spannend, geheimnisvoll, anders ...

Auch im Jahr 2013 lädt das Katholische Bibelwerk im Bistum Essen zu biblischen Samstagen ein. Die Themen dieses Jahres orientieren sich am Motiv des Weges.
Dass der persönliche Glaube sich im Laufe des eigenen Lebens verändert und entwickelt, spürt jeder Mensch. Auch die Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden ist immer unterwegs und setzt sich in dieser Zeit vor allem mit ihren inneren und äußeren Wandlungsprozessen auseinander. Wir laden ein, sich auf dem persönlichen Lebensweg und dem Weg mit der Kirche von biblischen Weg-Texten inspirieren zu lassen:
- von der Geschichte von einem von Gott geschenkten befreienden Aufbruch auf einen neuen noch unbekannten Weg (Exodus Israels aus Ägypten)
- von Texten des Markusevangeliums, das uns die Erfahrungen der Menschen mit Jesus und seinen Jünger(innen) vor allem als Erfahrungen auf einem Weg erzählt,
- von der Apostelgeschichte, in deren Texten vom Beginn des Weges der Gemeinschaft Kirche erzählt wird,
- von Psalmen, die in Israel voller Hoffnung auf dem Weg nach Jerusalem gesungen wurden,
- vom Propheten Jona, (dessen Weg vom vorgesehenen abweicht) der seinen sehr eigenen Weg sucht und der Gott als seinen guten Wegbegleiter erfährt,
- und von einem Text, der von einer wichtigen Wegmarke erzählt: der Geschichte von Jakob, der am Ufer des Flusses Jabbok mit Gott ringt.
Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Neugier genügt, ... und ruhig ein wenig „Reisefieber“!
Themen und Termine:
Samstag, 16. Februar 2013, 9.00 - 17.00 Uhr, Kardinal-Hengsbach-Haus: Auswege - Wenn es eng im Leben wird. Exodus - Befreiung als Leitmotiv der Gotteserfahrung Israels. Referent: Bernward Teuwsen, Bremen
Samstag, 20. April 2013, 9.00 - 17.00 Uhr, Kardinal-Hengsbach-Haus: Der Weg der Kirche in ihren Anfängen - Die Apostelgeschichte. Referentin: Dr. Esther Brünenberg-Bußwolder, Ruhr-Universität Bochum
Samstag, 25. Mai 2013, 9.00 - 17.00 Uhr, Kardinal-Hengsbach-Haus: Unterwegs - Kraft für das Leben erfahren. Die Psalmen, die beim Hinaufziehen
nach Jerusalem gesungen werden. Referent: Bernward Teuwsen, Bremen
Samstag, 29. Juni 2013, 9.00 - 17.00 Uhr, Katholisches Stadthaus Mülheim: Jesu Weg mitgehen - Das Markusevangelium. Referentin: Dr. Esther Brünenbrg-Bußwolder, Ruhr-Universität Bochum
Samstag, 28. September 2013, 9.00 - 17.00 Uhr, Katholisches Stadthaus Mülheim: Den eigenen Weg suchen und finden - Die Geschichte des Propheten Jona. Referentin: Leonie Türnau, Mülheim
Samstag, 16. November 2013, 9.00 - 17.00 Uhr, Kardinal-Hengsbach-Haus: Bewegt - Wo ein Wille, da ein Weg?! Ich lasse nicht los, es sei denn ... - Die Geschichte von der Begegnung Jakobs am Jabbok. Referent: Bernward Teuwsen, Bremen
Den Programmflyer (PDF) können Sie hier herunterladen.
Anmeldung jeweils bis eine Woche vorher: 0208/3083-136 (Katholisches Bildungswerk Mülheim)
Teilnahmegebühr: jeweils 30,- € (incl. Kaffee und Mittagessen)
Katholisches Bibelwerk im Bistum Essen / Katholisches Bildungswerk Mülheim, Althofstraße 8, 45468 Mülheim an der Ruhr, Tel. 0208/3083-136, Mail: bw.muelheim(at)bistum-essen.de
Bildimpuls

Pause
Jesus im Kreis seiner Jünger. Es fällt schwer, diese Skizze des jungen Rembrandt - 1634 ist sie entstanden - einer bestimmten Szene aus den Evangelien zuzuordnen. Aber das ist auch gar nicht beabsichtigt. Zeit und Raum bleiben unbestimmt. Das Bild sagt so: Immer wieder. Und überall. Und vielleicht dürfen wir hinzufügen: Und auch heute.
