Wie entwickeln sich die Finanzen des Bistums Essen?

In den Wirtschaftswunderjahren rund um die Bistumsgründung 1958 konnte die Diözese noch auf vergleichsweise hohe Kirchensteuereinnahmen setzen, unter anderem von den vielen katholischen Bergleuten und Stahlarbeitern. Doch mit den Zechenschließungen ab Anfang der 1960er Jahre begann der Niedergang der Montanindustrie und die bis heute andauernde Strukturschwäche des Ruhrgebiets. Da das Bistum Essen kaum über nennenswerte Vermögen wie Immobilien verfügt, um Erträge zu generieren, sind die Kirchensteuereinnahmen die mit weitem Abstand wichtigste Ertragsquelle. Da diese jedoch maßgeblich von der Beschäftigungsquote der Kirchenmitglieder und deren individuellen Einkommen abhängt, lässt sich hier die vergleichsweise schwache Wirtschaftsleistung der Region ablesen: Im Vergleich aller deutschen Bistümer liegt das Bistum Essen bei der durchschnittlichen Pro-Kopf-Kirchensteuerzahlung im unteren Drittel. 

Diese Situation verschärft sich durch eine kontinuierlich sinkende Zahl an Kirchenmitgliedern – ein Effekt, der durch den demographischen Wandel noch verstärkt wird. Zählte das Bistum Essen in den Anfangsjahren gut 1,4 Millionen Mitglieder, sind es seit 2024 weniger als 650.000. Dies liegt daran, dass das Bistum vor allem durch Sterbefälle und Kirchenaustritte mehr Mitglieder verliert, als durch Taufen und Ein- oder Übertritte hinzukommen. Der demographische Wandel beschleunigt diese Entwicklung: Wenn derzeit die geburtenstarken Jahrgänge der „Baby-Boomer“ in den Ruhestand gehen, scheiden damit auch deutlich mehr – in der Regel gutverdienende – Kirchenmitglieder aus dem Arbeitsleben aus als in den jüngeren Generationen hinzukommen. 

Auf diese Veränderungen reagiert das Bistum Essen seit mehr als 20 Jahren mit strukturellen Anpassungen: So wurden Verwaltungsprozesse optimiert, Pfarrei- und Seelsorgestrukturen zusammengelegt und nicht mehr benötigte Immobilien umgenutzt oder verkauft. In den vergangenen Jahren haben sich die Pfarreien in den Pfarreientwicklungsprozessen intensiv mit den inhaltlichen Perspektiven ihrer Arbeit und den hierfür zur Verfügung stehenden Ressourcen beschäftigt. Seit 2024 zielt das Bistum mit dem Entwicklungsprozess „Christlich leben. Mittendrin.“ darauf ab alle unterschiedlichen katholischen Handelnden von den Pfarreien über die Caritasverbände, die Schulen und Kindertageseinrichtungen bis hin zu vielen weiteren sozialen und pastoralen Anbietern in regionalen christlichen Netzwerken zusammenzuführen. Dadurch soll es gelingen, auch als kleiner gewordene Kirche weiterhin in der Gesellschaft präsent zu sein. 

Weil sich der Rückgang der Mitgliederzahlen in den vergangenen Jahren deutlich beschleunigt hat, stehen dem gesamten Bistum in den kommenden Jahren noch einmal deutlich geringere Finanzmittel als in den vergangenen Jahrzehnten zur Verfügung. Anfang 2026 hat das Bistum Essen deshalb angekündigt, bis zum Jahr 2038 schrittweise – und angepasst an sich verändernde Rahmenbedingungen – ein dauerhaftes Einsparvolumen von rund 50 Millionen Euro zu erzielen. Kein Bereich wird von Einsparungen ausgeschlossen sein. Auch in einem schwierigen Umfeld unterstützt das Bistum Essen zukunftsgerichtet innovative Ideen für die Entwicklung der Kirche.  Hier berät und unterstützt beispielsweise das Team des Innovationslabors – mit Know-how, Vernetzungsmöglichkeiten und finanziellen Förderungen. 

Ansprechperson

Leitung Ressort Finanzen & IT | Ökonomin des Bistums

Dr. Mechthild Lütke Kleimann

Zwölfling 16
45127 Essen