straftätern gekauft. Dieses Haus wurde mit Unterstützung aus dem Missionsfonds für die Bedürfnisse der Gefängnispastoral um- und ausgebaut (Büro, Gruppenräume, sanitäre Anlagen).
Warum wurde das Projekt gefördert?
Die Verhältnisse in dem riesigen Männergefängnis sind humanitär schwierig. Selten bekommen Inhaftierte ein rechtsstaatliches Verfahren. Insbesondere Jugendliche sind den gewaltsamen und korrupten Verhältnissen schutzlos ausgeliefert. Die Gefängnispastoral leistet Dienst an den Niedrigsten der Gesellschaft.
Welche Beziehung gibt es zum Bistum Essen?
Der Essener Diözesanpriester Norbert Nikolai war als Fidei Donum Priester ab Anfang 2012 für Gefängnispastoral im Männergefängnis zuständig.
Was wurde gefördert?
In dem Ort Eikwe in der Diözese Tahoradi in Ghana versorgt das St. Martin de Porres Hospital 2012 die arme Landbevölkerung in einem Umkreis von rund 100 Kilometern. Die Klinik mit dem Schwerpunkt Geburtshilfe hatte sich von einer kleinen Ambulanz zu einem Distrikt-Hospital entwickelt. Angesichts von 120 großen Operationen monatlich in engen, baufällig gewordenen Räumen führte zu einem Vergrößerungsbau mit standardgerechter Einrichtung, z.B. einer Sauerstoffanlage.
Warum wurde das Projekt gefördert?
Das Krankenhaus in Trägerschaft der Katholischen Kirche Ghana ist wichtige Anlaufstelle für die arme Bevölkerung der Gegend.
Welche Beziehung gibt es zum Bistum Essen?
Sr. Irmgard Holtkötter vom Säkularinstitut „Gemeinschaft der Missionshelferinnen“ war lange Jahre als Schatzmeisterin des Krankenhauses tätig und stammte aus dem Bistum Essen
Unter welchen Voraussetzungen wurde gefördert?
Anträge auf Unterstützung umfassten die Schilderung des Vorhabens, das Ziel und den Nutzen für die Menschen vor Ort, eine Stellungnahme von Ordensoberen oder Bischöfen sowie Kosten- und Finanzierungspläne. Klassische Anliegen aus diesen Jahren waren zum Beispiel der Kauf eines Mopeds für die Mobilität der Seelsorger in großen Gemeinden, der Bau von Toilettenanlagen zur Verbesserung der Hygienesituation an Schulen oder in Waisenheimen bis hin zur technischen Ausstattung von Ordenshäusern oder Bildungseinrichtungen. Projekte aus sehr armen Regionen sollten besonders berücksichtigt werden. Anträge durften nicht durch Einzelpersonen für sie persönlich, sondern nur eingebunden in Institutionen wie Pfarreien, Diözesen oder Ordensgemeinschaften bzw. NGOs gestellt werden.
Was wurde gefördert?
Die Ordensgemeinschaft der Vinzentiner ist in Indien in vielen Diözesen in der Seelsorge aktiv, so auch in der südindischen Provinz im Bistum Trichy. Die christlichen Gemeinden erstrecken sich in der Regel über weite Gebiete; die christlichen Familien leben verstreut auf dem Land. Die Menschen leben von Ackerbau, der durch ausfallende oder verschobene Regenzeiten schon seit Jahrzehnten schwieriger geworden ist. Seelsorge bezieht sich auf die Feier der Eucharistie, die Sakramentenpastoral ebenso wie auf die ganzheitliche Unterstützung der Bewohner*innen. Der Priester ist oft das einzige Verbindungsstück zu staatlichen Vertretern und der kleinen Gemeinschaften untereinander. Für die Distanzen zu den kleinen Außenstationen der Pfarrei Periyakulathupatty wurde der Kauf eines Mopeds ermöglicht, um in Verbindung mit den Gemeindemitgliedern zu bleiben.
Warum wurde das Projekt gefördert?