Weil das Bild eine offene Situation zeigt, können wir es im Licht ganz verschiedener Texte betrachten, Mir fällt eine Szene ein, die nur der Evangelist Markus so erzählt. Und wo ich Jesus richtig sympathisch finde. Dieses Gefühl fällt mir bei Jesus meistens sehr schwer. Der Abstand ist so riesig, Zeiten und äume liegen als Distanz zwischen ihm und mir. Und die biblischen Erzählungen bringen ihn mir in der Regel auch nicht näher. Aber: Es gibt ein paar Ausnahmen. Da kommt bei mir dieses Gefühl auf: Wie sympathisch! Richtig in Ordnung, der Mann. Freut mich wirklich, ihn kennen zu lernen! Zum Beispiel diese wenigen Verse aus dem Markusevangelium (6,30f.):
Die Apostel versammelten sich wieder bei Jesus und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. Da sagte er zu ihnen: Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus. Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen. Sie fuhren also mit dem Bott in eine einsame Gegend, um allein zu sein.
Das ist die Situation: Sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen. Der Zulauf ist riesig. Es boomt, würden wir heute sagen. Die Exegeten nennen diese so erfolgreiche Zeit am Anfang des öffentlichen Wirkens Jesu manchmal den "galiläischen Frühling". Jesus und seine Jünger tragen die frohe Botschaft zu den Menschen, und die Menschen warten gar nicht erst, bis die Botschaft zu ihnen kommt. Sie selbst strömen herbei. Drängeln sich zu Jesus und seinen Jüngern. So weit, so gt; man könnte fast neidisch werden. Aber irgendwann reicht's. Und Jesus erkennt diese Situation. Und sagt: Leute, jetzt lasst mal gut sein. Pause.
Ein Strom von Wärem fließt aus diesen Worten: "Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus." Tut das gut! Nicht nur den JÜngern damals. Ist das nicht auch ein Traum von einem Chef? Der weiß, was seine Leute brauchen? Auch wenn die Arbeit noch so wichtig ist. Und die Not der Menschen groß. Jesus sagt: "pausasthe". Ja, das deutsche Wort "Pause" kommt von dem griechischen Wort, was da im Markusevangelium steht. Hört auf, ruht euch aus.
Das ist übrigens nicht nur menschlich und sympathisch. Sondern auch vernünftig. Es ist unsinnig, sich kaputt zu malochen. Auch nicht für eine gute Sache. Auch nicht im "Weinberg des Herrn", im Dienst am Nächsten, für Gemeinde und Kirche. Wir hören hier eindeutig: Das ist nicht im Sinne des Erfinders. Einsatz und Engagement sind wichtig und lobenswert, aber nicht ununterbrochen. Jesus zieht seine Leute für einige Zeit aus dem Verkehr. Ich stell' mir das ganz schön vor: Auszeit mit Jesus. Ich vermute, es gab Brot und Wein und gute Gespräche.
Schauen wir mit diesem Text und diesen Überlegungen auf Rembrandts Skizze. Da wird deutlich, dass ich hier nicht einfach ein Wellness-Gefühl herbeireden wollte. Die Dunkelheit, die die Gruppe der Jünger umfängt, ist ja nicht bloß die abendliche Dämmerung. Man kann sie auch als bedrohlich ud bedrückend empfinden. Die Gesichter mancher Jünger sprechen Bände. Angespannt, besorgt. Die Lage ist ernst. Aber nicht hoffnungslos. Im Innern ihrer Gemeinschaft breitet sich ein Licht aus, das eindeutig von Jesus ausgeht. Der hat Ausstrahlung, im wahrsten Sinne. Nicht des Wortes, sondern des Bildes. Diese Ausstrahlung erreicht nicht alle in gleicher Weise. Aber im hellsten Licht erscheint ausgerechnet einer, der schläft. Ich denke nochmal an die Situation der Müdigkeit und Erschöpfung, die eine Pause nötig macht. Der Jpünger vorn links scheint heimlich zu gähnen und der ganz rechts muss sein Haupt schwer stützen. Und einer schläft. Rembrandt hat ihm jugendlich-weibliche Züge verliehen, so wie sie in der christlichen BIldtradition der Lieblingsjünger trägt. Also noch ein Sympathieträger. Das helle Licht, das über ihm ausgebreitet ist, mag signalisieren: Auch wenn er die Augen geschlossen hat, kriegt er doch jede Menge mit. Vielleicht sollen wir an das berühmte Psalmwort (127,2b) denken: Denn der Herr gibt es den Seinen im Schlaf.
Der Herr: Dass Jesus der Chef im Kreis ist, ist natürlich nicht zu übersehen. Nicht nur wegen seiner "Ausstrahlung". Jesus redet. Das ist die Energiequelle: Sein Wort. Er redet, die andern hören. Und wie er redet. Engagiert ("Hand aufs Herz"), zugewandt, heruasfordernd und gelassen zugleich. So deute ich zumindest die Linke, die in die Hüfte gestemmt ist. Und obwohl Rembrandt Jesus ein wenig über den anderen sitzen lässt, ist er doch ein Teil dieser Gemeinschaft, sitzt mit im Kreis.
