Zusammenrücken! „Ora et labora" in St. Michael

St. Michael in Oberhausen ist zugleich Kirche und Kleiderkammer. 35 Helfer sortieren hier Kleiderspenden für Flüchtlinge im Stadtteil.

St. Michael in Oberhausen ist zugleich Kirche und Kleiderkammer

Alle Plätze sind belegt während der Vorabendmesse am Samstagnachmittag in St. Michael: Auf 22 Bänken stapeln sich Oberteile, Hosen, Jacken, Schuhe und Babysachen. Vorn rechts in den verbliebenen zehn Bänken sitzen Schulter an Schulter rund 60 Gottesdienstbesucher. Vormals hatten sie sich einzeln im Kirchenraum verteilt. Heute rücken sie zusammen und teilen sich das Kirchenschiff mit dem Kleiderlager ihrer Pfarrgemeinde.

Als kürzlich in der stillgelegten Stötzner Schule in der Nachbarschaft eine Erstaufnahmeeinrichtung für 203 Flüchtlinge entstand, war rasch klar, dass der kleine, ehrenamtlich betriebene Gebrauchtkleider-Laden „Janne +Pit“ der Gemeinde St. Marien die Flüchtlinge einkleiden würde. Und auch die Flüchtlingseinrichtung in der ehemaligen Hauptschule Eisenheim wird von „Janne + Pit“ mitversorgt. Ein Spendenaufruf für Kleidung brachte unerwartete Erfolge: Wohin mit den Unmengen an Kleiderspenden? Und wer sollte die Sachen sortieren?

In der Pfarrgemeinde dachte man praktisch: Pfarrer Thomas Eisenmenger gab kurzerhand die Kirche St. Michael frei, um Kartons zu lagern und Ordnung in die Kleiderberge zu bringen. Und in kurzer Zeit fanden sich rund 35 Menschen, die jeden Dienstag- und Donnerstagnachmittag beim Sortieren mit anpacken: links die Herrensachen, rechts die Damen, vorn erst Kinder und Babys, dann viele Paar Schuhe ordentlich auf der Betbank aufgereiht, in den Außengängen Spielzeuge, Fahrräder, Bettwaren und Koffer, im Mittelgang Kartons der Moschee-Gemeinde Oberhausens mit islamischen Kleidern für die Muslime aus Syrien, Albanien und dem Irak. Barbara Roscher-Janda behält den Gesamtüberblick und koordiniert die Arbeiten aller Helfer: „Die Flüchtlinge bekommen Gratis-Bezugsscheine und werden von Ehrenamtlichen mit dem Auto zu „Janne + Pit“ in der ehemaligen Knappenschule zum Einkaufen gefahren.“

Die Neuankömmlinge haben oft nur eine Plastiktüte bei sich. „In der Unterkunft bekommen sie nur ein Feldbett mit einer dünnen Decke“, berichtet Simone Jehn, die sich in der Flüchtlingsinitiative Stötznerschule engagiert. Die Hilfe der Nachbarn aus dem Stadtviertel ist also dringend nötig. Den Ehrenamtlichen wird die Arbeit nicht zu viel. „Freiwillige Helfer St. Michael“ haben sie sich genannt, haben sich über WhatsApp vernetzt und fragen sich jetzt schon, welche Aufgaben sie übernehmen werden, wenn die Arbeit in der Kleiderkammer erledigt ist.

Und auch die Gottesdienstbesucher scheint der Rummel in ihrem Rücken nicht zu stören. Wer sich lieber zum Beten zurückzieht, setzt sich einfach zwischen die Kleiderstapel. Und angesichts der zehn vollbesetzten Bänke vorn rechts sagt Pater Olav Hamelijnk, der an diesem Samstag den Gottesdienst feiert, augenzwinkernd: „Hoffentlich wird‘s hier bald zu eng.“ (cs)

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