Auch wenn im Süden Indiens die Zahl der Katholiken höher ist als in vielen Regionen des Nordens, gehören die Christen zu einer bedrängten Minderheit. Die Verbundenheit über den Priester ist eine Hilfe für die Menschen, da sich diese neben der Seelsorge im engeren Sinne auch für die Belange der Bevölkerung bei den Behörden einsetzen. Durch relativ geringe Unterstützungssummen kann viel erreicht werden.
Was wurde gefördert?
Burkina Faso gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und spürt schon seit Jahrzehnten die Folgen des Klimawandels für die Ernährungssicherheit. Die Priestervereinigung des Bistums Dédougou hat auf Anregung des Bischofs eine Geflügelzucht begonnen. Für die Erzeugung des Futters hat das Bistum Gelände zur Verfügung gestellt. Durch den Verkauf soll Einkommen generiert werden, das in die Pastoralarbeit investiert werden soll. Aus dem Missionsfonds wurde der Aufbau der Zucht (Anschaffung von Küken, Bau von Ställen) als einkommengenerierende Maßnahme unterstützt.
Warum wurde das Projekt gefördert?
Einkommengenerierende Maßnahmen erhöhen die Selbstwirksamkeit der aktiven Menschen und setzen Entwicklungsprozesse in Gang. Die Initiative der Priestergemeinschaft hat Vorbildcharakter.
Herausbildung von Schwerpunkten
Angesichts der Vielzahl von Anträgen aus aller Welt und begrenzter Mittel wurden vor allem in den 2000er Jahren Schwerpunkte für die Förderung festgelegt. Neben Projekten der Essener Missionarinnen und Missionare wurden Bildung und Frauenförderung vorrangig berücksichtigt.
Was wurde gefördert?
Die Ordensgemeinschaft Sisters of St. Mary leiten in der Diözese Coimbatore ein Kinderheim und ein Ausbildungszentrum, in dem vor allem Jugendliche aus niederen Kasten gefördert werden. Die Menschen der Region sind zu 60 Prozent Analphabeten. Durch die gesellschaftliche Ächtung entwickelt sich eine Mentalität der Resignation und Ohnmacht. Die Schwestern wollen dem durch ein Bildungsangebot entgegenwirken. Neben dem Schulunterricht bietet das Ausbildungszentrum auch einen Rahmen für die freie Zeit. Für den gesamten Betrieb ist eine zuverlässige Stromversorgung nötig; der Strom fällt jedoch täglich immer wieder für Stunden aus. Mit den Mitteln aus dem Missionsfonds wurde ein Generator angeschafft, um die Stromversorgung zu stabilisieren.
Warum wurde das Projekt gefördert?
Die Arbeit der Schwestern konzentriert sich auf die Ärmsten und dabei auf Bildung als Voraussetzung für jegliche Form von Entwicklung.
Damit flossen die Erfahrungen der großen weltkirchlichen Hilfswerke missio, Misereor, Adveniat und Renovabis sowie Erkenntnisse aus der allgemeinen Entwicklungszusammenarbeit ein, dass Bildung eine elementare Voraussetzung für Entwicklung darstellt und dass durch die Förderung von Frauen besondere Strahlkraft zu erreichen ist.
Mehr Nachhaltigkeit durch Kooperation
Mit der Zeit wurden vermehrt auch umfangreichere Projekte gefördert in der Hoffnung auf nachhaltige Wirkung. Es kam zu Kofinanzierungen mit anderen Diözesen. Um Verbindungen zwischen dem Bistum und der Weltkirche zu stärken, fanden Projekte mit einer lebendigen Beziehung zum Bistum (Gemeindepartnerschaften und Solidaritätskreise, Niederlassungen von Ordensgemeinschaften mit Präsenz im Bistum) besondere Beachtung. Ab 2009 galt dies auch für die Einsatzstellen unseres Freiwilligendienstes „Seitenwechsel“ (Link). Alle Projektanträge sollten nachhaltig geplant sein; außerdem sollte der Antragsteller möglichst eine Eigenleistung (finanziell oder auch durch Arbeitsstunden) beitragen.
