„Zeigen, was unsere Identität ist“

Bach-Jazz vom Feinsten, eine Moderatorin, die prominenten Gästen "auf den Zahn fühlte", spontane, offene Antworten, viel Humor, aber auch Nachdenkliches. Es war eine gelöste und fröhliche Stimmung beim Eröffnungsempfang der Kirchen zum Kulturhauptstadtjahr Ruhr.2010.

Kirchen luden zum Eröffnungsempfang

Füße wippten, Köpfe nickten im Takt, schnippten hier und da leise die Finger. Vielleicht hätte so mancher am liebsten dazu getanzt. Aber das wagte dann doch niemand beim Ökumenischen Eröffnungsempfang der Kirchen zur Kulturhauptstadt Ruhr.2010 in der Essener Volkshochschule. Jedenfalls passte der „Bach-Jazz“ des Thomas Gabriel Trios ausgezeichnet zu der fröhlichen und gelösten Stimmung. Der vergnüglich swingende Cocktail aus Barockmusik und Jazz spiegelte die Freude über den Start in das Kulturhautstadtjahr wider.

Diese Gelöstheit und Freude sprangen auch auf die Bühne über, wo WDR-Moderatorin Gisela Steinhauer in kleinen Talk-Runden dem einen oder anderen Prominenten „auf den Zahn fühlte“. Natürlich ging es dabei hauptsächlich um das Thema „Kulturhauptstadt“ und den Kulturbegriff, aber auch um die Region im Allgemeinen, um die Menschen des Ruhrgebietes, um Lebensgeschichten und auch um ganz Persönliches. Und die Gesprächspartner zeigten eben  genau das, was die Menschen nach Ansicht von Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck auszeichnet: „Sie sind offen, spontan und handfest.“

Overbeck, gebürtig aus Marl und seit drei Wochen neuer Bischof von Essen,   war da keine Ausnahme. Auf die Frage, warum er denn Priester geworden sei, wo er doch aus einem landwirtschaftlichen Betrieb mit eigener Kornbrennerei komme, antwortet der Bischof schlagfertig: „Ich wollte, dass der Overbeck’sche Geist auch auf andere Art verbreitet werden soll.“ Doch der Moderatorin versprach er: „Beim nächsten Mal gibt es auch einen Overbeck’schen Korn für Sie.“ Was das Kulturhauptstadtjahr betreffe, freue er sich die vielen kulturellen Highlights, „auf die Begegnungen mit den Menschen und mit den anderen Religionen“.

Dass er ein waschechtes Kind des Ruhrgebiets ist, verriet der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider. Aufgewachsen in einer Duisburger Arbeitersiedlung erzählte er aus seiner Kindheit, vom Straßenfußball, den „Banden“ und von dem großen Zusammenhalt, den es in der Siedlung gegeben habe. Sein Wunsch für das Kulturhauptstadtjahr ist, „dass die Kirche nahe bei den Menschen bleibt und die Erfahrung sichtbar macht, wie wichtig der Glaube für ein gelingendes Zusammenleben ist“.

Bewegung wird das Kulturhauptstadtjahr nach Ansicht von Bundestagspräsident Professor Dr. Norbert Lammert in die Region bringen. Ob er das mit seinem sportlichen Sprung auf die Bühne untermauern wollte, bleibt dahingestellt. „Diese Region kommt aus diesem Jahr anders heraus, als sie hineingegangen ist“, so Lammert. Dass nahezu alles in den vergangenen Jahrzehnten in der Region „erarbeitet“ worden sei, ist für ihn „ein Vorzug des Ruhrgebietes“. Keine Region sei außerdem dermaßen durch  Zuwanderung geprägt wie das Ruhrgebiet. Dass die Kulturhauptstadt Ruhr.2010 mit einem Ökumenischen Gottesdienst im Essener Dom eröffnet wurde, sei „erfreulich, ermutigend und erheblich“. Lammert: „Da geht es um eine andere Art von Wertschöpfung.“

Mit einem anstrengenden aber auch „wunderbaren Jahr“ rechnet Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff. „Ich bin mir sicher, dass sich das Ruhrgebiet neu entdecken und erfinden wird“, betonte er. Die Region habe „kulturelle Potenz“. Daraus müssten Selbstbewusstsein und Kreativität erwachsen. Was die Kirchen für die Kulturhauptstadt auf die Beine gestellt hätten, sei „grandios“. Der Auftakt mit der Feier eines Ökumenischen Gottesdienstes zeige, „dass sich Kirche und Kultur wieder mehr aufeinander zu bewegen“.

Ausdrücklich dankte Professor Dr. Oliver Scheytt, Geschäftsführer der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 GmbH, den Kirchen für die engagierte Mitarbeit. „Wir wollen in diesem Jahr zeigen, was uns ausmacht, was unsere Identität ist“, so Scheytt. Dabei gehe es vor allem um Lebensweise und Umgangsformen.

Dass die Kirchen auf vielfältig Weise Träger von Kultur sind, unterstrich Landeskirchenrätin Karin Moskon-Raschick. Für sie zählen neben Bildung auch soziales Engagement und Integration  zur Kultur. Viele Menschen hätten sich in der Vorbereitungsphase engagiert: „Wir sind eine richtige Massenbewegung geworden.“

Ihr katholisches Pendant, der Ruhr.2010-Beauftragte des Bistums Essen, Dr. Michael Schlagheck, betonte, dass die Kirche nicht nur große Events organisieren, sondern auch ihr eigenes alltägliches kulturelles Engagement herausstellen wolle. "Kult und Kultur gehören aufs Engste zusammen. Es geht um die Deutung des Lebens", so Schlagheck, der dazu aufrief, Selbstbewusstsein zu zeigen: „Wir sind stark, und die Kirche ist in der Kulturhauptstadt gut vertreten.“ (do)  

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