Fast hätte ich's vergessen: In diesem erlauchten Kreis ist noch Raum für andere. Die Komposition scheint es darauf anzulegen, dass wir hinzutreten können. Denn die Gruppe schottet sich nicht zum Vordergrund hin ab, sondern hat extra zwei Zugänge offengelassen. Es könnte ja sein, dass weir Platz nehmen wollen. Dass wir dabei sein wollen, bei dieser schönen "Pause". Sollte jemand neidisch werden, kann ich nur sagen: Solche Pausen können Sie haben. Haben wir ständig im Angebot. Sie haben verschiedene schöne Namen. "Sonntag" zum Beispiel. Oder auch "Fastenzeit". Manche kirchlichen Angebote kommen weniger liturgisch-theologisch markant daher und nennen sich "Auszeit" oder "Atempause". Aber gemeint ist immer dasselbe. Das, was Rembrandts Skizze zeigt: Zeit für uns. Gemeinschaft mit Jesus. Hören auf sein Wort.
(Herbert Fendrich)
Lesetipp

Klaus Wengst,
Das Regierungsprogramm des Himmelreichs. Eine Auslegung der Bergpredigt in ihrem jüdischen Kontext,
Stuttgart 2010
Im Mittelpunkt des Buches steht die Auslegung der Kapitel Matthäus 5-7, der Bergpredigt. Dieser Text ist immer als zentraler Text des neuen Testamentes verstanden worden, der den Kern der Botschaft Jesu von Nazaret enthält – und er ist oft als christlicher Grundsatztext gesehen worden, der bewusst im Kontrast zum Judentum der Zeit Jesu formuliert worden sei.
Der Hauptakzent dieses Buches liegt darauf, den Text nicht im Gegensatz zum Judentum zu lesen und zu interpretieren, sondern zu zeigen, dass der Evangelist bei der Zusammenstellung und Ausformulierung des Textes aus dem Reichtum zeitgenössischer rabbinischer Schriftauslegung geschöpft hat. Die Auslegung der einzelnen Kapitel zeichnet sich dadurch aus, dass eine Reihe paralleler Texte aus der rabbinischen Literatur hinzugezogen werden, die die Bedeutung von einzelnen Begriffen und Aussagen weiter erhellen können und erkennen lassen, dass die Bergpredigt ihrem jüdischen Kontext stark verbunden ist.
Die Einladung, den Text nicht gegen das Judentum zu lesen, sondern sich zu seinem tieferen Verständnis auch vom zeitgenössischen Judentum inspirieren zu lassen, wird am Ende des Buches noch einmal formuliert:
„Wir sind die Nachfahren derer aus den Völkern, die sich von Jesu – jüdischer! – Schülerschaft ins Mitlernen haben ziehen lassen. Wir sind die Nachfahren einer Kirche, in der es – anders als im 1. Jahrhundert – schon lange kein gelebtes Judentum mehr gibt. Wir sind Erben einer Trennungsgeschichte, in der sich die Kirche als ‚wahres Israel’ an Israels Stelle gesetzt hat. Diese Substitution ist als Sünde erkannt und bekannt; es ist wahrgenommen, dass Gott seinem Volk treu bleibt und das Volk seinerseits dem zu entsprechen sucht in der Orientierung an der Tora und ihrer weitergehenden Auslegung. Auf diesem Hintergrund können die Feststellungen des matthäischen Jesus über die unbedingte Geltung der Tora bis ins Kleinste und seine Forderung, auch das in der mündlichen Tora Gebotene zu tun und zu bewahren, als Aufforderung aufgenommen werden, mit Israel zu lernen, im Gespräch mit Jüdinnen und Juden die Tora und ihre Auslegung in Geschichte und Gegenwart wahrzunehmen – nicht um das Judentum zu kopieren, sondern um die Tora, die als Teil des Alten Testaments doch auch für uns kanonisch ist, besser zu verstehen und diesen reichen Schatz möglicher ethischer Urteilsbildung auch zu nutzen .... . Dabei wird es auch darum gehen, das für Israel spezifisch Gebotene zu respektieren und nicht verächtlich zu machen.“ (Wengst, Das Regierungsprogramm …, S. 227/228)
Um auch Nicht-Fachleute zu einer Lektüre des Buches zu gewinnen, verzichtet es auf umfangreiche Anmerkungen. In zwei Anhängen finden sich jedoch die Nachweise zu Zitaten aus der Sekundärliteratur und eine kurze Information zu den antiken Schriftstellern und rabbinischen Schriften, die im Text herangezogen wurden.
Klaus Wengst war bis 2007 Inhaber des Lehrstuhls für Neues Testament und Judentumskunde an der Evangelisch-theologischen Fakultät der Ruhruniversität Bochum.