Start der Partnerförderung
Um die finanziellen Ressourcen besonders effizient einzusetzen und die Gestaltungsräume der Partner zu stärken, kam es in 2021 es zu einem zweiten Paradigmenwechsel: von der Projekt- zur oben genannten Partnerförderung. Wurden die Gelder des Missionsfonds bis dahin für einzelne Maßnahmen bewilligt, so fließen sie seither für die Zwecke einer Organisation als ganzer. Das Anliegen einer gestärkten weltkirchlichen Zusammenarbeit des Bistums Essen hat dabei weiter Kontinuität, da alle Partnerorganisationen eine lebendige Beziehung zum Bistum haben bzw. eine langjährige und bewährte Projektzusammenarbeit besteht. Die Veränderungen der finanziellen Unterstützung spiegeln - wie der Blick auf die Geschichte des Missionsfonds zeigt - ein sich wandelndes Bewusstsein wider.
Finanzielle Unterstützung als eine Option des Reiches Gottes
Tatkräftig Not und Armut zu lindern, auch durch materielle Hilfe, ist authentischer Ausdruck des christlichen Glaubens. Denn Christinnen und Christen sind berufen, am Reich Gottes mitzuwirken. Erfahrbar wird die Verheißung dieses Reiches dadurch, dass Menschen einander als Ebenbilder Gottes er- und anerkennen, füreinander eintreten und versuchen, würdevolle Lebensumstände für alle zu verwirklichen. Wenn dies gelingt, wird Gemeinschaft miteinander, aber vor allem auch mit Christus erfahrbar: „Alles, was ihr für eines meiner geringsten Geschwister getan habt, das habt ihr mir getan“ (Matthäus-Evangelium, Kapitel 25, Vers 40; Übersetzung: Bibel in gerechter Sprache)
Augenhöhe, Respekt, Würde: eine ständige Herausforderung
Der Umgang mit finanzieller Unterstützung ist jedoch für Gebende wie für Nehmende eine Herausforderung angesichts des Anspruchs aller Menschen auf eine gleichberechtigte, respektvolle Beziehung. Wechselseitige Stereotype (arm – reich; gebildet – ungebildet; überlegen – unterlegen…) können den Subtext des Miteinanders bilden. Aktuelle Diskussionen legen nahe, hinter diesen Herausforderungen auch die Wirksamkeit – oft unbewusster – Mechanismen einer jahrhundertelangen Geschichte von Eurozentrismus, Kolonialismus und Über-/ Unterlegenheitsvorstellungen im Verhältnis von Europa zum „globalen Süden“, zwischen „Weiß“ und „Schwarz“, zwischen „entwickelter“ und „zu entwickelnder“ Welt zu sehen.
Sich diese Mechanismen mehr und mehr bewusst zu machen, fordert zu steter Reflexion gerade in der Projektzusammenarbeit heraus. Wie kann Augenhöhe gelingen, wenn es Gebende und Nehmende gibt? Wie gelingt echter Austausch von Argumenten, Expertise und Sichtweisen, um bestmögliche Lösungen zu finden? Wie lassen sich Rechenschaftspflicht über die Verwendung von Geldern und die Kontrolle von Kriterien verwirklichen, ohne in eine Ebenenverschiedenheit zu rutschen?
Offen für Veränderungen
Projektzusammenarbeit muss sich diesen Fragen auf einem Weg der ständigen Reflexion und (Selbst)überprüfung immer wieder stellen, damit Stereotype wahrgenommen und abgebaut und Augenhöhe, Partnerschaftlichkeit und Gemeinschaft verwirklicht werden können. Dieser Prozess ist nicht abgeschlossen und wird auch in Zukunft zu Anpassungen führen.
Sie haben Fragen, Anregungen, Hinweise?
Referentin für Weltkirche und Mission
Dorothea Meilwes
Zwölfling 16
45217 Essen
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