Zuwendung und Aufmerksamkeit schenken

Einsatz bei der Essenausgabe in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo und Mithelfen im Kindergarten und -hort des dortigen Sozialzentrums der Caritas - auch das gehörte zum Pensum der Schülerinnen des Bischöflichen St. Hildegardis-Gymnasiums Duisburg während ihres Sozialpraktikums auf dem Balkan.

Hildegardis-Schülerinnen waren auch im Kindergarten und Hort in Sarajevo im Einsatz

Während ihres 11-tägigen Sozialpraktikums im Sozialzentrum der Caritas in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo waren Schülerinnen des Bischöflichen St. Hildegardis-Gymnasium nicht nur in der Suppenküche und im Alphabetisierungskurs für Roma-Kinder im Einsatz (Wir berichteten). Auch bei der Essensausgabe in der Stadt sowie im Kindergarten und –hort packten die Schülerinnen mit an.

Immer wieder schaut das Personal in der Suppenküche in Sarajevo auf die Uhr. Alle haben zu tun. Der deftige Gemüseeintopf wird in kleine Behälter gefüllt, das Stangenbrot verpackt und die Paletten mit Yoghurt schon einmal im Kleintransporter verstaut. Auch die Schülerinnen Julia P. und Norina packen mit an. Fahrer Nadim mahnt zur Eile. Er will pünktlich sein. Denn schließlich ist es kalt draußen, und die Menschen an den fünf Ausgabestellen in Sarajevo warten schon sehnsüchtig auf die einzige warme Mahlzeit am Tag, die sie von der Caritas-Suppenküche und dank der Lebensmittelspenden des St. Hildegardis-Gymnasiums und der Hilfe anderer Spender bekommen.


Das es so etwas gibt!

Los geht es auf die gut zweistündige Tour. Der Schnee auf den Straßen macht das Fahren nicht einfach. Nach zehn Minuten ist der Stadtteil Novograd erreicht. Triste Plattenbauten ragen in den grauverhangenen Himmel. Auf einem einsamen Platz stehen ein paar Leute im tiefen Schnee, dick verpackt. Als sie den Transporter mit der Caritas-Logo erblicken, kommt Bewegung in die Gruppe. Auch eine alte, gebeugte Frau macht mühsam ein paar Schritte durch den tiefen Schnee, stützt sich dabei mit aller Kraft auf ihren Stock. Ein kleines Lächeln huscht über die Gesichter, als der Transporter seine Türen öffnet. Endlich etwas zu essen, scheinen die Blicke zu sagen, Blicke der Freude und Dankbarkeit. „Ich habe kein Geld, bin alleinstehend und weiß nicht, wie ich über die Runden kommen soll“, sagt Anica B.. Ohne diese Hilfe wüsste sie nicht, wie es weitergehen soll. Dankbar stopft sie den Eintopf und das Brot in ihre Tasche. Erstaunt blickt sie dabei zu den beiden jungen Schülerinnen aus Deutschland. „Das es so was gibt“, wundert sie sich, „das ist wunderschön.“ Und sie wischt sich eine Träne aus dem Gesicht. „Hvala lepo“ (vielen Dank), stammelt sie noch und stapft durch den Schnee davon. Eine andere Frau holt das Essen für ihre Nachbarin: „Sie ist krank und liegt im Bett“, sagt sie. Da müsse sie doch helfen, auch wenn das bei dem vielen Schnee anstrengend sei.
Schnell sind die Essensportionen verteilt. Ein kleines Pläuschchen gehört auch dazu. Und die Caritasmitarbeiter fragen auch immer wieder, ob Hilfe nötig ist.
Weiter geht es zu den nächsten vier Stationen in Sarajevo. „Das ist ganz anders als das ‚Essen auf Rädern‘ bei uns“, sagt Julia P. Hier gehe es um Menschen, „die wirklich nichts haben“. Das hautnah zu erleben, sei für sie eine ganz neue Erfahrung.


Verständigung mit Gesten und Blicken

Während die beiden Schülerinnen ihre Tour durch das winterliche Sarajevo fortsetzen, haben es die anderen im Sozialzentrum der Caritas wohlig warm. Kinderstimmen erfüllen die hellen und modern eingerichteten Räume im ersten Stock. Hier ist der Kinderhort zuhause, den täglich bis zu 70 Kinder vormittags und nachmittags besuchen. Bunt bemalt sind die Fenster mit winterlichen Motiven. Und in den Räumen geht es lebendig zu. Die Hildegardis-Schülerinnen haben sich unter die Kinder gemischt, spielen mit ihnen, basteln und malen. „Die Verständigung klappt schon“, meint Alina W., „auch wenn wir die Sprache nicht beherrschen.“ Doch mit Gesten und Blicken würde man schon zurechtkommen. Und für die Hortkinder ist es richtig aufregend, einmal mit Mädchen aus Deutschland spielen zu können.

Etwas ruhiger ist es im Kindergarten in der Parterre. Hier werden 110 Kinder in vier Gruppen betreut. Auch hier mischen sich Schülerinnen unter das Personal. Und ihnen macht die Arbeit mit den Zwei- bis Sechsjährigen Spaß. Auch hier helfen Gesten und Blicke. „Das geht richtig gut mit den Kleinen“, freut sich Mira. Sie und ihre Mitschülerinnen spielen mit den Kindern, helfen beim Händewaschen oder Aufstellen der Bettchen, bemalen Fenster oder spitzen auch schon mal 157 Bleistifte an. 


Täglich wechseln die Hildegardis-Schülerinnen den Einsatzbereich. Schließlich sollen sie alles einmal kennen lernen. Doch dieser Wechsel und die Kürze des Praktikums machen es natürlich nicht möglich, engere Beziehungen zu den Kindern aufzubauen. „Aber dass wir einfach nur da sind, den Kindern Zuwendung und Aufmerksamkeit schenken und auch helfen, wo wir können, ist auch schon etwas“, meint Schülerin Mirjam P. Das unterstreicht auch Religionslehrer Martin Powik, der die Schülerinnen bei diesem Praktikum begleitet. „Sie haben versucht, sich nach Kräften einzubringen und das Beste aus der Situation zu machen“, lobt er. (do) (Fortsetzung folgt)

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