von Volker Meißner

Zu Gast im Wohnzimmer der Protestanten

Gemeinsam mit Weihbischof Wilhelm Zimmermann und der rheinischen Oberkirchenrätin Barbara Rudolph diskutierte das Netzwerk Ökumene im Bistum Essen über das Reformationsjubiläum 2017

Treffen des Netzwerks Ökumene

Wenn die Evangelische Kirche im Jahr 2017 den 500. Jahrestag der Reformation feiert, sollen die Katholiken nicht außen vor bleiben. Bereits vor zwei Jahren haben die evangelischen Landeskirchen in Nordrhein-Westfalen den katholischen Bischöfen einen Brief geschrieben und dazu eingeladen, das Reformationsfest 2017 als ein Christusfest gemeinsam zu feiern. Beim Treffen im Netzwerk Ökumene des Bistums Essen erläuterte Oberkirchenrätin Barbara Rudolph aus Düsseldorf jetzt, was es mit dieser Einladung auf sich hat. Zusammen mit Weihbischof Wilhelm Zimmermann diskutierten zahlreiche Vertreter aus den Gemeinden des Ruhrbistums, welche Chancen das Jahr 2017 für die Ökumene bietet.

Konfessionen haben das Gegeneinander überwunden

Mit der Veröffentlichung seiner Thesen zum Ablass setzte Martin Luther am 31. Oktober 1517 einen Prozess in Gang, der zur Herausbildung einer neuen christlichen Konfession und zur Trennung zwischen den Kirchen der Reformation und der römisch-katholischen Kirche führte. „Diese Trennung konnten wir bis heute nicht überwinden“, erinnerte Weihbischof Zimmermann. „Was wir aber Gott sei Dank überwinden konnten, ist das Gegeneinander und die Feindschaft zwischen den Konfessionen.“

Als Bischofsvikar für Ökumene sei er dankbar dafür, dass die Evangelische Kirche eingeladen habe, das Reformationsjubiläum als Christusfest gemeinsam zu gestalten, so der Weihbischof. Mit Blick auf 2017 nannte er drei Grundanliegen: Man könne erstens die Ernte der Ökumene einfahren, indem die über Jahre gewachsene Zusammenarbeit zwischen den Konfessionen gefeiert, bekräftigt und vertieft werde. Man könne das Jahr 2017 außerdem nutzen, um noch bestehende Wunden zu heilen, indem Verletzungen und Missverständnisse aus der Vergangenheit aufgearbeitet und das Miteinander dadurch gestärkt werde. Schließlich sei es wichtig, den Blick in die Zukunft zu richten und Ökumene mehr und mehr als gegenseitige Entlastung zu verstehen. „Es wird darauf ankommen, zwischen den Konfessionen Formen der Kooperation, der Arbeitsteilung und der Stellvertretung zu entwickeln“, betonte Zimmermann mit Blick auf die Ökumene vor Ort.

Christus als gemeinsamer Grund und Mitte des Glaubens

Wie sehr die Konfessionen in den vergangenen Jahrzehnten aufeinander zugegangen sind, machte auch Oberkirchenrätin Rudolph mit Beispielen aus der eigenen Kindheit deutlich. „Katholiken und Protestanten sprachen geringschätzig übereinander und auf den Schulhöfen trennten Zäune oder Linien die katholischen von den evangelischen Kindern“, wussten ebenfalls einige Vertreter aus den Gemeinden zu berichten.

Das Reformationsfest 2017 sei nicht in erster Linie ein konfessionelles Fest, sondern vor allem ein Christusfest, so Rudolph, die als Mitglied der Kirchenleitung der rheinischen Landeskirche für die Ökumene zuständig ist. „Es ging Martin Luther um Jesus Christus als den Heiland der Welt und des Einzelnen, und genau diese Mitte unseres Glaubens ist uns durch alle Trennung und Kirchenspaltung erhalten geblieben“ machte die Theologin deutlich.

Wenn die evangelische Kirche auf dieser Grundlage die Katholiken zu einem Christusfest einlade, dann wolle sie damit als guter Gastgeber auch ihre reformatorischen Erfahrungen und Prägungen zeigen. „Sie kommen sozusagen in das Wohnzimmer der Protestanten und haben die Chance, unsere Tradition als Bereicherung der eigenen Sichtweisen zu entdecken“, warb die Oberkirchenrätin. Dabei sei nicht ausgeschlossen, dass es neben dem Modell von Gastgeber und Gästen im Jahr 2017 auch gemeinsam gestaltete Veranstaltungen und Feiern gebe.

Material und Informationen zum Christusfest 2017 und zu geplanten Veranstaltungen stellt das Referat Ökumene im Bistum Essen auf seiner Internetseite bereit.

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