Arbeitnehmerrat im Bistum Essen
Der Arbeitnehmerrat im Bistum Essen ist das ‚jüngste Kind‘ in der Gruppe der berufsorientierten Räte im Ruhrbistum. Er berät den Bischof in allen Fragen von Berufs- und Arbeitswelt. Der Arbeitnehmerrat setzt sich aus Betriebs- und Personalräten sowie Vertrauensleuten der Schwerbehinderten zusammen. Zur Zeit besteht der Arbeitnehmerrat aus 12 Mitgliedern, die aus den unterschiedlichsten beruflichen Bereichen stammen.
Der Arbeitnehmerrat im Bistum Essen ist zwar der jüngste Rat im Ruhrbistum, allerdings kann er auf eine lange und traditionsreiche Arbeit zurückschauen. Bereits bei der Gründung des Bistums Essen benannte der Gründungsbischof Dr. Franz Hengsbach Männer, die eine Betriebsseelsorge-Arbeit für das Bistum aufbauten.
Seit den frühen siebziger Jahren fand dann regelmäßig einmal im Jahr eine Diözesankonferenz für Betriebs- und Personalräte sowie für die Vertrauensleute der Schwerbehinderten statt. Diese Konferenz gibt es noch heute; sie liegt jetzt in der Verantwortung des Arbeitnehmerrates.
Betriebs- und Personalrätekonferenzen im Bistum Essen
ausgewählte Themen der letzten Jahre
2007 Teilhabe an der Gesellschaft – Überwinden von Vorurteilen
(Integration von Schwerbehinderten in den Arbeitsmarkt)
Minister Karl-Josef Laumann, Düsseldorf
2006 Für die Zukunft der Arbeit und die Würde des Menschen
Ingrid Sehrbrock, Stellv. Bundesvorsitzende des DGB
2005 Durch Flexibilisierung mehr Arbeitsplätze für das Ruhrgebiet schaffen
Minister Karl-Josef Laumann, Düsseldorf
2004 Arbeitsplätze um jeden Preis? Mindestlohn und Niedriglöhne im Spannungsfeld von Tarifrecht und Arbeitsplatzbeschaffung
Dr. Claudia Weinkopf, Forschungsdirektorin IAT Gelsenkirchen
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2000 Verantwortung, Weitsicht und Zukunftsfähigkeit – Voraussetzungen und Lösungen für eine zukünftige Rentenpolitik
Dr. Mathias Meyer, Leiter der Zentralstelle für gesellschaftliche Fragen der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn
Walter Haas, Vorsitzender des DGB Landesbezirks NRW, Düsseldorf
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1998 Noch Chancen für uns und unsere Kinder – Die Zukunft der Erwerbsarbeit in NRW
Prof. Dr. Friedhelm Farthmann, MdL (SPD), Vorsitzender der Enquête-Kommission, Düsseldorf
1997 Zukunft für Arbeit durch Sicherung und Weiterentwicklung betrieblicher Partnerschaft
Dieter Schulte, Bundesvorsitzender des DGB, Düsseldorf
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1992 Frauen doppelt belastet – Aktuelle Herausforderungen für eine gerechte Gestaltung der Arbeitswelt
Petra Erbrath, Bundesgeschäftsführerin der kfd Bereich "Berufstätige Frauen"
Statement des Arbeitnehmerrates anl. des Bistumsjubiläums 2008
"Jeder Mensch hat das Recht auf Arbeit. Deshalb wollen wir Vollbeschäftigung. Arbeit muss menschenwürdig sein. Deshalb wollen wir Gute Arbeit." (Leitantrag des SPD Parteivorstandes, Sommer 2007)
Jenseits aller parteipolitischen Unterschiede und Differenzen muss man konstatieren, dass diese Aussage den Kern eines alle gesellschaftlichen Gruppierungen betreffenden Problems trifft. Dieses kontrovers diskutierte Problem wird u.a. mit folgenden Schlagworten politisiert:
"Gute Arbeit und gerechte Löhne für alle", "Gleiche Arbeit – Gleiches Geld", "Gleiche Arbeit – Gleiche Rechte" oder die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit
Die mit derzeit rund 3,5 Millionen Menschen noch immer sehr hohe Arbeitslosigkeit in Deutschland (Stand Mai 2008) grenzt viele Menschen aus. Der Abstand zwischen Arm und Reich vergrößert sich weiter. Aktuelle Statistiken sprechen davon, dass bald jeder fünfte Bundesbürger als arm gilt. Das bedeutet er hat weniger als 60 % des durchschnittlichen Einkommens zur Verfügung. Dabei erfordert auch heute ein Leben in Würde, die Chance auf Arbeit, und das zu guten und fairen Bedingungen. Jede Frau und jeder Mann muss in Würde arbeiten können. Dazu gehören u.a.:
- faire und gute Arbeitsbedingungen,
- die so oft zitierte und noch immer nicht erreichte Vereinbarkeit von Beruf und Familie,
- Arbeits- und Gesundheitsschutz,
- Schutz vor Diskriminierung und sexueller Belästigung.
Beschäftigung – Arbeit – hat eine allgemein akzeptierte, hohe gesellschaftspolitische Bedeutung. Auch der Arbeitnehmerrat im Bistum Essen sieht in der Beschäftigung das zentrale Element, was die Welt zusammenhält!
Schon das II. Vatikanische Konzil stellte fest, "dass die Arbeit ein Grundrecht und ein Gut für den Menschen ist". In der päpstlichen Enzyklika ‚Laborem exercens‘, die sich ausschließlich mit der Bedeutung der Arbeit befasst, wird von Papst Johannes Paul II noch einmal betont, daß die menschliche Arbeit ein Dreh- und Angelpunkt ist, der sich als der entscheidende Dreh- und Angelpunkt der sozialen Frage erweist: Arbeit hat Vorrang vor dem Kapital". Und auch bei seinem Besuch im Ruhrbistum 1987 stellte er bei einer Ansprache über die "Welt der Arbeit" auf dem Bergwerk Prosper – Haniel in Bottrop unmissverständlich fest: "Die Arbeit gehört zum Menschen. Sie ist Ausdruck seiner Ebenbildlichkeit mit Gott und so unverzichtbarer Bestand menschlicher Würde".
Vor dem Hintergrund der zunehmend größer werdenden Kluft zwischen Arm und Reich drängt sich jedoch die Frage auf, ob unser System in der Bundesrepublik überhaupt noch sozial gerecht ist? Im Zeitalter der Globalisierung, der Fusionen von Großkonzernen zu multinationalen Konzernen, der Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen und Betriebe zum Zwecke kurzfristiger Gewinne und der weiterhin hohen Arbeitslosigkeit sehen sich immer mehr Menschen als Verlierer dieser Entwicklungen. Wo Unternehmensverlagerungen stattfinden und somit Arbeitsplätze in Gefahr sind, weil lediglich nicht genug Profit am jeweiligen Standort erwirtschaftet wird, mehren sich die Ängste der Menschen. Wie steht es da noch um den Wert der Aussage "Eigentum verpflichtet", wenn die Unternehmens-Shareholder entscheiden, wo die Reise hingeht und wo die größten Gewinne zu realisieren sind? Unser christliches Selbstverständnis verpflichtet uns dazu, die Menschen mit ihren berechtigten Ängsten sowohl ernst zu nehmen als auch mitzunehmen. Wir können nicht mehr so weitermachen wie bisher! Es geht darum den erkennbar stattfindenden Veränderungsprozess zu gestalten und nicht grundsätzlich zu verteufeln. Bislang dominieren Negativbeispiele die allgemeine Warnung. Dabei beinhalten Veränderungen nicht per se eine Bedrohung des Status quo im Sinn von Auflösung bisheriger Normen und Lebensdeutungen, sondern können vielmehr auch Aufbruch zu neuen Ufern, zu neuen Herausforderungen und Chancen bedeuten. Der Veränderungsprozess bedarf jedoch der sittlichen Gestaltung. Dieser sittlichen Gestaltung im christlichen Selbstverständnis hat sich der Arbeitnehmerrat im Bistum Essen verschrieben.
Der Arbeitnehmerrat im Bistum Essen sieht sich verpflichtet den Finger mahnend in die vorhandenen Wunden zu legen. Dabei kann und will er keine Option treffen für ein parteipolitisch bestimmtes gesellschaftliches und wirtschaftliches System. Er hat jedoch das Recht und die Pflicht, auf die hier angesprochenen Gerechtigkeitslücken und gesellschaftlichen Widersprüche hinzuweis
- Es ist nicht zu verstehen, dass die hohe Arbeitslosigkeit trotz zahlreicher Reformen nicht zu stoppen ist. An diesen Zustand dürfen wir uns nicht gewöhnen!
- Es ist nicht zu verstehen, dass Wettläufe um Steuersenkungen und Steuerprivilegien sowie Sozialdumping zwischen Industrieländern von den nationalen Regierungen nicht aktiv bekämpft werden.
- Es ist nicht zu verstehen, dass innerhalb eines Jahrzehnts der Anteil der Geringverdiener im sogenannten Niedriglohnsektor von 15 auf 22 % gestiegen ist. Das sind 6,5 Millionen Beschäftigte, die für weniger als 7 Euro Lohn pro Stunde arbeiten, was somit auch bei Vollbeschäftigung nicht das Existenzminimum sichert.
- Es ist nicht zu verstehen, dass junge Menschen mit einem Hauptschulabschluss weniger Chancen auf dem Ausbildungsmarkt haben.
- Es ist nicht zu verstehen, dass Eltern, insbesondere Frauen, sich immer noch zwischen Kind oder Karriere entscheiden müssen, und somit häufig qualifiziertes Fachwissen ungenutzt bleibt.
- Es ist nicht zu verstehen, dass auf der einen Seite ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer keine Stelle mehr finden - auf der anderen Seite aber von Unternehmen beklagt wird, dass immer mehr betrieblicher Sachverstand und technisches Know-how verloren gehen.
- Es ist nicht zu verstehen, dass Schwerbehinderte, die denselben Arbeitswillen, das gleiche Engagement, dieselbe Kompetenz aufbringen wie Berufstätige oder andere Arbeitssuchende, vielerorts keine Chance auf einen Arbeitsplatz bekommen.
Thomas Schlenz, Sprecher des Arbeitnehmerrates


